Die Empörung über US-Präsident Donald Trump und seine furchtbare Politik ist groß. Täglich sind wir mit neuen schockierenden Meldungen über sein Regierungshandeln konfrontiert. Die Stimmen aus der US-Punk-Szene sind aber noch relativ leise. Bislang haben sich vor allem DROPKICK MURPHYS in Position gebracht. Aber im Hintergrund laufen die Vorbereitungen für mehr Protest. Bei den Machern der „No Kings“- Bewegung, aber auch bei politischen Punkbands wie RISE AGAINST. Die haben feine Antennen und gießen die Stimmung ihrer Mitmenschen und gesellschaftliche Schieflagen in laute Protestsongs. Vor 26 Jahren als TRANSISTOR REVOLT gegründet, haben sich RISE AGAINST im Laufe der Jahre für Tierrechte, gegen Homophobie und gegen Kriegstreiber engagiert. Die ersten beiden Alben „The Unraveling“ (2001) und „Revolutions Per Minute“ (2003) veröffentlichte das Quartett aus Chicago auf dem Punkrock-Label Fat Wreck. 2004 bogen RISE AGAINST in Richtung Majorlabel ab und mussten sich jede Menge Kritik anhören. Das änderte nichts am Weg der Band. Melodischer Punkrock mit relevanten Texten sind bis heute ihr Markenzeichen. Die Bühnen wurden größer, das Publikum wuchs. Es folgten die Alben „Siren Song Of The Counter Culture“ (2004), „The Sufferer & The Witness“ (2006), „Appeal To Reason“ (2008), „Endgame“ (2011), „The Black Market“ (2014), „Wolves“ (2017) und „Nowhere Generation“ (2021). Veröffentlicht via Geffen, Interscope, Virgin und jetzt eben Loma Vista. Ein Label mit Sitz in Beverly Hills. Aber trotz des Flirts mit der Mainstream-Musikindustrie wurde die Band nicht leiser. „Ricochet“ ist ein wütender Aufschrei gegen die rücksichtslose Politik aus dem Weißen Haus. Den Begriff Ricochet kann man frei mit Querschläger übersetzen, er soll die Auswirkungen von Abschiebungen, gestrichenen Hilfsprogrammen, Korruption und Handelskriegen beschreiben. „Das neue Album von RISE AGAINST klingt schon fast wie NICKELBACK“, hat ein Bekannter von mir neulich gepostet. Das ist natürlich fies und trifft nicht zu. Songs wie „Forty days“ oder „Damage is done“ haben enorme Power. Aber natürlich bedienen die Jungs aus Chicago längst nicht mehr nur den Underground. Diese Songs werden geschrieben, um auch auf großen Festivalbühnen vor zehntausenden Leuten zu funktionieren. Da muss jeder selbst entscheiden, ob ihm das zu soft oder zu cheesy ist. Aufgenommen haben RISE AGAINST diesmal nicht im Blasting Room von Bill Stevenson, sondern in Los Angeles mit Catherine Marks (Frank Turner, WOLF ALICE). Mit „Ricochet“ werden Tim McIlrath und seine Band ihren Siegeszug auch durch die Gehörgänge von Normalos mit Toleranz für Punk-Klangfarbe fortsetzen. Und dabei können sie ein paar wichtige politische Botschaften platzieren. Das ist aller Ehren wert.
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