
HERR WADE setzen ihre stille Demontage von Coolness, Pose und Pop-Gewissheiten konsequent fort. Das deutsch-norwegische Duo um Sebastian Voss und Jørn Åleskjær widmet sich Songs über Verfall, Müdigkeit und die Frage, wie man damit umgeht, ohne pathetisch zu werden. Der Einstieg „Haus mit Aussicht“ wird augenzwinkernd als Bewerbung für einen künftigen James-Bond-Score verkauft, verweigert sich aber demonstrativ jedem Bombast. Stattdessen: lässige Resignation, leicht schief gehängte Melodien, kontrollierte Ironie. Eskapismus zieht sich als Motiv durch das Mini-Album – in „Junge Onion“, „Sirenen in Portimão“ oder „Gnadenhof (uneingestöpselt)“ eher als gedanklicher Fluchtversuch denn als reales Ziel. Musikalisch bleiben HERR WADE ihrer reduzierten Indiepop-Ästhetik treu. Elektronische Skizzen, zurückhaltende Arrangements und pointierte Streicher (von Heiko Schneider) setzen Akzente, ohne den Songs die Luft zu nehmen. Zentrum der Veröffentlichung ist das über achtminütige „Am Tag, an dem er die Musik vergaß“, ein langsam kreisender Abgesang zwischen Melancholie und vorsichtigem Hoffnungsschimmer, inszeniert mit schwelgerischen Streicherarangements. Der lakonische Abschluss „Gift“ bringt die Haltung auf den Punkt: Wenn schon alles schiefgeht, dann wenigstens mit heißem Kaffee im Gesicht. „The Opposite Of Cool“ ist keine große Geste, sondern eine präzise Bestandsaufnahme – unaufdringlich, klug und gerade deshalb überzeugend.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Gereon Helmer
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