Interviews & Artikel : HANK VON HELL :: ox-fanzine.de

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Interviews & Artikel

HANK VON HELL

Interview mit einem Bananenhai

Hank von Helvete hat Erstaunliches geschafft: Zuerst gelang ihm mit seiner Band TURBONEGRO die Turbojugendisierung der Welt. Dann schoss er sich im Drogenrausch selber ins Aus, wagte mit den alten Kollegen noch einmal ein Comeback, verschwand wieder in der Versenkung, machte sich mit extrem dummen Aussagen unbeliebt – und kehrt jetzt als Hank von Hell zurück, um den Menschen sein erstes Soloalbum „Egomania“ um die Ohren zu hauen. Darauf klingt er zwar wie früher, aber Hank schwört Stein und Bein, dass er selber ein ganz Neuer ist, und legt ein Interview hin, das zwischen dem für ihn so typischen Nonsens, Nachdenklichkeit und einem reumütigen Bekenntnis schwankt.

Hank, lass uns über Haie reden. Du erwähntest jüngst nämlich, dass du dein Leben lang einer gewesen seist. Ein Hai im Körper eines Menschen. Was für ein Hai bist du denn?


Ein großer Weißer. Der Menschenfresser.

Das ist schon eine verrückte Sache ...

Ja. Es ist vor allem aber eine Sache, die einige soziale Probleme hervorruft. Denn jedes Mal, wenn ich mich hungrig fühle, beginne ich damit, andere Menschen in den Arm zu beißen, um zu testen, ob das meine natürliche Beute ist. Leider ist dabei meist der ganze Arm ab und ich habe Probleme damit, diese Vorfälle dem Opfer, der Polizei und dem Gericht gegenüber zu erklären. Sie glauben mir nicht, dass ich doch nur prüfen wollte, ob das Nahrung für mich sein könnte, und ich den Arm gar nicht abbeißen wollte. Für mich ist die Sache damit eigentlich immer erledigt. Die anderen sehen das dann nicht so. Weil sie mir nicht richtig zuhören.

Ich sehe ein, dass dieser Mangel an Verständnis ein Skandal ist.

Es geht ja noch weiter mit der Ignoranz. Denn bekomme ich vom Staat etwa Geld, um mir endlich eine Operation leisten zu können? Ich brauche doch die Haifischzähne, eine Haifischflosse, eine Haifischhaut, um endlich auch äußerlich ein Hai zu sein. Ich brauche Sinnesorgane, die sicherstellen, dass ich Blut auf zehn Kilometer Entfernung riechen kann. Das ist unerlässlich. Aber nichts! Ich meine, wofür bezahle ich Steuern, wenn mir nicht mal dieses Geld zur Verfügung gestellt wird?

Bei dir in Norwegen gibt es den Eishai. Letztes Jahr wurde ein Exemplar gefunden, das über 400 Jahre alt war. Gesetzt den Fall, du wärst ein Eishai, welches Ereignis in der Geschichte der Menschheit hättest du gerne miterlebt?

Ich glaube, ich wäre gerne dabei gewesen, als die Banane in die Welt eingeführt wurde. Denn meines Wissens kamen die Banane und die Rockmusik zur gleichen Zeit auf die Welt. Das ist ja auch der Grund, warum in der Rockmusik die Ästhetik der Banane seit jeher eine so große Rolle spielt. Nimm das Bananen-Album von Lou Reed und VELVET UNDERGROUD. Nimm BANANARAMA. Und vergiss nicht die große Rock’n’Roll-Banane oben im Himmel. Sie kreiert ja dieses Bananen-Rock’n’Roll-Feeling. Warte ...Vielleicht bin ich gar kein Weißer Hai, sondern ein Bananenhai. Sogar ganz sicher bin ich das!

Das ist schön. Dann haben wir die Meldung dieser Erkenntnis in unserem Magazin exklusiv.

Ganz genau! Ich werde auch gerne vorbeikommen und den Kindern bei euch in der Schule erklären, was es mit dem Bananenhai und der Evolution auf sich hat. Darwin? Darwin, go home! Fick dich selbst!

Okay, kommen wir vom Bananenhai schließlich doch noch mal auf dein neues Album zu sprechen. Es heißt „Egomania“. Ich glaube, Bananen mag jeder. Aber niemand mag Egomanen.

Doch! Die Menschen lieben Egomanen – solange diese Rockstars sind. Bananenhai-Rockstars. Jedermann auf der Welt muss diese Selbstliebe der Rockstars akzeptieren und sich zu Herzen nehmen. Die Liebe zur Egomanie muss einmal um den Erdball gehen.

Ich denke, du selber wirst die Egomanie brauchen, um nach Jahren der Pause wieder Rockmusik zu machen, oder?

Absolut! Wäre ich kein Egomane, dann wäre ich besser beraten damit, in München eine Bierkneipe zu eröffnen. Mit Bananen-Bier natürlich. So aber stehe ich wieder auf der Bühne.

Kann außer Bananen nur der Rock’n’Roll die Welt retten? Gene Simmons von KISS sagte vor nicht allzu langer Zeit, dass Rock tot sei ...

