40 Jahre später: AMEBIX

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Arise! (LP, Alternative Tentacles, 1985)

Als „Arise!“ im September 1985 veröffentlicht wurde, wohnten wir (die L.U.L.L.-Posse) in einem ehemaligen Bauernhof am Rande von Odense in Dänemark. Unsere zur Alkoholismus und Kampfkiffen neigende Anarcho-WG teilte sich den Hof mit einer feministischen Frauengruppe – das Miteinander klappte eher schlecht als recht. Das zweite Album von AMEBIX platzte dabei in unsere Welt hinein wie die sprichwörtliche Bombe. Viel wurde darüber geschrieben, dass „Arise!“ die ursprüngliche Crossover-Welle vorwegnahm, also das Verschmelzen von Hardcore und Thrash Metal. Fakt ist, dass man bei einem Song wie „Axeman“ seine nicht p.c.-kompatiblen Gewaltfantasien bestens herausgrölen konnte, ohne deswegen gleich gecancelt zu werden.
Ein Jahr später sang gefühlt die Hälfte der ehemaligen Hardcore-Szene über Drachen, Zauberer, Satan und die Mächte der Finsternis. AMEBIX blieben dagegen sowohl auf diesem Album als auch auf dem Nachfolger „Monolith“ textlich anspruchsvoll und ernst. Das klaustrophobische „Largactyl“ handelt von ihrem Ex-Drummer Martin Baker, bei dem paranoide Schizophrenie diagnostiziert wurde. Er wurde von seinen eigenen Eltern gegen seinen Willen in die Psychiatrie eingewiesen und dort mit Medikamenten so vollgepumpt, dass seine Freunde ihn nicht mehr wiedererkannten. Nebenbei bemerkt ist dies ein Schicksal, das mir ein paar Jahre zuvor auch angedroht worden war. Auch der Titeltrack zeigt bis heute keine Abnutzungserscheinungen: Der galoppierende Rhythmus, die Reibeisenstimme und die metallischen Gitarrenriffs überzeugen nach wie vor zu 100%. Kurzum, es ist ein Klassiker, wie er im Buche steht.
Also reden wir vom Elefanten im Raum: Und zwar vom späteren Abdriften von Rob „The Baron“ Miller (voc, bs) ins Reich der Verschwörungsgläubigen bis hin zur Danksagung an einen bekannten Holocaust-Leugner. Rückblickend war diese persönliche Entwicklung womöglich auch mit ein Grund dafür, dass Robert „Spider“ Richards (dr) bei der Reunion vor einigen Jahren gar nicht erst dabei war. Und Robs Bruder Chris „Stig“ Miller (gt) lehnte zumindest beim Nachfolgeprojekt TAU CROSS dankend ab, musste im Nachhinein dennoch jede Menge verbale Häme im Web über sich ergehen lassen. Dabei hatte er sich zu dem Zeitpunkt schon lange von seinem Bruder distanziert.
Die Frage, ob man die Musik vom Künstler trennen kann, muss letztlich jeder für sich selbst beantworten. Ich entscheide von Fall zu Fall und nach Bauchgefühl. „Arise!“ ist ein dunkles Album, das mich an eine sehr dunkle Periode in meinem eigenen Leben erinnert. Dazu passen die Widersprüche dann auch ganz gut.

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