© by Andreas LangfeldDie Schwed:innen sind eine Tourmaschine, live lebt die Band sich aus, so auch im Frühjahr 2025 wieder. Eine neue 10“ hat die Band um Sängerin Cecilia ebenfalls am Start und feiert damit ihren 20. Bandgeburtstag. Wer so viel und lange unterwegs ist, erlebt jenseits der eigentlichen Auftritte auch so einiges, denn seit den RAMONES wissen wir: „Touring is never boring“ Und so ließen wir uns von Schlagzeuger Niclas Svensson ein paar Anekdoten aufschreiben. Das tat er übrigens „on the road“ irgendwo in Mexiko.
Was war das beste Erlebnis in Sachen Essen bei einer Show oder einem Festival? Und was war das schlimmste? Gibt es Erfahrungen mit dem Norovirus oder Lebensmittelvergiftungen?
Ich würde sagen, dass wir meistens ziemlich anständiges Essen bekommen. Aber in manchen Ländern verstehen sie einfach nicht, was es bedeutet, Vegetarier oder Veganer zu sein. Manchmal findest du kleine Speckstücke in deinem Salat oder deiner Pasta und sie sagen: „Das ist nur für den Geschmack“ ... Sie kapieren es nicht. Haha! Das Greenfield Festival in der Schweiz hatte letzten Sommer ein tolles Catering mit großartigen Köchen, die geniales veganes Essen zubereitet haben. Außerdem ist da jedes Mal, wenn wir vor DIE TOTEN HOSEN spielen, der großartige Ole Plogstedt von Rote Gourmet Fraktion und seine Küchenmagie. Apropos Lebensmittelvergiftung: Als wir einmal in Kuba spielten, aß ich in einem alten Piratenrestaurant in Havanna einen Salat. Sie müssen den unter Leitungswasser gewaschen haben und das solltest du nicht trinken, wenn du nicht in Kuba lebst und dein Magen daran gewöhnt ist. Ich musste drei Tage lang auf meinem Zimmer bleiben. Es war furchtbar. Zum Glück passierte das erst nach dem Festival, für das wir dort waren. Ansonsten war es eine tolle Reise, wie immer im schönen Kuba. Übrigens haben wir damals in der alten Festung Castillo del Morro in Havanna gespielt und der Raum neben unserer Garderobe war früher Che Guevaras Büro als Minister in der Regierung von El Comandante Fidel Castro. Gänsehaut!
Gibt es Geschichten über kaputte Autos, (Beinahe-)Unfälle, beschissene Tourvans ...?
Wir hatten im Laufe der Jahre ziemlich viel Glück, aber natürlich gab es auch ein paar beschissene Vans ohne Klimaanlage mitten im heißen Sommer und so weiter. Einmal in Spanien hatten wir einen wirklich seltsamen Fahrer, der uns am Flughafen abholte, und nach einer Weile auf der Autobahn fiel uns auf, dass er nicht ganz bei sich war. Der Van bewegte sich sehr unsicher, wenn er die Spur wechselte. Er hielt keinen normalen Abstand zu anderen Autos und hätte einmal fast ein anderes Auto gerammt. Keiner von uns fühlte sich sicher und wir baten ihn bei der nächsten Gelegenheit anzuhalten. Einer aus unserer Crew hat das Steuer übernommen. Er war nicht einmal wütend oder so. Er war einfach nur komisch und wollte, dass wir ihn dort am Straßenrand zurücklassen. Wir boten ihm an, mit uns zu kommen, aber das wollte er nicht. Er wollte jemanden anrufen, der ihn abholt. Die ganze Sache war einfach super seltsam.
Was ist mit anderen Bands? Im Laufe der Jahre habt ihr sicher viele Freunde gewonnen. Gab es denkwürdige Begegnungen?
