© by An MaesRoger Miret gehört zu den Urgesteinen der New Yorker Hardcore-Szene und ist eine Legende. Für ihn kommt es aber nicht in Frage, in Rente zu gehen oder aus Nostalgiegründen nur mit alten Songs zu touren. Stattdessen steht mit „Echoes In Eternity“ ein neues Album an.
Ich habe AGNOSTIC FRONT diesen Sommer auf einem Festival in Deutschland gesehen und es war sehr gut! Ihr habt schon alles gesehen und unzählige Shows gespielt, wie steht ihr zu den europäischen Festivals?
Ich habe gelernt, sie zu akzeptieren und sie eher als Herausforderung zu sehen. Es ist sicherlich mehr Arbeit,
wenn die Leute nicht so nah bei dir sind, aber man entwickelt Selbstvertrauen, wenn man die Leute davon überzeugen kann, einfach mitzumachen und die Show zu genießen!
AGNOSTIC FRONT gibt es nun seit über 40 Jahren, du hast wahrscheinlich mehr Zeit mit der Band und der Crew verbracht als mit irgendjemand anderem. Hast du manchmal das Gefühl, dass AGNOSTIC FRONT ein wesentlicher Teil deiner Identität geworden ist? Wir alle wissen, dass es ohne Roger keine AGONSTIC FRONT gibt, aber kannst du dir einen Roger ohne AGNOSTIC FRONT vorstellen?
Nun, es ist mein Leben, und ich kann dir sagen, es war ein fantastisches Leben! Ich hatte das Glück und bin dankbar dafür, dass ich die Welt bereisen und in so vielen Ländern Freunde fürs Leben finden durfte! Natürlich gab es auch immer wieder schlechte Zeiten, aber diese werden von den fantastischen Erinnerungen, die ich weltweit gesammelt habe, weit überlagert. Stigma und ich waren die ganze Zeit dabei, daher ist es schwer, sich die Band ohne einen von uns vorzustellen.
Die Popularität von Hardcore kommt in Wellen, und ich habe das Gefühl, dass das Genre wieder im Kommen ist. Es gibt viele neue Bands, die sich stark vom Oldschool-Style inspirieren lassen. Gibt es Newcomer, die deiner Meinung nach denselben Spirit haben wie ihr zu Beginn eurer Karriere?
Es gibt viele Bands, die die Fackel weiter tragen und gerade für Begeisterung sorgen. Wir haben immer daran geglaubt, dass die Botschaft und der Lebensstil weitergegeben werden müssen, und wer könnte das besser als die neue Generation! Wir stehen kurz vor einer Tour mit RAW BRIGADE und VIOLENT WAY und die erinnern uns mit ihrer Art ziemlich an unsere Anfänge. Hardcore erlebt definitiv gerade wieder einen Aufschwung mit vielen guten Bands, die sich durchsetzen.
Sprechen wir über das neue Album. Was bewegt euch nach all den Jahren noch dazu, neue Musik zu schreiben und aufzunehmen? Es gibt etliche Bands, die mit 30 oder 40 Jahre alten Songs auf Tour gehen, aber ihr bringt immer wieder neue Musik heraus.
Nun, das ist eben unsere Leidenschaft! Ihr müsst nur die Nachrichten einschalten, und schon habt ihr genug Inspiration für 100 Songs, wenn ihr euch für eure Community engagieren wollt! Songs zu schreiben ist für uns ganz normal und zugleich super anregend, weil wir es lieben, kreativ zu sein. Und ob du es glaubst oder nicht, wir lassen uns dabei auch immer wieder inspirieren von den ganzen jüngeren Bands, die wir auf Tour mitnehmen. Also orientieren nicht nur sie sich an uns und unserer Geschichte, sondern wir lassen uns auch von ihren Einfällen anregen!
NYHC stand immer für einen besonderen Sound und ein eigenes Feeling. Was macht es deiner Meinung nach aus und wie stellt ihr sicher, dass ihr „diese Kriterien erfüllt“?
Wir leben und atmen es! Wir müssen keine Kriterien erfüllen. Das ist das Geheimnis unserer Langlebigkeit und der Grund, warum die Leute uns folgen, weil sie spüren, dass wir authentisch sind, und weil sie Teil von etwas Echtem sein wollen! Wir bleiben dem wahren NYHC-Stil treu!
Was ist deiner Meinung nach der Grund dafür, dass keine andere Szene so klingt wie der NYHC?
Ich habe immer gesagt, wenn AGNOSTIC FRONT aus einer anderen Stadt kämen, würden wir anders klingen. Wir sind ein Produkt unserer Umgebung, und wenn man sich NYC heute ansieht, ist es anders und schwer zu verstehen, aber als wir anfingen, war NYC ein Kriegsgebiet! Deshalb haben wir immer diese Unterdrückung und deren Überwindung thematisiert und sind musikalisch dem Sound der Straße gefolgt. Das war nichts Geplantes, es liegt uns im Blut!
Was, würdest du sagen, ist die zentrale Botschaft des Albums, gibt es die?
Ich glaube nicht, dass man das Album auf eine einzige Aussage reduzieren könnte. In meinen Texten schreibe ich über gesellschaftspolitische Themen, über Dinge, die täglich um mich herum passieren. Wir beschäftigen uns nicht wirklich mit Weltpolitik, aber wir sprechen aktuelle Probleme an. Das Cover von „Echoes In Eternity“ ist eine Interpretation der Zeile „Spill the blood of the innocent“ aus unserem Song „Divided“. Es ist eine Metapher und zeigt ein Kind, das so sehr von den ihm falsch beigebrachten Überzeugungen geblendet ist, dass es nicht einmal merkt, dass die Flagge, die es schwingt, bereits brennt. Bei all dem KI-Zeug und dem Müll in den sozialen Medien ist es schwer, noch die Wahrheit zu erkennen. Ich kann nur sagen: Kommt zu unserer Show, findet neue Freunde und feiert das Leben!
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