
Auf SLEAFORD MODS ist Verlass. Das Elektropunk-Duo aus Nottingham hat drei Jahre nach „UK Grim“ ein neues Album fertig. Genug Gründe zu schimpfen gibt es. Jason Williamson und Andrew Fearn verpacken schon seit 2007 ihren Zorn über soziale Ungerechtigkeiten, korrupte Politik und die Dummheit ihrer Mitmenschen in urbane Sounds. Sie arbeiten mit minimalen Beats, wütenden Raps im East-Midlands-Dialekt und Punk-Attitüde. Auf der Bühne reicht ihnen ein Laptop und ein Mikrofon. Der Durchbruch kommt mit dem sechsten Album „Austerity Dogs“ (2013). Es folgen „Divide And Exit“ (2014), „Key Markets“ (2015), „English Tapas“ (2017), „Eton Alive“ (2019), „Spare Ribs“ (2021) und „UK Grim“ (2023). 12 Alben in 16 Jahren. Das wirkt fast schon wie die Torbilanz von Erling Haaland bei Manchester City. Die Sleafords haben den LoFi-Sound ihrer Proberaum-Garage längst hinter sich gelassen, spielen ausverkaufte Tourneen, es gibt TV-Auftritte und Headliner-Slots auf Festivals. Inzwischen sind sie beim Traditionslabel Rough Trade gelandet. Mit Album Nummer 13 gehen Jason und Andrew den nächsten Schritt. Sie arbeiten erstmals in den berühmten Abbey Road Studios in London sowie im PORTISHEAD-Studio in Bristol und haben sich dazu jede Menge Gäste eingeladen. Die befreundeten Soul-Punks BIG SPECIAL, die neuseeländische Songwriterin Aldous Harding, Rapper Snowy oder Schauspielerin Gwendoline Christie, bekannt aus der TV-Serie „Game of Thrones“. Deren Stimmen tragen dazu bei, dass der Sound von SLEAFORD MODS bunter und weniger minimalistisch klingt als je zuvor. Sie wirken fast wie zusätzliche Instrumente. Inhaltlich geht es um den Untergang der Welt. Aber nicht um eine Apokalypse durch einen Kometen oder Atomkrieg, sondern um den langsamen, schleichenden Tod durch Massenkonsum, soziale Medien, neue Nazis und egoistische Korruption. Die Welt geht eher mit einem Wimmern unter als mit einem lauten Knall. Gleichzeitig ist das Album in einer Zeit entstanden, in der Jason Williamson in einer Therapie an Familienkonflikten und seiner mentalen Gesundheit gearbeitet hat. „Das hat die Beziehung zu meinen Kindern und meiner Frau harmonisiert“, sagt Jason. „Ich wollte diesen Teufelskreis mit meiner Familie durchbrechen und das ist mir gelungen.“ „The Demise Of Planet X“ spuckt also Jasons Wut über die Umstände dieser dunklen Tage aus und richtet gleichzeitig den Blick nach innen. Das Ergebnis ist eines der intensivsten und abwechslungsreichsten Alben der Elektropunks aus Nottingham. Trotz Williamsons Selbstkritik und Fearns neuer Klangpalette bleibt „The Demise Of Planet X“ immer noch ein wutschnaubendes Album. SLEAFORD MODS wird der Sprit auch nicht so schnell ausgehen, angesichts von Reform UK, Donald Trump und den Folgen des Brexit.
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