Ja, wir haben im Laufe der Jahre viele Freunde gefunden. Wir haben mit so vielen tollen Bands und netten Leuten zusammen getourt. PASCOW, DONOTS, SPIDERS, ASTA KASK, VÄNNÄS KASINO, THE DAHMERS, DIE TOTEN HOSEN, BERRI TXARRAK, BROILERS und viele andere. Du triffst so viele großartige Menschen und Musiker auf deinem Weg und du triffst sogar einige deiner Helden. Ich bin nicht leicht zu beeindrucken, aber als ich einen meiner absoluten Lieblingsmusiker, Dave Lombardo von SLAYER, SUICIDAL TENDENCIES, MISFITS und anderen, beim Ruhrpott Rodeo in Hünxe traf, bekam ich kaum ein Wort heraus, haha. Er ist einer der besten Schlagzeuger der Welt und er war super freundlich und nett. Aber letztendlich sind wir ja alle ganz normale Menschen.
Was habt ihr mit Polizei und Zoll so erlebt?
Der Zoll war noch nie ein Problem. Die Polizei hingegen schon. Nein, im Ernst, wir sind verantwortungsbewusste Erwachsene, also hatten wir nicht viel Ärger mit dem Gesetz. Eher lustige Sachen, die passiert sind. Einmal scherte in Bayern ein Auto vor unserem Van ein. Plötzlich leuchtete eine Schild auf, auf dem „Bitte folgen“ stand. Wir verstanden, dass es die Polizei ist, und folgten ihr zu einem Parkplatz und dort standen mehrere Polizeiautos und Beamte mit Maschinengewehren und allem Drum und Dran. Es sah eher aus wie Militär als Polizei. Ein sehr ernst und mürrisch aussehender Beamter kam zu unserem Auto, verlangte unsere Pässe und verschwand für eine Weile. Nach etwa 15 Minuten kam der Beamte zurück und starrte uns an. Er sah noch ernster aus als vorher. Wir taten nichts, aber wir dachten, wir wären am Arsch. Doch plötzlich hatte er in ein breites Grinsen im Gesicht und sagte: „Ihr seid doch nicht die neue ABBA-Revival-Band, oder?“ Wir haben alle laut losgelacht. Auch die Polizisten. Und einmal, als wir in China waren, hockten wir nach einer Show auf der Straße und tranken ein paar Bier, als plötzlich mehrere Polizisten schnell auf uns zugelaufen kamen. Wir dachten, wir wären in Schwierigkeiten, und wurden sehr nervös, aber sie wollten nur Fotos mit uns machen. Sie hatten uns auf dem Festival gesehen, auf dem wir gespielt hatten.
Gibt es Geschichten über Flughäfen, über verpasste oder gestrichene Flüge?
Wir haben noch nie einen Flug verpasst, aber wir waren kurz davor, und es gab natürlich auch ein paar gestrichene Flüge, auf die wir bis zum nächsten Tag warten mussten. Einmal, als wir von Bilbao nach Hause fliegen wollten, gab es eine Verspätung und wir waren alle sehr müde. Am Check-in-Schalter saß eine sehr pingelige Dame. Wir waren schon ein bisschen genervt wegen der Verspätung und sie dachte, wir hätten zu viel Gepäck oder Handgepäck oder es sei zu schwer. Ich kann mich nicht mehr genau erinnern, aber sie und Cecilia hatten einen kleinen Streit. Dann bin ich einfach dazwischen gegangen und habe mit ganz ruhiger Stimme zu der Dame hinter dem Schalter gesagt: „Es ist okay.“ Und sie ließ uns alles einchecken. Es war super seltsam, als wäre ich Obi-Wan Kenobi aus „Star Wars“ oder so. Ich setzte die Macht ein und sie ließ uns passieren. Eine wahre Geschichte!
Von Luxushotels bis hin zum mit Kakerlaken verseuchten Dreckslöchern ... was habt ihr da so erlebt?
Ja, wir haben wirklich alles gesehen, alles zwischen Himmel und Hölle. In unseren Anfangsjahren haben wir fast jede Showanfrage angenommen und die Schlafsituation konnte manchmal wirklich schrecklich sein. Jede fleißige DIY-Band hat die gleichen Erfahrungen hinter sich. Wir fangen alle irgendwann an. Vor Jahren haben wir in München in einem „Hotel“ übernachtet, das direkt gegenüber von miesen Bars und Stripclubs lag. Dort gab es schmutzige, benutzte Bettlaken und es klebten Haare in der Dusche. Wenn diese Wände sprechen könnten, dann will ich es nicht hören. Inzwischen bekommen wir ziemlich gute Hotels. Eines meiner Favoriten ist das Burg Hotel in Rothenburg ob der Tauber, wo wir ein paar Mal übernachtet haben, als wir auf dem Taubertal Festival gespielt haben. Die Zimmer sind wie Königsgemächer in den Mauern einer alten Klosterburg. Ich bin ein Metal-Typ, also liebe ich alles, was mittelalterlich ist.
