
Auf dieser LP gibt es nicht anderes zu hören als die Rückkehr des guten alten italienischen Chaospunk, wie er während der1980er Jahre von WRETCHED aus Mailand gespielt wurde. APOPTOSI aus Bergamo sind eine sehr junge Band, wobei der Schlagzeuger erst 16 Jahre alt ist und auch seine Mitstreiter gerade mal 18 und 19 Jahre. Im Juli 2025 hatte ich APOPTOSI auf dem DLB Festival in Italien zum ersten Mal live gesehen und war von der Inbrunst und Spiellaune der Band sehr angetan. Anfang April 2026 waren sie für einige wenige Konzerte in Belgien und Holland und haben auch dort mächtig abgeräumt. Der Titel der LP heißt übersetzt „Für all das Böse, das du getan hast“ und zielt textlich auf die langanhaltenden Missstände in der Gesellschaft und Politik ab. Laut der Band entstand die LP aus einem wachsenden Bewusstsein – individuell wie kollektiv – für die Realität, die sie umgibt. Dieser rauhen Realität entspringt ein direkter zielgerichteter Hass. Die Texte transportieren ein Gefühl der Ohnmacht und Frustration angesichts der Zerstörung oder des Verkaufs all dessen, was das Leben lebenswert gemacht hat. Die Texte spiegeln auch den Zorn über eine sterbende Welt wider, die das Gefühl akzeptiert, dass das Leben jeden Tag an ihr vorbeizieht, immer grauer und stiller wird und sich an fiktive Idole klammert, alte oder moderne: versprochene Paradiese, heilige Länder, nichtexistierende Vergangenheiten und Gegenwarten. Dieser Fassungslosigkeit entspringt eine gewisse Gleichgültigkeit, die uns täglich begegnet, den Lügen und den Monstern gegenüber, die das ruhige Leben und den absoluten Komfort hervorgebracht haben. Der Inhalt dieses Albums ist aus all dem Bösen geboren, das du getan hast. — Diese Aussagen stammen übrigens von der Band selbst, ich habe sie nur aus dem Italienischen übersetzt. Es zeigt, wie erwachsen die Bandmitglieder bereits sind und wie selbstverständlich sie ihre Kritik lautstark äußern. Ich möchte zudem erwähnen, dass die vier Bandmitglieder technisch so gut und effektiv spielen, als würden sie das schon seit Jahrzehnten tun.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #186 Juni/Juli 2026 und Helge Schreiber