
Bevor der 1950 geborene japanische Komponist Joe Hisaishi (eigentlich Fujisawa Mamoru) durch seine Zusammenarbeit mit Hayao Miyazaki, für dessen Animationsfilme er ab 1984 in der Regel die Musik schrieb, auch international bekannt wurde, hatte er in Japan schon Mitte der 1970er Jahre im Anime-Bereich Fuß fassen können. Die minimalistische Mischung aus Kammermusik und Pop, versehen mit folkloristischeren Elementen japanischer Musik, des von Philip Glass und Erik Satie beeinflussten Komponisten erinnert hinsichtlich ihrer Melodiösität oft an seinen Landsmann Ryuichi Sakamoto. Ähnlich bedeutsam in Hisaishis Karriere war neben seiner Zusammenarbeit mit Miyazaki die mit Takeshi Kitano, hierzulande vor allem durch die Gameshow „Takeshi’s Castle“ bekannt. Als Schauspieler war Kitano schon 1983 in „Furyo – Merry Christmas, Mr. Lawrence“ zu sehen, an der Seite von Sakamoto und David Bowie. Auf dem Regiestuhl landete er 1989 bei „Violent Cop“ eher unfreiwillig, da Regisseur Kinji Fukasaku ausstieg und Kitano plötzlich Hauptdarsteller und Regisseur des Films war. In Folge entstanden einige ungewöhnliche Yakuza-Filme unter seiner Regie und mit ihm als Darsteller wie 1990 „Boiling Point“ oder 1997 „Hana-Bi“, neben „Sonatine“ von 1993, der sicherlich einer der herausragendsten Filme Kitanos ist, gleichermaßen zärtlich poetisch wie brutal. Ebenfalls wunderschön ist der wie gewohnt von charakteristischen Piano- und Keyboard-Klängen bestimmte Score von Hisaishi – beim Titelthema wird ein wenig Oldfields „Tubular Bells“ zitiert –, der auch ohne den Film wunderbar funktioniert und jetzt das erste Mal hierzulande auf CD und LP erschien.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Thomas Kerpen