
Mit dem zweiten Album dieser luxemburgischen Band gelingt es besonders Gitarristin Noémie Bourgois und Gitarrist Hugo Centeno bereits, ein erkennbares Profil zu entwickeln. Die Musiker fanden zusammen als Cover- und Tribute-Band, ihr Debütalbum „Praetor“ (2023) war technisch schon ziemlich ausgereift, konnte in großen Teilen aber keinen bleibenden Eindruck hinterlassen. „The Spiral Of Addiction“ hat hier und da noch ähnliche Probleme, aber es ist schon empfehlenswert, der Band bei ihrer Selbstfindung zuzuhören. PRAETOR spielen die Sorte Bay-Area-Thrash, die einem schnell Vergleiche mit den Giganten einbringt – METALLICA, TESTAMENT, DEATH ANGEL. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Thrash Metal seit den 1980ern schon vielfach komplett auserzählt wurde. Heute kämpfen PRAETOR – wie viele andere – mit der Aufgabe, sich künstlerisch freizuschwimmen, doch manchmal sitzen bei ihnen die Formeln und Standards des Genres etwas zu gut. PRAETOR haben also ein makelloses Album eingespielt, sich in Groove, Geschwindigkeit und Aggression ausprobiert, nur für die selbst gewählte Thematik kommen sie etwas zu perfekt rüber. „The Spiral Of Addiction“ behandelt die körperlichen, psychischen und sozialen Folgen von Suchterkrankungen. Das Artwork setzt diesen Horror bildlich um, das Songwriting erreicht er nur selten. Ein wenig Chaos und Kontrollverlust hätte diese Thrash-Metal-Masterclass noch gebraucht.
© by Fuze - Ausgabe #101 August/September 2023 und Arne Kupetz
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #167 April/Mai 2023 und Jens Kirsch
© by Fuze - Ausgabe #114 Oktober/November 2025 und Ingo Rieser
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #180 Juni/Juli 2025 und Jens Kirsch