Mit „Simpatico!“ (1994) beseitigte die anglophile Shoegazer-Truppe aus dem Großraum Washington, D.C. einen der wenigen Schwachpunkte ihres Debüts „Copacetic“ (1993), die matte, etwas graue Produktion. Für Album Nummer zwei holte man sich mit dem THE SMITHS-Produzenten John Porter einen Fachmann für Klarheit und Präzision. Problem gelöst, vielleicht sogar zu gründlich. Die früheren rauhen Kanten sind weitgehend verschwunden, dafür klingt die Band geschlossener, fokussierter und deutlich souveräner. Das dauerhafte Touren hat hörbar Wirkung gezeigt. „Simpatico!“ ist im Kern eine aufgehübschte Version von „Copacetic“, ohne den stilistischen Rahmen wesentlich zu erweitern. Noch immer dominiert der schimmernde Gitarrensound à la WEDDING PRESENT und der Creation-Bands der frühen 1990er, der als Korsett VELOCITY GIRL arg einengt. Die Kehrseite dieser Ausrichtung: Nicht jeder Song zündet gleich stark. Doch wo es funktioniert, entstehen große Indiepop-Momente, „Drug girls“ überzeugt mit scharfem Refrain, „Rubble“ kombiniert NEW ORDER-Bass mit Akustikgitarre zum Albumhöhepunkt. „Sorry again“ und „What you left behind“ liefern Hooks in Serie, während „Hey you, get off my moon“ vorsichtig das Balladentempo testet. Auch Sarah Shannons Gesang wirkt präsenter und entschlossener. Besonderen Mehrwert bietet die Erweiterung um acht sorgfältig kuratierte Bonustracks aus der Ära der Originalaufnahmen. Neben verspielten B-Seiten wie „Marzipan“ und einer Drum-Machine-Version von „Labrador“ stechen vor allem die atmosphärischen Coverversionen hervor. Die Neuinterpretationen von „Your silent face“ von NEW ORDER sowie „Seven seas“ von ECHO & THE BUNNYMEN und des BEACH BOYS-Klassikers „You’re so good to me“ zeigen VELOCITY GIRL als gut aufgelegte Cover-Truppe, die sich ihr eigenes Mixtape einspielt.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #184 Februar/März 2026 und Gereon Helmer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #177 Dezember 2024/Januar 2025 2024 und Joachim Hiller