RISE AGAINST

Foto© by Mynxii White

Ein großer Querschlägereffekt

RISE AGAINST gehören zu den lautesten Stimmen im politischen US-Punkrock. Die Band aus Chicago hat sich in der Vergangenheit schon für Tierrechte und Umweltschutz, gegen Homophobie oder Atomwaffen ausgesprochen. Vor acht Jahren hat die Band mit dem Album „Wolves“ bereits ein starkes Statement gegen die erste Amtszeit von Donald Trump geliefert. Jetzt ist alles noch schlimmer geworden, deshalb greifen RISE AGAINST auf ihrem Album „Ricochet“ das Comeback des amerikanischen Präsidenten und die Auswirkungen seiner Politik auf. Sänger und Gitarrist Tim McIlrath erzählt uns, warum es jetzt wichtig ist, nicht den Kopf einzuziehen und nicht den Mund zu halten.

Tim, das neue Album heißt „Ricochet“. Das hat mehrere Bedeutungen. Was hattest du im Sinn?

In Amerika kennt man dieses Wort besser als in Europa. Meistens wird es mit Querschläger übersetzt. Wenn eine Kugel aus einer Waffe abgefeuert und von einer Wand abgelenkt wird. Wenn keiner weiß, wen das Geschoss treffen wird. „Ricochet“ ist für mich eine Metapher für die Tatsache, dass wir alle miteinander verbunden sind. Wie vorsichtig man sein muss mit Entscheidungen, die man trifft, was man tut oder was man sagt. Wir können nie wissen, wer davon betroffen ist und welche Auswirkungen das hat. Deshalb appelliere ich daran, sich dessen bewusst zu sein. Wir sind mit anderen Ländern und anderen Volkswirtschaften verbunden. Wir sind mit Einwanderern ohne Papiere verbunden. Wir sind mit jeder Entscheidung unserer Politiker verbunden. Es ist alles ein großer Querschlägereffekt. Diese Idee bildet das Rückgrat dieses Albums.

Ich denke, das ist auch ein Bild für die aktuelle Situation in den Vereinigten Staaten. Donald Trump verhält sich gerade wie ein Elefant im Porzellanladen. Er stößt alle vor den Kopf und macht sich überall Feinde.
Als RISE AGAINST kommentieren wir immer Dinge, die um uns herum in unserer unmittelbaren Nähe passieren. Der Aufstieg der Rechten ist aber natürlich auch ein großes Thema in Europa. Wir erleben gerade eine globale Renaissance der Faschisten und Nationalisten. Das macht mich sehr wütend, diese beschissene Aussicht für die Zukunft. Die Zukunft, die Donald Trump und seine Regierung schaffen wollen, ist nur für einige wenige reiche Leute gut. Für die meisten Leute wird sie furchtbar sein. Das ist ein Thema, über das wir singen und sprechen wollen. Ich denke aber, es gibt immer noch mehr Leute, die eine andere, optimistische Vision für die Zukunft haben, aber die sind momentan nicht laut genug. Aktuell haben die Leute mit dem beschissensten Plan für die nächsten Jahre die durchdringendste Stimme.

Ich habe den Eindruck, dass die Proteste gegen Donald Trump und seine Regierung aktuell nicht so laut sind wie in seiner ersten Amtszeit. Woran liegt das?
Ich denke, es gibt in der Linken keinen Konsens, wie man mit der aktuellen Situation richtig umgeht und wie man sich schlagkräftig dagegen wehrt. Einige Leute rufen dazu auf, auf die Straße zu gehen und seinen Protest zu artikulieren. Andere denken, es ist besser, momentan überhaupt nicht zu reagieren und einfach dabei zuzusehen, wie der Karren vor die Wand gefahren wird. Dass man es immer schlechter werden lässt und darauf wartet, dass sich die Verantwortlichen selbst zerstören. Damit man ihnen kein leichtes Ziel in Form von Protesten gibt. Ich bin mir noch nicht sicher, was die richtige Strategie ist. Als Künstler ist die Musik unsere Form von Widerstand. Indem wir Songs über die schlechte Politik schreiben und in Interviews darüber reden. So versuchen wir die Fraktion zu verstärken, die gegen Donald Trump und seine Regierung ankämpft.