Was war die härteste, längste, schrecklichste Anreise zu einer Show?
Der Flug nach China war wahnsinnig lang und es gab hin und wieder Turbulenzen. Wir haben im Laufe der Jahre schon viele verrückte, lange Fahrten mit dem Van absolviert, aber so ist das eben manchmal. Die Streckenführung kann nicht immer perfekt sein. Außerdem lieben wir es, Zeit miteinander und mit unserer Crew im Bus zu verbringen, deshalb sind längere Fahrten kein großes Problem. Wir haben einander, Musik, Bücher und albern eigentlich permanent herum.
Wo habt ihr das wildeste Publikum?
Wir haben überall ein tolles Publikum, aber im Baskenland und in Ostdeutschland sind sie vielleicht ein bisschen verrückter, auf eine gute Art. Unsere Shows in diesen beiden Landstrichen sind immer etwas ganz Besonderes und wir lieben es!
Gab es schon mal Nahtoderfahrungen?
Nicht wirklich, aber Frida dachte einmal, sie würde sterben. Wir hatten bei der Rock’n’Roll Butterfahrt auf der Insel Helgoland gespielt und hatten am Tag danach eine Show in Husum. Es war so stürmisch, dass die Fähre zurück zum Festland gestrichen wurde. Aber wir mussten ja irgendwie zu der Show kommen. Man bot uns an, mit einem kleinen achtsitzigen Flugzeug dorthin zu fliegen, was wir auch taten. Der Flug dauerte nur etwa 20 Minuten, war aber gelinde gesagt etwas holprig. Für uns andere war es eine lustige, abenteuerliche Reise und wir scherzten und lachten den ganzen Weg über. Aber nicht Frida. Sie hatte Todesangst. Wir sind heute immer noch hier, also ist am Ende alles gut gegangen.
Und was war euer verrücktestes Erlebnis überhaupt?
Vielleicht nicht das verrückteste, aber mit Sicherheit eines der denkwürdigsten war, als wir mitten in der Pandemie drei Shows hintereinander in einer Arena in Vitoria-Gasteiz im Baskenland gespielt haben. Es gab sehr strenge Regeln für diese Auftritte, die Zuschauer durften nur mit Gesichtsmasken in die Arena und wenn ein negativer Corona-Test vorlag. An jedem Tisch durften auch nur vier Leute sitzen. Es kamen Hunderte von Menschen zu jeder Show und sie genossen es genauso sehr wie wir, es sind sogar einige Freudentränen geflossen. Schon lange hatte niemand mehr irgendeine Art von öffentlicher Veranstaltung besuchen dürfen, also fanden sie es total toll, auch wenn sie sich hinsetzen mussten. Bei einer der Shows fiel mir ein Typ auf, bei dem ich dachte, dass er gleich durchdreht. Er hatte wirklich Schwierigkeiten, still zu sitzen. Es war klar, dass er einfach aufstehen und wild herumtoben wollte. Ich hatte recht, denn am Ende hielt es nicht mehr aus und stagedivete über einen Tisch. Haha! Aber die Sicherheitsleute haben die Sache sehr professionell gehandhabt und ihn in seine Schranken verwiesen. Der Kerl hat nur das ausgelebt, was, wie ich glaube, so ziemlich jeder in dieser Zeit innerlich fühlte. Eine Menge Frustration, die irgendwie rausmusste. Dort war auch das erste Mal, dass wir uns wieder mit unserer geliebten Crew treffen konnten, nachdem wir uns lange Zeit nicht gesehen hatten. Wir hatten sie so sehr vermisst und hatten eine wirklich tolle Zeit zusammen. Sie sind die besten Leute und wie eine richtige Familie für uns. Wenn es um THE BABOON SHOW geht, ist „Zusammenhalt“ das Schlüsselwort Nummer eins.
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