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CLOCK DVA

White Souls In Black Suits

Der inzwischen 68-jährige Adi Newton (geboren als Gary Coates) gehört zu den Pionieren der elektronischen Musik in Sheffield Ende der 1970er Jahre. Vor der Gründung von CLOCK DVA im Jahr 1978 hatte er bereits mit Ian Craig Marsh und Martyn Ware in einer Band namens THE FUTURE zusammengearbeitet (aus denen dann THE HUMAN LEAGUE hervorgingen, später gründeten Ware und Marsh HEAVEN 17). Mit Mitgliedern von CABARET VOLTAIRE war er bei einem Nebenprojekt namens THE STUDS. Das frühe Schaffen von Newton aus dieser Zeit war schon mal recht umfangreich bei Vinyl-On-Demand aufgearbeitet worden, allerdings nur in sündhaft teuren Sammlereditionen. Newton macht heute immer noch Musik unter dem Namen CLOCK DVA, allerdings nur recht austauschbare Laptop-Ambient-Elektronik. Bevor CLOCK DVA mit „Thirst“ von 1981 und „Advantage“ von 1983 (zu diesem Zeitpunkt war Newton bereits das einzige verbliebene Originalmitglied) etwas konventionellere Post-Punk/Industrial/New Wave-Klänge produzierten, war ihr überwiegend auf Musikkassette erschienenes, deutlich experimentelleres Frühwerk in den Sphären von Noise zu Hause. Und so erschien „White Souls In Black Suits“ passenderweise auf Industrial Records, dem Label der Industrial-Pioniere THROBBING GRISTLE. Es ist die Essenz von 15 Stunden improvisiertem Aufnahmematerial, beim Stück „Anti-Chance“ unter Beteiligung von Richard H. Kirk und Stephen Mallinder von CABARET VOLTAIRE. Die Neuauflage von Mute auf CD und Doppel-LP wurde um vier zusätzliche Stücke aus derselben Zeit, aber aus anderen Sessions erweitert. Sowohl die Einflüsse von THROBBING GRISTLE als auch CABARET VOLTAIRE sind bei den insgesamt 13 Tracks gut spürbar, die sich als radikal disharmonischer Gegenentwurf zu konventionellen Hörgewohnheiten verstehen, aber dabei erstaunlich griffig klingen. Im Gegensatz zu den kompletten Auflösungserscheinungen bei THROBBING GRISTLE sind bei CLOCK DVA noch halbwegs normale rockigen Strukturen vorhanden, wodurch ihre Musik immer noch erstaunlich gut anhörbar ist, wenn man sich für solche revolutionären Pionierleistungen weit abseits des Mainstreams interessiert. Hier wird reiner und roher Sound zum Motor des künstlerischen Schaffens.

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