AS LIVING ARROWS

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Das Ende vom Lied

AS LIVING ARROWS aus der britischen Küstenstadt Brighton haben sich auf ihrem (Fast-)Debütalbum „Hope And Ruin“ mit dem Thema der eigenen Sterblichkeit beschäftigt und das Ganze mit melancholischem Post-Punk sowie aggressiven Hardcore-Passagen verpackt. Thomas, Peter und Tim erklären im Gespräch, warum dieses schwere Thema einen zentralen Part auf der Platte einnimmt.

In eurer noch jungen Bandgeschichte habt ihr euch bereits dazu entschieden, euren Namen zu wechseln. Nach DEAD BIRD seid ihr jetzt als AS LIVING ARROWS unterwegs – was laut euch aus einem Gedicht stammt. Würdet ihr sagen, dass Gedichte ein großer Einfluss für euch sind?

Thomas: Zu 100%! Meine Mom hat Gedichte geliebt und sogar selbst welche geschrieben. Und unser Bandname basiert auf einem ihrer Lieblingsgedichte. Unser erstes Album als DEAD BIRD klang extrem düster, weil wir es in der Zeit gemacht haben, als gerade meine Mutter gestorben ist. Mit AS LIVING ARROWS wollen wir jetzt mehr in eine optimistischere Richtung gehen.

Euer neues Album „Hope And Ruin“ handelt von Zeit und Endlichkeit. Wisst ihr noch, wann ihr euch das erste Mal darüber Gedanken gemacht habt, dass alles mehr oder weniger vergänglich ist?
Thomas: Als ich noch jünger war, bin ich an Hodenkrebs erkrankt. Diese Erfahrung hat mir bewusst gemacht, dass jeder Tag ein Geschenk ist. Wir waren jetzt erst auf Tour und ich war extrem dankbar, das alles erleben zu dürfen. Ich mache mir immer wieder klar, dass das Leben endlich ist. Aber es ist ein bisschen wie mit Musik: Du hörst dir normalerweise nicht nur das Intro und das Outro an, sondern versuchst, jeden einzelnen Song zu genießen.
Peter: Während der Highschool habe ich ein Praktikum im Forschungsbereich einer Universität gemacht. Dort wurde mir das Leichenschauhaus mit all den toten Körpern gezeigt. Seitdem geht es mir nicht mehr aus dem Kopf, dass wir alle eines Tages so enden werden. Um das auf unseren Albumtitel „Hope And Ruin“ zu beziehen: Am Ende werden wir alle sterben, aber bis dahin sollten wir Hoffnung haben oder wenigstens nach ihr suchen. In unserer Gesellschaft ist das nichts, worüber gerne geredet wird. Aber wenn wir den Tod zelebrieren und uns damit abfinden können, dass es uns alle irgendwann mal trifft, dann können wir auch das Leben zelebrieren.
Tim: Um ehrlich zu sein, habe ich bisher kein so ein einschneidendes Erlebnis gehabt. Und trotzdem kann ich mich voll und ganz mit dem neuen Album und der Message identifizieren.

In eurem Song „The greatest weight“ geht es um Depressionen. Wie geht ihr mit dem Thema Vergänglichkeit um, ohne dass es euch zu sehr belastet?
Thomas: Ich bin froh, dass du den Song erwähnst. In dem habe ich meine Scheidung und die Zeit danach verarbeitet. Mir ging es eine Zeit lang richtig schlecht, ich kam nicht mal mehr aus dem Bett. Ich war in einer völlig eigenen Welt gefangen, aber habe mich Schritt für Schritt zurückgekämpft. Ich habe mit Menschen gesprochen, war in Therapie, aber am meisten hat mir Musik geholfen. Es ist wichtig, dass wir offen über Depressionen sprechen, um das Thema weiter zu entstigmatisieren.

Ich finde den Gedanken spannend, dass bestimmte Dinge von uns weiterhin da sein werden, auch wenn wir mal nicht mehr sind. Zum Beispiel eure Musik ...
Thomas: Ich denke tatsächlich öfter darüber nach. Am wichtigsten ist es für mich, dass ich auf Menschen, die mir wichtig sind, einen guten Einfluss habe. Dazu gehört auch die Band, und das Album ist ein Ergebnis unserer Beziehung. Wenn ich über meine eigene Vergänglichkeit nachdenke, würde ich mir vor allem wünschen, dass meine Liebsten nach meinem Tod positiv über mich reden. Wenn auch noch die Musik irgendwie thematisiert wird, ist das natürlich ein netter Bonus.

Ihr habt mal in einem Interview gesagt, dass dieses Album einen spirituellen Charakter für euch hat. Wie genau sieht der aus?
Thomas: Fünf Leute, die überall in UK verteilt leben, kommen zusammen und es entsteht Musik.
Peter: Ich glaube, dass das so was wie Bestimmung ist. Die Songs gemeinsam zu schreiben und dann live zu spielen – das hat eine unglaubliche Kraft, die man nicht leugnen kann.
Tim: Das stimmt! Da entsteht auf jeden Fall eine gewisse Magie, sobald wir die Gitarren einstecken und die Lautsprecher aufdrehen. Es fühlt sich ein bisschen so an, als ob die Musik nicht von uns, sondern durch uns kommt.

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