Foto

SCHUHFABRIK BLEIBT!

Julia Bassenger

Julia Bassenger ist eine in Wien lebende, musikalisch vielfältig aktive Bassistin, die schon immer auch am Schreiben, an Texten und Literatur Interesse hatte. „Die Sprache ist einfach ein schöner Werkstoff“, sagt sie. Als der Verlag Glitzer & Grind – „der Krachbuchverlag“ – wissen ließ, dass Interesse an Manuskripten besteht, fühlte Julia sich angesprochen und machte sich ans Werk. Das so entstandene „Schuhfabrik bleibt!“ ist ein reiches Buch, prall gefüllt mit Charakteren, Geschichten und Ansichten, grundsätzlich angesiedelt in und um die titelgebende Schuhfabrik, diese ist zu lesen als ein Hybrid aus Arena, EKH und ähnlichen Häusern allüberall. Julia Bassenger ist als tourende Musikerin nur zu vertraut mit solchen Soziotopen, die 300 Seiten sind also voll aus dem Leben gegriffen und zugleich – Roman! – gekonnt zugespitzt. Wobei auch Blut spritzt! Wir werden lesend Zeuge einer Kastration, die als fiktive Konsequenz der in der Subkultur ebenso herrschenden (!) Geschlechter-Unverhältnisse ein im Wortsinn fantastischer Diskussionsbeitrag ist. Der berücksichtigt, dass viele Frauen qua Sozialisation und Körperlichkeit eben nicht so wehrhaft sind gegenüber männlichen Übergriffen wie die 1,83 Meter große Autorin. Im Grunde entzieht sich „Schuhfabrik bleibt!“ der Nacherzählung, so ist etwa eine „echte“ Familiengeschichte eingewebt in jene der so dynamischen Wahlfamilien, die einem bei vergleichender Lektüre gar nicht mehr so dysfunktional erscheinen. „Es war ein guter Tag“ – ein Schlusssatz von großer Schönheit. Was auch für den Tag gilt, an dem Julia Bassenger mit einem zweiten Buch die Geschichten ihrer Figuren weiterzählt.

Anzeige