Vor allem Bruce Springsteen hat sich kritisch zu Trump positioniert und wurde dafür extrem angefeindet. Ist es für euch als Band schwieriger geworden, Kritik an der Regierung zu äußern?
Das ist kein Problem für uns. Wir haben uns 25 Jahre lang auf diesen Moment vorbereitet. Wir sind gewappnet für alles, was sich uns in den Weg stellt. Wir müssen nicht darüber nachdenken, wer wir sind und wofür wir stehen. Ohne diese Einstellung würden wir als Band nicht mehr existieren. Also komme, was wolle, wir sind RISE AGAINST. Wir äußern uns momentan vielleicht sogar deutlicher denn je auf der Bühne, weil es momentan auch wichtiger ist als je zuvor. Ich glaube nicht, dass wir deshalb ernsthafte Konsequenzen befürchten müssen. Es glaube, es gibt immer noch mehr Menschen in Amerika, die unsere Meinung teilen. Die von uns auch erwarten, dass wir uns gegen Donald Trump und seine Politik aussprechen. Ich denke, viel mehr Künstler müssten ihre Meinung dazu sagen, damit sich die wenigen, die das aktuell tun, nicht so allein fühlen.

Ihr kommt aus Chicago, das als sehr freundlich gegenüber Migranten und Geflüchteten gilt. Die Heimatstadt von Barrack Obama. Die Trump-Regierung hat angekündigt, Chicago zum „ground zero for mass deportations“ machen zu wollen. Was passiert da gerade?
Chicago war schon immer eine Zuflucht und hat Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben sind, mit offenen Armen empfangen. Die Bürger von Chicago begegneten Migranten und Geflüchteten immer mit unglaublich viel Unterstützung und Hilfe. Daran hat sich auch nichts geändert. Die Rechten fühlen sich davon natürlich dazu provoziert, die Stadt schlecht zu machen. Denn wenn Chicago mit diesem Vorgehen Erfolge vorweisen kann, werden auch andere Städte mit einer progressiven Stadtgesellschaft diesen Weg erfolgreich gehen. Die US-Regierung kann es sich schlicht nicht leisten, dass Chicago mit seiner migrantenfreundlichen Haltung zum landesweiten Vorbild wird. Also tut sie alles, um das zu verhindern. Chicago ist eine große Stadt und hat dieselben Probleme wie jede große Stadt. Wir sind allerdings zum Glück noch weit entfernt von dem dystopischen Szenario, das die Regierung von Donald Trump für diese Stadt gezeichnet hat. Wir konnten uns diese Willkommenskultur immer noch bewahren und werden alles daran setzen, unsere Identität nicht zu verlieren.

Lass uns über eure neuen Songs reden. Mir ist „Damage is done“ aufgefallen. Dabei denken ich an den Schaden, den das Weiße Haus in den letzten Monaten angerichtet hat.
Eigentlich versuche ich immer Songs zu schreiben, die sich nicht so sehr auf konkrete Personen wie George Bush oder Donald Trump beziehen. Mir geht es eher darum, die Ideologien zu beschreiben, die sie antreiben. Denn die Strategien, die hinter bestimmten Aktionen stecken, überdauern den jeweiligen Amtsträger meistens um Längen. Deshalb schreibe ich Songs, die hoffentlich auch diese Regierung überleben werden. Songs, die zeitlos sind. Aber natürlich ist Donald Trump im Jahr 2025 die Personifikation einer feindlichen Ideologie, gegen die wir uns wehren müssen. Insofern kann man den Text von „Damage is done“ schon auf ihn beziehen. Es ist auf jeden Fall einer meiner Lieblingssongs auf dem Album.

