
Das Etikett Post-Punk ist für SHAME schon lange nicht mehr ausreichend. Das hatten Musikjournalisten der Band verpasst, in einem Atemzug mit IDLES und FONTAINES D.C. Alle drei Bands haben sich inzwischen enorm weiterentwickelt und eine ganz eigene Tonsprache gefunden. Das hört man auf dem vierten Album „Cutthroat“ sehr deutlich. Das ist vor allem eins: wütend. „It’s about the cowards, the cunts, the hypocrites“, sagt Sänger Charlie Steen. „Wir leben in verrückten Zeiten. Aber es geht nicht um ‚Armes Ich‘, es geht um ‚Fuck you‘.“ Die vier Londoner kotzen sich aus über Krieg, Korruption, Rassismus oder die Kluft zwischen arm und reich und überziehen Machthaber wie Trump, Putin oder Keir Starmer mit dem typisch britischen Sarkasmus. Verpackt in einen Sound, der schwer in Worte zu fassen ist. Bei aller Riffgewalt gibt es auch sehr tanzbare Beats und elektronische Elemente. Die Stimme von Charlie Steen erreicht inzwischen eine unglaubliche Varianz. Ich würde sagen, Indierock im besten Sinne. „Cutthroat“ ist in meinen Augen nach den beiden eher schwächeren Vorgängern „Drunk Tank Pink“ (2021) und „Food For Worms“ (2023) ein richtig starkes Album geworden. Die Wut über die aktuelle politische Situation quillt aus allen Poren, trotzdem transportieren die zwölf Songs eine enorme Lebensfreude. Kritik und Protest können auch cool klingen.
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