Interviews & Artikel : VIAGRA BOYS :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

VIAGRA BOYS

Keine musikalische Dysfunktion

Neues für die Rubrik „Bandnamen gibt’s, das glaubste nicht“: Ein paar Schweden nennen sich VIAGRA BOYS respektive V****A BOYS, um sich bei Pharmakonzernen, Suchmaschinenbetreibern und Spamfilterprogrammierern maximalst unbeliebt zu machen. Was den Blick auf das Wesentliche zu versperren droht, denn die sechsköpfige Band hat solche Effekthascherei keinesfalls nötig, wie ihr im September erschienenes Debüt-Album beweist. Mit dem setzen sich die Stockholmer etwas zwischen die Stühle, spielen weder „typischen“ Rock noch klassischen Punk, sondern wildern eher in komplexeren Noise-Gefilden, ohne jedoch auf eine gewisse Eingängigkeit zu verzichten und formulieren dazu noch emanzipatorische Ideen. Am Interview beteiligten sich Sebastian (Gesang), Benjamin (Gitarre) und Benke (Bass).

Ich bin mir sicher, dass ihr diese Frage schon mal gehört habt, aber wer hatte die „intelligente“ Idee, eure Band nach einem Medikament gegen erektile Dysfunktion zu benennen, sodass, wenn man die Band in einer E-Mail erwähnt, die Mail als Spam markiert wird?

Benjamin:
Nun ja, der Name soll die ganze Sache mit geschlechtsspezifischen Rollen lächerlich machen. Und das Verwenden der männlichen erektilen Funktionsstörung schien ein guter Ansatz zu sein, wenn man bedenkt, wie rückläufig die ganze Emanzipationssache gerade verläuft. Und ja, V****A ist vermutlich nicht der googlefreundlichste Name, haha, aber es scheint irgendwie trotzdem gut zu funktionieren.

Benke: Wie oben erwähnt, verspotten wir eigentlich die Rolle des „Mannseins“. V****A ist ein perfektes Beispiel dafür, was man vom „Mannsein“ erwartet. Aber die Menschheit muss akzeptieren, wie wir alle sind und nicht, was man von uns erwartet.

Auf einem der Bandfotos trägt einer von euch ein SUICIDE-T-Shirt, ein anderer eines von den BUTTHOLE SURFERS, und tatsächlich kann ich diesen Einfluss in einigen Momenten heraushören. Welche anderen Bands verehrt ihr? Eure Pressemitteilung erwähnt STOOGES, DEVO, BIRTHDAY PARTY und THE FALL ...

Benjamin:
Alle genannten Künstler waren eine große Inspiration für uns. Ich könnte auch JESUS LIZARD, DEAD KENNEDYS oder CAPTAIN BEEFHEART zu der Liste hinzufügen, aber ich denke, die größte Inspiration kommt von unserem kaputten Leben, haha.

Benke: Wenn es darum geht, andere Bands zu nennen, die uns beeinflusst haben, würde das Wochen dauern. Die aufgezählten Bands sind für uns sozusagen ein gemeinsamer Nenner, aber wir werden von vielen Dingen inspiriert. Benjamin und Tor, unser Drummer, hören viel Prog, ich höre viel elektronische Musik, Sebastian auch.

Musikalisch seid ihr ganz anders als die „typischen“ schwedischen Bands, die vom 70er-Jahre-Rock besessen zu sein scheinen ...

Benjamin:
Ich habe den 70er-Jahre-Rock wirklich geliebt, aber weil jeder angefangen hat, 70er-Jahre-Klamotten zu tragen, hatte ich es irgendwann satt. Aber ich liebe immer noch viele 70er-Jahre-Rockbands. Und außerdem wollen wir einfach nur Musik machen, die uns allen gefällt und auf die wir stolz sein können. Und es gibt im Moment nicht nur 70er-Jahre-Rock in Schweden, es gibt auch eine wirklich lebendige Punk-Szene.

Benke: Ich liebe CREEDENCE CLEARWATER REVIVAL, besonders wenn ich auf Tour bin und einfach die Lautstärke aufdrehen und ein langes „It ain’t me“ singen kann. Magisch! Aber die neue schwedische Welle des 70er-Jahre-Rock ist im Vergleich zu den alten Bands nicht so stark, obwohl ich zugeben muss, dass es da draußen einige wirklich gute 70er-Jahre-Rockbands gibt.

Sebastian: Man kann nur eine bestimmte Menge Zuckerwatte essen, bis man genug hat und das Gehirn einfach schreit: Gib mir was anderes, verdammt noch mal!

Wie kam es zur Gründung von VIAGRA BOYS?

