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SUNN O)))

s/t

Mit 14 hatten irgendwann alle Jungs das damals übliche Statussymbol: entweder Mofa ... oder Stereoanlage. Und die musste getestet werden, wenn nachmittags die Eltern noch bei der Arbeit waren. Welche Platte hatte die wummerndsten Drums und den bollerndsten Bass zu bieten? Wir drehten auf, was die damals noch neuen Bassreflexboxen hergaben – bis die noch nicht thermoverglasten Fenster zu vibrieren begannen und die Nachbarn sich beschwerten. In Zeiten, da Menschen Musik eher per Kopfhörer hören und in ihren kleinen Zimmern nur noch Regalboxen stehen haben statt Lautsprecher im Format eines halben Kühlschranks, ist das für die Bevölkerung unterhalb der 40 zwar kaum noch nachvollziehbar, aber ich vermute, dass die Faszination, die von einer Formation wie SUNN O))) ausgeht, durchaus etwas mit diesem körperlichen Erleben von Musik zu tun hat. Wer SUNN O))) mal live erlebt hat, in einer alten Fabrikhalle etwa, wo der Kitt der denkmalgeschätzten Fenster angesichts des niederfrequenten Dröhnens bröselte, wer das wohlige Wühlen der Basslaute in der Magengegend verspürte, der/die möchte das auch zu Hause mal reenacten, auf die Gefahr des völligen Unverständnisses der Mitbewohnenden hin, und dazu taugt auch das neue Album der Noise-Mönche Stephen O’Malley und Greg Anderson wieder bestens. Klar, wer es einfach nur ballern haben will, der kann beliebige Maschinenmusik einstöpseln, doch die Kunstfertigkeit, mit der hier mit zwei parallelen Gitarren (und hier und da ein paar Extras) mit dickem Pinselstrich musikalische Landschaften gezeichnet werden, ist und bleibt einzigartig. So wie man mit etwas Ignoranz die Gemälde von Marc Rothko, die für Vorder- und Rückseite des Covers lizenziert werden konnten, beim flüchtigen Betrachten als reine Farbspielereien abtun könnte, so offenbaren sich auch bei O’Malley und Anderson die Details in der kontemplativen Betrachtung. Meditationsmusik für Fortgeschrittene.

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