Ja, das hörte ich. Und dann buchte er ja auch gleich mal eine drei Jahre lange Abschiedstour, ehe es ganz zu Ende geht. Ich kann ihn ja verstehen. Doch er wusste nicht, dass Hank von Hell zurückkommen würde. Er muss nicht aufgeben. Lasst uns alle zur göttlichen Rock’n’Roll-Banane beten, dass Gene die Hoffnung nicht verliert und er noch eine Abschiedstour machen kann.

Gab es einen bestimmten Moment, in dem du dich gegen die Bierkneipe in München und für eine neue Platte entschieden hast?

Nein. Es war vielmehr so: Viele Jahre lang wurde ich von dieser Person namens Hank von Helvete ferngesteuert. Sie hatte Kontrolle über meinen Körper erlangt und ich war deswegen ziemlich angepisst. Also bestieg ich die Berge in den Niederlanden und Flandern – 50.000 Meter hoch - und wurde dabei vom goldenen Mann der Masturbations-Banane geleitet. Auf dem Gipfel schlief ich ein und wurde am nächsten Morgen von einem Tritt in meine Weichteile geweckt. Schuld war ein teuflischer Typ. Das Böse. Ich schaute ihm ins Gesicht und wusste: Ja. Alles klar, ich muss wieder Rockmusik machen! Die Zeit war reif. Und die Welt benötigte wieder einen neuen Schuss, eine neue Prise Rock’n’Roll.

Hat die Welt „Egomania“ tatsächlich so sehr gebraucht?

Absolut. Komm schon ... Ich will ja eigentlich gar nicht darüber sprechen, aber die Welt ist doch ein Ort geworden, der einen depressiv macht. Ich gebe nichts darum, wer regiert und wer der Chef ist. Ich weiß nur eins: Die Lösung für alles ist Rock’n’Roll. Wer zu einer Rockshow geht, der lässt alle Probleme hinter sich. Hör zu und vergiss deine Probleme!

Ich wage einmal provokant zu behaupten: „Egomania“ ist eigentlich die Platte, die deine alte Band TURBONEGRO hätte aufnehmen sollen – es aber nicht tat.

Danke. Ich weiß das zu schätzen. Aber ich sehe es eher so: Die Band hat einen tollen neuen Sänger, ein etwas anderes Image und spielt nach wie vor viele großartige Shows vor vielen Menschen. Das ist die eine Sache. Die andere ist: „Egomania“ ist ein Hank von Hell-Album. Und ich denke, die Welt kann jede Menge Rock’n’Roll gebrauchen, der einem in die Eier tritt.

Hast du noch Kontakt zu deinen alten Weggefährten?

Nein. Es war und ist eher eine Sache von „Alles Gute! Wir wünschen uns gegenseitig nur das Beste!“ Nichtsdestotrotz liebe ich diese Jungs nach wie vor!

Auf der neuen Platte singst du einmal „The man he was before left through the kitchen door.“ Wo ist der Mann, der da durch die Küchentür raus ist, hingegangen?

Das musst du ihn fragen. Weißt du, das Schöne am Rockstardasein ist, dass ich mehrere Alter Egos besitze und die Möglichkeit habe, zwischen ihnen zu wechseln.

Wie wahrscheinlich ist es, dass wir diesen Typen eines Tage wiedersehen?

Ich weiß es nicht. Ich weiß nur: Jetzt bin ich hier. Mit jeder Menge Plänen und einer Tour.

Auf der einen Seite gibt es dein Rock’n’Roll-Leben. Auf der anderen Seite gibt es da noch diese Sache mit Scientology ...

Ach, das ist Bullshit. Das war der andere Typ in meinem Körper – und den mag ich nicht. Er regiert und lenkt mich nicht mehr. Und es ist ihm auch nicht gestattet, darüber in der Öffentlichkeit zu sprechen. Er hatte seine acht Jahre, dann wurde er ausgewiesen. Und jetzt sitzt Hank von Hell hier. Für den ist das kein Thema.

Du bezeichnest dein vormaliges Ich in den Songs unter anderem als selbstsüchtig und blind. Eine harte Abrechnung.

Nun, es geht mir darum, etwas Generelles aufzuzeigen. Nämlich dass jeder Mensch das Recht hat, Fehler zu begehen, hinzufallen – und dann wieder aufzustehen. Überhaupt sollte sich jeder Hörer aus den Songs das herauspicken, was auf ihn zutrifft. Es geht nicht um mich. Ich gebe den Leuten nur ein bisschen Sexy-Banana-Hoffnungszeug.

Sprechen wir über ein wirklich ernstes Thema: Dir werden unter anderem homophobe Aussagen vorgeworfen, die du vor ein paar Jahren getätigt hast.