Wie ist es mit „Us against the world“? Was ist damit gemeint – die Amerikaner gegen den Rest der Welt?
Nein, der Gedanke hinter diesem Song ist ein anderer. Es geht darum, dir Mut zu machen, wenn du dich allein mit deiner Meinung fühlst. Denn viele Dinge auf dieser Welt haben mal ganz klein angefangen und erst langsam Form angenommen. So war es zum Beispiel mit dem Frauenwahlrecht. Das war anfangs sehr unpopulär, bis es sich als Idee durchgesetzt hat und inzwischen als selbstverständlich betrachtet wird. Ich wette, die Initiatoren dieses Gedankens haben sich am Anfang sehr allein in der Welt gefühlt. „Us against the world“ soll solchen Menschen Mut machen und ihnen versichern, dass sie nicht alleine sind. Dass es sich im Moment vielleicht beängstigend anfühlt, aber dass du auf dem richtigen Weg bist. Dass du auf keinen Fall aufgeben sollst, egal, wie stark der Widerstand ist.

Was können wir von der gesamten US-Punk-Szene erwarten? Könnte es eine ähnliche Initiative geben wie 2004 die Punkvoter-Bewegung gegen die Wiederwahl von George W. Bush? Momentan ist es verdächtig ruhig.
Das hoffe ich und ich glaube es auch. Viele Leute sind immer noch fassungslos angesichts des zweiten Wahlerfolgs von Donald Trump und all dessen, was gerade im Weißen Haus los ist. Die Regierung hat den Plan, alle in Schockstarre zu versetzen und sämtliche politischen Gegner möglichst schnell auszuschalten. Dummerweise müssen wir konstatieren, dass diese Strategie derzeit voll aufgeht. Viele Menschen in Amerika werden völlig überrollt von dem, was gerade passiert. Da kommt jeden Tag eine neue Schreckensmeldung und das Ganze erschüttert auch die Punk-Szene. Deshalb versuchen wir immer noch, die richtige Antwort auf all diese Ereignisse zu finden. Aber mein Eindruck ist, dass der Widerstand sich langsam formiert. Immer mehr Bands beziehen öffentlich Stellung. Neben uns sind das Leute wie PENNYWISE oder DROPKICK MURPHYS. Wir reden darüber, was ein möglichst effektiver Weg sein könnte, um als Punk-Szene angemessen zu reagieren und unsere Inhalte zu kommunizieren. Ich denke, wir werden in den nächsten vier Jahren zumindest noch einige großartige politische Platten zu hören bekommen.

Tatsächlich sind ja viele der Auffassung, dass unsichere politische Zeiten gute Zeiten sind für Punksongs. So viel Wut! Wie siehst du das? Stärkt das die Punk-Szene?
Klar, die 1980er, als Politiker:innen wie Ronald Reagan oder Margaret Thatcher an der Macht waren, waren großartige Jahre für Punkrock. Was das betrifft, wirkt die aktuelle Situation wie ein Motor. Kunst reagiert immer auf solche Strömungen. Künstler finden immer eine Antwort darauf, was gerade in der Welt passiert. Wir alle würden uns wünschen, dass das nicht passieren würde, aber wir sind mehr oder weniger dazu gezwungen. Das wird auch immer so bleiben.

Ihr seid eine Band, die weltweit tourt. Wie fühlt ihr euch als Amerikaner, wenn ihr derzeit nach Europa kommt, schämt ihr euch für eure aktuelle Regierung? Habt ihr das Gefühl, ihr müsst erklären, was da los ist?
Beschämt trifft es wahrscheinlich am besten. Ich denke, die meisten Amerikaner haben genauso viel Angst vor dem, was da gerade im Gange ist, wie die Europäer. Ich habe nicht für diesen Typen gestimmt, so wie viele andere. In den USA gibt es etwa 244 Millionen Wahlberechtigte, nur rund 77,3 Millionen haben für Donald Trump gestimmt. Nur etwa die Hälfte der Wahlberechtigten ist überhaupt zur Wahl gegangen. Es gibt in den USA also jede Menge Leute, die Donald Trump und seine Ideen nicht unterstützt haben. Er ist ein vergleichsweise unpopulärer Präsident, aber seine Stimme hat gerade enormes Gewicht. Wir leben außerdem im Internet-Zeitalter und es ist uns noch nicht gelungen, die Menschen besser vor Fake News und Verschwörungserzählungen zu schützen. Das belohnt aktuell vor allem diejenigen, die unser Land für ihre eigenen Interessen gekidnappt haben. Als Amerikaner nach Europa zu kommen, fühlt sich gerade an wie kurz nach dem 11. September 2001. Wir waren damals vor und nach der Wahl von George W. Bush auf Tour in Europa und der Vibe war definitiv ein anderer. Die Menschen in Europa sind völlig zu Recht besorgt darüber, was gerade in den USA passiert. Deshalb ist es völlig okay, wenn sie uns auch darauf ansprechen.

