Foto

SIXTURNSNINE

Soul Glitches

SIXTURNSNINE legen mit „Soul Glitches“ ein Werk vor, das sich konsequent dem Kurzformat und schnellen Effekten verweigert. Stattdessen setzen sie auf Reduktion, Wiederholung und kontrollierte Spannung. Das Album entfaltet sich langsam und verlangt Aufmerksamkeit, funktioniert aber gerade deshalb als geschlossenes Ganzes. „Primal lines“ eröffnet mit einem nüchternen Setup aus Bass und Elektronik, das sofort den Rahmen absteckt: minimalistisch, kühl, strukturiert. „Desert heat“ verschiebt die Dynamik leicht, bleibt aber zurückhaltend und arbeitet stärker mit rhythmischer Reibung. „Tripping point“ markiert eine erste Verdichtung, bei der sich Groove und Atmosphäre gegenseitig verstärken, ohne in klassische Dramaturgie zu kippen. Das fast sechsminütige „Weird“ bildet einen zentralen Block des Albums: monotone Sequenzen, fragmentierte Vocals und ein bewusstes Ausbleiben von Auflösung erzeugen anhaltende Spannung. Im Szenekontext steht „Soul Glitches“ in einer Linie mit deutschem Darkwave-nahen Experimental-Pop, der Clubästhetik ernst nimmt, ohne ihr zu verfallen. Düsseldorf als Herkunftsort ist dabei mehr als ein geografischer Zufall. Unterm Strich ergibt das ein Album, das Haltung zeigt und sich Zeit nimmt, Klischees elegant umgeht und sich genau dadurch in eine ganz eigene Nische manövriert.

Anzeige