
Die Achse Münsterland-Norwegen eint das Gespür für feinen Indiepop mit beachtlichen Songschreiberskills, Liebe zum Detail sowie einem beinahe barocken Überfluss an guten Ideen. Im Falle von HERR WADE resultiert das in verpeiltem Dandypop, als ob C86 niemals geschehen wäre, mit Obsession für HAIRCUT 100 und 1988er STYLE COUNCIL, sogar SPANDAU BALLET können völlig unironisch als Ideengeber herhalten. Edwyn Collins’ ORANGE JUICE? „Too Slow To Disco“? „This Is Softcore“ ist eher Yachtpop mit Softeis und minimal altkluger Lyrik, der das Pop-Duo fokussierter als jemals zuvor präsentiert. Klingt fast wie eine richtige Band. DER ENGLISCHE GARTEN funktionierten damals ähnlich. Musik aus einer Republik mit nur drei TVSendern, dafür ohne www. Pop! der alten Schule; Band-Namensgeber Arnd Zeigler zeigte sich erfreut, Ox feiert den Pop-Hauptmeister HERR WADE nicht minder. Album Nummer fünf (den Tribute-Sampler mal außer Acht gelassen) funktioniert dabei nach dem selbstauferlegten Wade-Dogma, Sebastian Voss und Jørn O. Åleskjær (auch bei LOCH NESS MOUSE und 150 TISSUES aktiv) schieben sich ihre Songskizzen zu und lassen den Konterpart die Idee dann ausformulieren. Daraus ergeben sich im Fall von „This Is Softcore“ 13 entzückende Songs mit einer gewissen Coming-of Age-Sicht von ewig Junggebliebenen auf Gegenwart und Vergangenheit der Popkultur, die dann im Sinne oben genannter Einflusslieferanten zu einem ganz eigenen, stets unterhaltsamem Musikkosmos wachsen werden.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #178 Februar/März 2025 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Gereon Helmer