Foto

LA AFERRA

Program

Nikt Nic Nie Wie Records veröffentlichen hier eine Diskografie der polnischen Öko-Anarchisten LA AFERRA, die in der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre aktiv waren. Sie waren für ihre kompromisslosen Ansichten in Bezug auf Umweltschutz bekannt, was sich auch in ihren Texten widerspiegelte. Sie waren von langsameren Gitarrenriffs fasziniert und ihre Musik wurde oft als schwer und atmosphärisch charakterisiert. Sie brachten einen Hauch von Tribalismus in ihr Songwriting ein und der Gesang fand oft in Form von Rezitationen statt. In Polen spielten LA AFERRA seinerzeit sehr viele Konzerte, sie haben auch eine Reihe von Veröffentlichungen sowohl auf Kassette als auch Vinyl hinterlassen. Ihre Auflösung hinterließ eine große Lücke in der polnischen Punk-Szene. Die frühen Releases von LA AFERRA sind meist nur secondhand und auf Kassette zu finden, daher hat das Label Nikt Nic Nie Wie (auf Deutsch: „Niemand weiß etwas“) 25 Songs von LA AFERRA nun als CD oder Doppel-LP wiederveröffentlicht. Die ersten zwölf Songs stammen vom 1996er Tape „La Programo“, wobei sieben davon auch auf der im gleichen Jahr erschienenen LP „Ziemia Ginie – Obudz Sie!“ („Die Erde stirbt – Wacht auf!“) enthalten waren. Die restlichen stammen vom Tape-Album „W Naszych Nagich Twarzach“ („In unseren nackten Gesichtern“) von 1994, das damals ebenfalls bereits auf NNNW Records erschienen war. Daran merkt man mal, wie lange dieses Label bereits aktiv ist: Daumen steil nach oben. Die Diskografie beginnt mit mit einer PA-Ansage und einem Sirenengeheul, die die Unterdrückung im Ostblock während der 1980er Jahre thematisieren. „Kiedy pozbede sie serca“ („Wann werde ich mein Herz los?“) folgt mit Midtempo-Hardcore-Rhythmus und rausgerotzten Spoken-Word-Texten, das am Ende des Songs, der im Grunde ein langes Crescendo (langsam immer lauter werdend) ist und dann wieder in Schreien zerfällt. Diesem Muster bleiben sie über die ganze Länge der Platte treu, manchmal schneller – manchmal langsamer, dazu kommen klare Worte über den Zustand der Umwelt. Die Songs des Debüt-Tapes von 1994 sind etwas urwüchsiger und klingen härter und brauchen weniger Zeit für instrumentale Pausen oder verlangsamte Bridges. Der grüne, anarchistische Zorn von LA AFERRA wird hier definitiv spürbar und der Sound der Band wird eindrucksvoll zur Schau gestellt.

Anzeige