
Eins steht fest: Dieses Buch sollte meine Mutter niemals zu Gesicht bekommen. Ihr war meine popkulturelle Sozialisation in Richtung Heavy Metal damals ein Dorn im Auge und Metaller sind für sie sowieso nichts anderes als kriminelle Taugenichtse. Nicht zuletzt aufgrund unzähliger Diskussionen und meinen Beteuerungen, dass die Metaller doch gar nicht so sind und dass das doch alles völlig falsch verstanden würde, etc. pp., möchte ich ihr einfach nicht die Genugtuung des Gedankens gönnen, sie habe ja immer recht gehabt. Schwarze Schafe gibt es halt überall, da kann sich auch die Metal-Szene nicht ausnehmen. Till Burgwächter geht nun dem Mythos des kriminellen Metallers auf den Grund und fördert dabei sowohl Storys zu Tage, die den meisten wohlbekannt sind, aber auch solche, die niemand so wirklich auf dem Zettel hatte. Das beginnt mit den Eskapaden der Briten BLACK SABBATH, die jedoch ihr damaliges Tun eher als infantilen Blödsinn abtun würden denn als wirklich kriminelles Treiben, und reicht bis zu solchen richtigen Abscheulichkeiten wie dem Mord an Euronymous von MAYHEM durch die Blitzbirne Varg Vikernes. Das wirft natürlich zunächst alles ein schlechtes Licht auf die Szene, doch bringt es Burgwächter in seinem Fazit selbst auf den Punkt: Diese kriminellen Taten haben nichts mit dem Heavy Metal an sich zu tun, sondern liegen einig und allein in der Verantwortung der Menschen, die sie begehen. Die Szene ist ein großes Sammelbecken unterschiedlichster Menschen und dass da welche dabei sind, die gehörig einen am Helm haben, liegt in der Natur der Sache. Also Mama, du hattest und hast noch immer unrecht! Empfehlenswerter Schmöker.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Jens Kirsch