Okay, das hier geht an alle raus und ich möchte diese Aussage mit dem Offensichtlichen beginnen: Ich kann nicht rückgängig machen, was getan wurde. Ich bitte nicht um Mitleid und Vergebung. Und ich versuche nicht, irgendwelche Nebelkerzen zünden ... Es ist einfach so: In den vergangenen neun Jahren, beziehungsweise noch weiter zurückreichend, hatte ich meine Höhen und Tiefen. Ich habe Dinge gesagt, für die ich mich so schäme, dass ich eigentlich nicht einmal darüber reden will. Ich habe sie unter dem Einfluss von Drogen gesagt, aber auch nüchtern. In letzterem Fall waren meine Gedanken dann vielleicht etwas dunkler als normal. Und um ein paar Dinge klarzustellen: Ich bin kein Rechtsextremist, kein Rassist oder Faschist. Ich habe in der Tat – weil ich das auf eine verdrehte Art und Weise irgendwie für Ironie hielt – früher schon einige extrem ignorante Scherze gemacht und ich weiß nicht, was zum Teufel ich mir dabei gedacht habe. Und ja, um auf deine Frage zurückzukommen: Eine weitere, nicht ganz so brillante Sache war, als ich 2007 in einem Interview mit einem norwegischen Magazin einige sehr ekelhafte Dinge über die Community der Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transmänner und Transfrauen sagte. Während des Interviews war ich betrunken und habe mich hinterher, ganz ehrlich, nicht mehr an das Gespräch erinnert – bis es schließlich veröffentlicht wurde. Man muss wissen: Ich habe viele Freunde innerhalb der angesprochenen Community. Und sie waren nach diesem Interview natürlich extrem enttäuscht von mir. Und als mir klar wurde, was ich getan hatte, ging ich zu jedem einzelnen von ihnen und entschuldigte mich von Angesicht zu Angesicht. Ich habe diese Entschuldigung zudem viele Male danach ausgesprochen, sowohl im Fernsehen als auch in anderen Medien.

Das hört sich nach ehrlicher Reue an.

Trotzdem stellt sich die Frage: Entschuldigt diese Reue mein Verhalten? Nein. Das tut sie nicht. Es wird dadurch nicht besser oder richtig. Überhaupt: Ich habe generell keine Entschuldigung für meine idiotischen und niederträchtigen Versuche, „lustig“ zu sein und kann nur sagen, dass ich – auch das sagte ich beispielsweise einmal – weder Putin noch irgendwelche neonazistischen Theorien über Rothschild unterstütze.

Kurz bevor deine neue Single veröffentlicht wurde, hast du angeblich all deine alten Beiträge in den sozialen Medien gelöscht.

Das habe ich getan, um die Scham zu tilgen. Ich verstehe, dass einige Leute das sehr schlecht aufgenommen haben. Und es tut mir sehr leid. Aber ich versuche nicht, etwas zu verbergen. Die Worte wurden nun einmal geschrieben. Und dass ich ein kompletter Vollidiot war, war einzig und allein meine Schuld. Ich allein sollte den Preis dafür zahlen.

Was hat sich seit damals denn geändert? Beziehungsweise: Wie hast du dich verändert?

Eine Menge Scheiße hat sich verändert. Ich bin nicht stolz auf mich selbst. Ich sehe dieses Comeback nicht als eine Art Irreführung oder als Bullshit der Art „Ich mache das alles vergessen!“ an. Das war ich und das bin ich. Ich kann nur sagen, dass ich heute weiß, was los ist und einen schnellen Wechsel vornehmen wollte. Genug ist einfach genug. Soll heißen: Es steht keine Religion hinter diesem Album. Keine Politik. Keine große Rede darüber, wie ich die Welt retten kann, indem ich Dies und Das tue. Nichts. Es geht nur um die Musik, die ich wirklich machen wollte. Der einzige Grund, warum ich dieses Album veröffentliche, ist der, dass ich das gefunden habe, was ich dummerweise selber verloren hatte: mich selbst. Ich liebe Rock. Er ist das einzige, dem ich mich widmen sollte. Mit allem anderen bin ich fertig. Ich will eine Sache, und nur eine Sache: Ich will rocken und meinen Hintern schütteln. Und noch mal: Ich möchte mich hiermit ehrlich bei allen von euch entschuldigen, die ich verletzt habe. Wäre ich Marty McFly aus „Zurück in die Zukunft“ – ich hätte seinen DeLorean inzwischen oft als Zeitmaschine benutzt.

Verrate mir am Ende bitte noch, wem zeigst du auf dem Cover von „Egomania“ deinen Mittelfinger?

Oh, dahinter steckt eine kleine intime Fehde mit meiner Mutter. Sie fragt immer: „Hank, wenn du schon so viel Glück hast, auf der Bühne zu stehen und auf Bildern in Magazinen zu sein, warum stellst du dich dann immer wieder so schrecklich und furchteinflößend dar? Warum nicht mal als netter, hübscher, liebenswürdiger Kerl?“ Deshalb habe ich es gemacht. Um sie zu ärgern. Sie rief auch gleich an und schimpfte: „Du hast es schon wieder getan! Und ich verstehe schon, das ist für mich gedacht!“ Haha!

Frank Weiffen

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© by Ox-Fanzine / Ausgabe #141 (Dezember/Januar 2018)

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