
Nach 20 Jahren (Beinahe-)Funkstille lassen Andy Falkous und seine beiden Mitstreiter ein neues Album von der Leine. Neben Andy, Gründungsmitglied und Kopf der Waliser Band, ist als Quereinsteiger der ersten MCLUSKY-Inkarnation wieder Jack Egglestone dabei, sowie jetzt neu Damien Sayell. Andy erzählt im Interview in dieser Ausgabe, die Band sei noch nie so gut aufgestellt gewesen wie heute. Angesichts der Aussage, Ziele oder Erwartungshaltungen „über den Haufen zu ficken“, bleibt dieSpannung hoch, was die Gigs angeht, die im Mai im UK und im Herbst Europa anstehen. Und die neue Scheibe? Erfüllt sie Erwartungen? Ist es gut, überhaupt welche zu haben? Vielleicht nicht: Nach dem zweiten Album „Mclusky Do Dallas“ (2002) waren etliche Leute vom 2004er „The Difference Between Me and You ...“ enttäuscht – das ebenfalls von Steve Albini produziert wurde und natürlich so genial ist wie der Vorgänger. Bei „ The World Is Still Here And So Are We “ entsprechen Cover und Tracklist („Unpopular parts of a pig“, „Way of the exploding dickhead“) nun ganz gut dem schrägen und nicht immer leicht durchschaubaren Humor der Band. Produziert hat diesmal Anthony Chapman. Dafür zog sich die Band für mehrere Wochenenden aufs Land zurück, wo es außer Kühen nichts Besonderes gab. Der Sound? Bleibt zwischen allen Stühlen, auf denen kleine Zettel mit Wörtern wie Hardcore, Post-Punk und Noiserock kleben. Handschriftlich, natürlich. Passt gut zum rohen unmittelbaren Klang der Band. Knochentrocken, mit Luft zwischen Soundwänden, wo andere was reingepackt hätten. MCLUSKY zum Glück nicht. Die Gitarren schreien, sägen, jaulen, singen, klagen, nerven, jubilieren. Eine Freude für alle, die musikalische Infernos mögen. Es wirkt, als würden sich die Saiten ein Duell mit Andy liefern. Der verändert öfter seine Stimme, woraus sich schließen lässt, dass er bei einigen Songs vielleicht in verschiedene Rollen schlüpft. Beim letzten Lied „Hate the polis“ gibt’s eine kleine Erholung, das Ganze klingt fast wie eine Parodie auf eine LoFi-Slacker-Band. MCLUSKY haben das Talent, ihre Lärmkaskaden immer wieder in Songstrukturen zu gießen, die im Ohr hängenbleiben. Und die Texte? Nun ja, erklärt wird nichts. Zum Glück. Die Fantasie trabt mit Galopp auf eine große Spielwiese. Andy Falkous schreit seine Wut in die Welt hinaus, manchmal lässt sich Politisches erahnen („People person“, „Way of the exploding dickhead“), aber sicher ist es nicht. Die Ausbrüche könnten auch einen Kumpel, Postboten, Songcontest-Gewinner oder gar das innere Ich betreffen. Diese ziemlich krasse Angepisstheit wird kombiniert mit (Wort-)Witz und zeigt, dass MCLUSKY nicht nur musikalisch, sondern auch was ihre Texte angeht, unberechenbare Grenzgänger sind. Es ist toll, dass sie wieder zurück sind, und die Vorfreude auf Konzerte ist riesig.
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