Lass uns über den Sound des Albums reden. Mein Eindruck ist, dass die Songs deutlich härter klingen als zuletzt auf „Nowhere Generation“. War das Absicht, als ihr ins Studio gegangen seid?
Es gab nicht wirklich einen Plan, wir wollten aber auf jeden Fall keine Fortsetzung von „Nowhere Generation“ aufnehmen. Deshalb haben wir uns diesmal bei Mix und Produktion für jemand anders entschieden. Wir haben das Album in Los Angeles aufgenommen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, einen anderen Weg zu gehen. Produziert hat es Catherine Marks und ihr ging es speziell darum, die Rauhheit und die Live-Energie von RISE AGAINST einzufangen. Das ist wahrscheinlich der Grund, warum du die Songs als härter empfindest.

Eure bisherigen Alben habt ihr fast alle im Blasting Room von Bill Stevenson in Fort Collins, Colorado aufgenommen. Was war diesmal anders?
Es war ein Riesenunterschied. Mit Bill haben wir sechs Alben aufgenommen. Wir haben dieses Mal viel mehr live eingespielt und im Moment gearbeitet als sonst. Wir haben die Songs nicht mehr in ihre Bestandteile zerlegt und unters Mikroskop gepackt. Die Atmosphäre im Studio war viel organischer. Wir haben vorher nicht so viel über den Prozess nachgedacht wie sonst, woran hauptsächlich ich schuld war. Das war vielleicht der größte Unterschied. Und wir haben mit einer Person gearbeitet, die noch kein vorgefertigtes Bild davon hatte, wie RISE AGAINST klingen müssen. Stattdessen hat Catherine einfach mit dem gearbeitet, was sie gehört hat. Sie ist völlig unbelastet ins Studio gekommen. Sie hat die Musik dort zum ersten Mal gehört und versucht, das Beste daraus zu machen. Sie kommt aus der Welt von Mark Ellis aka Flood und Alan Moulder, da sind Bands wie SMASHING PUMPKINS, NINE INCH NAILS oder britische Shoegaze-Bands wie RIDE zu Hause. Deshalb hört man wahrscheinlich ein paar Einflüsse aus dieser Richtung.

Ist Catherine Marks die erste Frau, mit der ihr im Studio gearbeitet hat? Hatte sie einen „female touch“?
Es gibt tatsächlich nicht so viele Produzentinnen. Ja, wir konnten da schon eine bestimmte Energie spüren. Wir haben bisher kaum darüber geredet, aber hinter RISE AGAINST steht ein fast komplett weibliches Team – von den Booking-Agentinnen über das Management bis zu unseren Anwältinnen. Hinter den Kulissen finden sich bei uns fast nur Frauen . Deshalb passt Catherine perfekt zu uns. Und wir haben all diese Mitarbeiterinnen nicht ausgewählt, weil sie Frauen sind, sondern weil sie einfach gut darin sind, was sie machen. Jede:r braucht diesen „female touch“, das ist auf jeden Fall so.

