
Der Brite Alan Moore gilt als Comic-Zauberkünstler, der mit seinem vielfältigen Werk Unverwechselbares erschaffen hat. Ganz gleich, ob die Superhelden-Dekonstruktion und Dystopie „Watchmen“, das ebenfalls dystopische Widerstandsdrama „V wie Vendetta“ oder der historische Thriller „From Hell“ – seine Arbeiten gelten als Klassiker und Kult und tragen das Etikett „zeitlos“. Und so ist es letztlich kein Zufall, dass auch jene drei Erzählungen, die Moore rund um die ikonische Figur des Superman verfasst hat, zu den Highlights in der langen Historie des stählernen Helden gehören. Moore war bereits als Kind von Superman-Comics und der daraus gewachsenen Mythologie fasziniert und liebte vor allem die frühen Geschichten, in denen der Held noch ein unverfälscht Guter war. Später kamen dann düstere, zwielichtigere Facetten hinzu, mit denen Moore hingegen nicht so viel anfangen konnte. Eine Zwickmühle, der Moore Rechnung trug, denn in den drei Superman-Storys des vorliegenden Bandes – allesamt aus der Mitte der 1980er Jahre – wirkt der „Mann aus Stahl“ nicht ganz wie ,,er selbst“, sondern eher wie von der Realität etwas abgerückt. Andererseits wird Superman sehr traditionell und originär dargestellt. Und das verbindende wie überzeugende Element dieser drei Geschichten ist eben genau dieser Umstand, nämlich dass Superman, wenn man so will, auf die gute alte Art gezeigt wird. Ohne all den Wahnwitz und Superhelden-Mix drumherum, der mittlerweile obligatorisch ist und der maximalen wirtschaftlichen Ausschlachtung des Superhero-Kosmos in Graphic Novel und Film geschuldet ist, wie sie heute um sich greift.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #182 Oktober/November 2025 und Frank Weiffen