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DEUTSCHE LAICHEN

Punk ist scheiße, Punk ist geil

Dass ich mein Review zu „Punk ist scheiße, Punk ist geil“, dem neuen Album von DEUTSCHE LAICHEN, ausgerechnet am internationalen Frauenkampftag schreibe, ist Zufall und verweist zugleich eindringlich darauf, dass queerfeministische Kämpfe als Teil verbindender Klassenpolitik viel mehr praktische Solidarität und Unterstützung auch von Cis-Typen wie mir brauchen als diese alljährlichen symbolpolitischen Rituale, die sich in Ermahnungen erschöpfen, dass Frauen gleichberechtigt sind, und aktuellen Statistiken über Frauen in Führungspositionen. Seien wir aktive Allies, keine Arschlöcher, denke ich mir. So könnte dann auch das unausgesprochene Motto von „Punk ist scheiße, Punk ist geil“ lauten. Es braucht ein solidarisches Miteinander, das Szenen und Milieus verbindet, um sich in den andauernden politischen Kämpfen des Alltags nicht noch weiter zu erschöpfen und zu vereinzeln. Aber wie steht es um diese vermeintliche Selbstverständlichkeit? Das von Moses Schneider produzierte Album ist laut Aussage der Band eine „Bestandsaufnahme von Punk als Szene, Community, Haltung und Projektionsfläche“ aus queerfeministischer Perspektive. Nach dem Ergebnis befragt, antwortet Axxxe im Interview in dieser Ausgabe: „Punk hat das Potenzial, eine subversive Kultur zu sein und Missstände anzuprangern, aber das bedeutet Arbeit und kontinuierliche Selbstkritik ... Dieses Spannungsverhältnis von Anspruch und Realität versuchen wir im Albumtitel mit euch zu teilen.“ „Punk ist scheiße, Punk ist geil“ erzählt die Geschichte einer tiefen Erschöpfung und wie man trotzdem in Widersprüchen denk- und handlungs- und bündnisfähig bleiben kann. „Das Album handelt von der emotionalen Zerrissenheit linker Millennials“, so Axxxe. Es ist ein gefühliges, aber auch gewohnt kantiges Album, das eigene Schwächen thematisiert, aber nicht in Lethargie und Resignation verfällt, sondern eine Kampfansage formuliert. „Wir nehmen uns nicht zurück“, heißt es bezeichnenderweise in „Tough love“. Die elf Tracks überzeugen durch abwechslungsreiches Songwriting, das den typischen DEUTSCHE LAICHEN-Sound („Zelle“, „Rotmarkiert“, „Storno“) um stilbildende Post-Punk-Einflüsse erweitert, dank der Kollaborationen mit Irem Kara und allapopp auch experimentelle elektronische Elemente integriert und bei „Hotel Heartbeat“ sogar ein wenig ins Poppige gleitet. Manche Songs vermitteln EA80-Vibes wie in den frühen 1990ern. Mit dieser überraschenden Vielseitigkeit und Offenheit ist DEUTSCHE LAICHEN ein stimmiges und wichtiges Album gelungen, das gut ins Ohr geht und zum Nachdenken anregt. Lasst euch darauf ein. Es lohnt sich.

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