Benjamin:
Unser Bassist Benke sah Sebastian auf einer Party Karaoke singen und wollte eine Band gründen. Benke und ich spielten zusammen früher in Bands wie NITAD und PIG EYES, sodass es für ihn selbstverständlich war, dass er mich bat, mitzumachen. Und Benke fragte Tor, der ein toller Schlagzeuger ist. Und ein paar Wochen später probten wir das erste Mal.

Reden wir über Drogen und Rock’n’Roll. Einige Bands und Musiker haben ziemlich strenge Ansichten und eine starke Arbeitsmoral, für andere sind die Band und die Shows hauptsächlich ein Grund zum Feiern. Eure Position dazu?

Benjamin:
Um ehrlich zu sein, denke ich, jeder sollte die persönliche Verantwortung dafür tragen, was er seinem Körper zuführt. Ich trinke und mache andere lustige Sachen, aber wenn wir auf Tour sind, haben wir eine „2 bis 3 Bier“-Politik vor der Show. Nach der Show können wir dann die Sau rauslassen.

Sebastian: Schau dir mal Portugal an, wo alle Drogen legalisiert wurden. Die Kriminalitätsrate ist gesunken und es gibt viele Drogenprogramme für Süchtige. Ich ermutige die Leute nicht, Drogen zu nehmen, absolut nicht. Aber wenn du es magst, magst du es, und wenn du es nicht magst, dann magst du es halt nicht. Die Welt könnte ohne all diese Verbote viel einfacher sein.

Benke: Meine „Droge“ und mein Retter kamen in Form von Training, Gewichtheben und Tennis. Es mag albern klingen, aber nach ein paar Monaten bekam ich ein Gefühl der Ruhe in Brust und Kopf, das ich nie zuvor gespürt habe. Neben der Musik versuche ich also, mich durch Bewegung viel besser zu fühlen. Ihr solltet es alle probieren, anstatt Bier zum Frühstück zu trinken.

„Sports“ ist ein herausragender Track aus dem neuen Album. Der Text vermischt die Themen Sport und Drogen und im Video steht euer Sänger auf einem Tennisplatz.

Sebastian:
Der Song soll das Thema Sport reflektieren, der eine meiner größten Freuden und gleichzeitig meine größten Enttäuschungen im Leben darstellt. Ich mag besonders Schlägersportarten, während Benjamin Sportarten bevorzugt, die das Wort „Ball“ beinhalten. Benke ist ein Tennisspieler. Tor mag Hunde und Hundeausstellungen. Oskar betreibt den Sport beziehungsweise das Hobby, Muscheln von fremden Leuten am Strand zu kaufen. Wenn man das alles mit unbekannten Substanzen vermischt, kann man fast die wahre Bedeutung des Sports nachvollziehen. Oder du könntest „Sports“ einfach nur als einen verdammt guten Rock-Song auffassen, der dich umhauen wird.

Es gibt Bands, die eine Botschaft vermitteln wollen, und dann gibt es Bands, die einfach nur unterhalten wollen. Wo seht ihr euch?

Benjamin:
Habt ein tolles Partyleben, aber vergesst nie eure Wurzeln, wer auch immer ihr seid. Ich lasse die Leute gerne über unsere Shows nachdenken, also was sie gerade gesehen und gehört haben, und was es eigentlich bedeutet. Um die Leute zum Nachdenken zu bringen, aber ihnen trotzdem eine großartige Partynacht mit uns zu liefern. Und natürlich lieben wir es, auf der Bühne zu stehen. Nichts geht über das Gefühl, wenn man viel Spaß an dem hat, was man spielt und mit dem Publikum interagiert. Es ist ein Privileg!

Sebastian: Wenn ich die Texte schreibe, höre ich mir normalerweise die Songs an, die in unserem Proberaum aufgenommen wurden, und komme durch die Musik in Stimmung, die Welt muss sich dann erst mal hinten anstellen. Aber wir arbeiten auch auf dem Weg dorthin. Ich kann mir Texte in meinem Bett ausdenken und sogar ein paar Riffs. Manchmal schreibe ich über Dinge, die ich erlebt habe, und manchmal ist es reine Fiktion. Die Hauptsache ist, dass die Leute sehen, dass es nicht so beschämend ist, Fehler im Leben zu machen, aber leider greifen viele dann lieber zur Flasche. Der Kampf geht weiter, er hört nie auf. Das Einzige, was ich über unsere Texte sagen kann, ist, dass wir eigentlich nicht die Absicht haben, mit dem Text zu unterhalten oder eine Botschaft zu vermitteln, aber hoffentlich tun sie beides. Aber normalerweise habe ich kein bestimmtes Ziel, wenn ich mit dem Schreiben beginne, ich möchte nur ausdrücken, wie ich mich fühle. Manchmal humorvoll, und manchmal kommt es aus dem dunkelsten Teil meines Herzens.

Joachim Hiller

Webseite

© by Ox-Fanzine / Ausgabe #140 (Oktober/November 2018)

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