
Um es direkt ganz deutlich zu sagen, „3!+7hoch1“ ist das beste und berührendste Album, das SLIME seit „Schweineherbst“ veröffentlicht haben. So viel emotionale und inhaltliche Tiefe, eingeflochten in eine lange nicht gehörte musikalische Facettenbreite, die an einem exakt eingenordeten kompositorischen Kompass ausgerichtet ist, hat die Band seit mehr als 30 Jahren nicht erreicht, wenn überhaupt. SLIME haben sich nicht etwa (schon wieder) neu erfunden, sondern zusammengefunden und ein gemeinsames Selbstverständnis entwickelt. Das gilt vor allem für die Integration und die Rolle von Sänger Tex Brasket in die Band, der sich mit einer Ausnahme („Rotterdam“) ausschließlich auf die Lyrics fokussiert und zu seinem zweiten Album mit der Band keine eigenen Kompositionen beisteuert. „3!+7hoch1“ bietet 14 neue Punkrock-Songs mit vereinzelt ungewöhnlichem, aber stimmigem Instrumenteneinsatz. Es ist ein typisches SLIME-Album, auf dem das stilbildende melodische Songwriting weiterentwickelt wird. Auf „3!+7hoch1“ sind SLIME experimentierfreudiger. Die Songs sind mal rockiger und erinnern an Elfs „Alkohol & Alte Scheine“-Zeiten. Die Ballade „Nur Rock n’ Roll“, eine Ode an die Liebe, ist im Refrain so poppig geraten, dass für einen kurzen Moment der „ZDF-Fernsehgarten“ vor dem geistigen Auge erscheint. Die Bandbreite reicht also von der langsamen Ballade bis zum Powerpunk, wobei das Album dennoch klingt wie aus einem Guss. Im Vergleich zum Vorgänger „Zwei“ wurden insgesamt die Geschwindigkeit und Härte etwas reduziert, die Intensität der oft hymnischen Songs aber zugleich erhöht. Hierfür zeichnen besonders Elfs Gitarren-Kompositionen und Tex’ ins Mark gehender Gesang verantwortlich, der einem feinjustierten Instrument gleich eingesetzt wird. „3!+7hoch1“ ist ein ebenso sehr politisches wie persönlich-intimes Album: ausgereift, anspruchsvoll, reflektiert. SLIME blicken in gesellschaftliche und persönliche Abgründe („Evolution“, „Monster“, „Ich lösch mich selbst“) und setzen der Ohnmacht gegen die deutschen Zustände, gegen die dumpfen Massen und gegen die menschgemachten globalen Krisen Wut, („Das fuckt mich ab“, „Was glaubst du, wer du bist?“), Widerstand, („Generalstreik“, „Armes Deutschland“), Selbstliebe, Lebensfreude („Bock auf Leben“, „Schatten“, „Rotterdam“) und Humor („Saufen“) entgegen. Müsste ich mich festlegen, wäre „Monster“, ein Gänsehautmoment, mein Favorit auf einem Album mit vielen Hits. SLIME, das gilt es einmal mehr festzustellen, sind einfach richtig gute Musiker:innen. „Wir machen als Band sowieso nur noch Sachen, auf die alle richtig Bock haben“, antwortet Tex auf die Frage im Interview mit dem Ox, was „3!+7hoch1“ von anderen SLIME-Alben unterscheidet. Und das ist gut so.
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