Als kleine Punkband habt ihr eure ersten beiden Platten bei Fat Wreck Chords veröffentlicht. Seit eurem dritten Album seid ihr nun bei Majorlabels wie Geffen, Interscope oder jetzt Loma Vista. Müsst ihr euch in der Punk-Szene immer noch dafür rechtfertigen?
Natürlich haben wir immer wieder Probleme mit der sogenannten Punkrock-Polizei gehabt. Aber wir waren selbst mal so unterwegs, also kann ich den Leuten nicht böse sein. Als Kiddie war ich auch sauer, als BAD RELIGION bei Sony unterschrieben haben. Das muss jeder Musikfan mit sich selbst ausmachen. Ich werde niemanden dafür verurteilen, wenn er uns dafür kritisiert, und ich werde auch nicht versuchen, jemanden vom Gegenteil zu überzeugen. Ich weiß nur, dass mich niemand von meinem Weg abbringen kann. Punk hat seine eigenen Gesetze, das verstehe ich sehr gut. Wir kommen aus dieser Szene, ich kenne diese Argumente genau. RISE AGAINST haben immer versucht, authentisch zu bleiben, und wir klingen exakt so, wie wir klingen wollen. Wir haben volle Kontrolle über unsere Musik und wie wir nach außen auftreten wollen. Ich schäme mich nicht, wenn ich zurückblicke. Ich stehe heute noch hinter all unseren Entscheidungen.

Ich denke, mittlerweile gibt es kaum noch die Chance, RISE AGAINST mal in einem kleinen Club zu sehen. Vermisst du das manchmal? Den engen Kontakt mit den Fans, völlig ohne Barrieren?
Klar vermisse ich das. Die kleinen Shows sind viel intimer. Es ist viel heißer, alle schwitzen. Fans klettern auf die Bühne und springen ins Publikum. Es gibt eine viel größere Nähe zwischen Band und der Menge. Man spürt die Reaktionen des Publikums viel direkter und intensiver. Je größer die Location ist, desto schwerer wird es, diese Verbindung zu spüren. Es ist nicht unmöglich, aber eben nicht so leicht. Aber wenn du es schaffst, bei dieser Größe diese Verbindung zu den Leuten herzustellen, ist das ein unglaubliches Gefühl! Das kostet aber zugleich große Anstrengungen, wir mussten da auch erst reinwachsen. Wir haben in Kellern, Garagen und kleinen Läden angefangen und niemand hat uns beigebracht, wie das Ganze auf größeren Bühnen funktioniert. Das mussten wir alles selbst herausfinden. Wir hatten keine Unterrichtsstunden, wo uns beigebracht wurde, wie man sich als Headliner auf einem Festival idealerweise verhalten sollte. Das haben wir in einer Feuertaufe gelernt. Wir haben erst allmählich kapiert, was vor welchem Publikum am besten funktioniert. Wir mussten erst lernen, wie wir unsere Songs auch in großen Hallen oder Stadien an die Leute bringen können. Wir denken noch gerne an unsere frühen Konzerte, aber heute wollen so viel mehr Leute zu unseren Shows kommen als früher, dass wir uns umstellen mussten. Wenn wir jetzt in einem kleinen Club wie dem SO36 in Berlin auftreten würden, würden unzählige Tickets auf dem Schwarzmarkt landen, wo die Fans vielleicht tausende Dollar dafür zahlen müssten. Das wäre nicht fair. So können wir die Ticketpreise auf einem vernünftigen Niveau halten. Aber ab und zu spielen wir auch Secret Shows, so wie im Berliner Ramones-Museum, und das ist immer großer Spaß.

Was sagst du eigentlich zum Ende von ANTI-FLAG? Die Band hatte sich ja 2023 aufgelöst, nachdem bekannt wurde, dass Justin Sane mehrere Frauen sexuell belästigt oder vergewaltigt haben soll. Für die Punk-Szene war das ein Schock.
Ich war jedenfalls stinksauer, dass ich all die Jahre diesen Wolf im Schafspelz in meinem näheren Umfeld hatte. Er hat mit seinem Verhalten auch unsere Freundschaft hintergangen. Er hat seine Position ausgenutzt, um Frauen zu missbrauchen. Dass er aus der Punk-Szene verbannt wurde, geschah völlig zu Recht. Ich bedaure vor allem die betroffenen Frauen und was sie durchmachen mussten. Die Punk-Szene sollte schließlich ein Safe Space sein.

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