BLOODSUCKING ZOMBIES FROM OUTER SPACE

Foto© by Andreas Graf

Ein kleines bisschen Horrorshow

Schon lange habe ich das Wiener Horror-Punk/Shock-Rock-Quintett auf dem Schirm. Die Band um Sänger Dead Richy Gein ist seit 2002 unterwegs, hat ein Händchen für coole Songs und immens kreative Ideen bei ihren Releases. Nun gibt es zwei aktuelle Veröffentlichungen, zuerst erschien die Single „Monster“ und nun kommt ihr neuer Longplayer „Blood Is For Suckers“. Nach 15 Jahren war es also wieder an der Zeit, den Bandleader zum Gespräch zu bitten.

Auf eurer allerersten LP „See You At Disneyland“ war 2004 ein kleines Kind abgebildet. Inzwischen habt ihr die nachgepresst und es ist ein erwachsener Mensch zu sehen. Handelt es sich um dieselbe Person?

„See you at Disneyland“ ist ein berüchtigtes Zitat des Serienkillers Richard Ramirez, mit dem er gerne seine Fanpost aus dem Gefängnis signiert hat. Ich war speziell damals totaler True-Crime-Nerd, noch lange bevor das Thema komplett im Mainstream angekommen ist und „vernetflixt“ wurde. Wir dachten, es wäre wahnsinnig krass, Ramirez gemeinsam mit seinem Zitat aufs Cover zu drucken. Die Platte war ja unser Debüt auf dem deutschen Label Fiend Force Records, und wir hatten buchstäblich noch von nichts eine Ahnung. Kurz vor Abgabetermin haben wir dann kalte Füße bekommen, so von wegen Copyright, Persönlichkeitsrechte und so weiter. Wir wollten es nicht riskieren, dass Fiend Force rechtliche Schwierigkeiten bekommt und unsere Debüt-LP am Ende eingestampft wird. Da haben wir statt Ramirez kurzerhand ein Bild aus dem Video zu unserem Song „Moonlight sonata“ genommen. Auf dem Cover war dann das Kind einer damaligen Freundin des Regisseurs. Den Rerelease über unser eigenes Label Schlitzer Pepi Records haben wir zum Anlass genommen, das Cover so zu gestalten, wie es damals ursprünglich geplant war: mit Ramirez drauf.

Zu eurem zehnjährigen Bestehen hatte euch der damalige Boss eures Fanclubs ins Booklet geschrieben, er hoffe, dass ihr nicht „in den Schlamm des Mainstreams steigt“. Und jetzt? Sucht ihr doch nach einer größeren Reichweite?
Na ja, wie „mainstreamig“ kann eine Band mit diesem Bandnamen und Image generell sein? Prinzipiell habe ich aber absolut gar kein Problem damit, wenn uns ein paar mehr Leute hören und zu unseren Shows kommen. Ich habe die Zombies gegründet, weil ich ein Horror-Rock-Spektakel mit großer Bühnenshow und viel Theatralik auf die Beine stellen wollte, so wie es der von mir sehr geliebte Alice Cooper macht. Das braucht mit einem gewissen Anspruch eben oft auch größere Bühnen, damit es funktioniert und wirkt. Wir haben anfangs wirklich lange in Jugendzentren und kleinen Clubs gespielt, mit ordentlich viel Trash und Kasperltheater. Es freut uns natürlich umso mehr, dass wir mittlerweile die Möglichkeit haben, das Ganze optisch größer und auch einfach schöner fürs Publikum zu inszenieren.

Was macht die „Army of Zombies“, euer Fanclub mit einst 500 Mitgliedern?
Den gibt es nach wie vor und es kommt auch jedes Jahr zu Treffen und verschiedenen Aktionen. Klar verändert sich ein Fanclub über die Jahre, genauso wie eine Band an sich. Viele Leute bleiben, manche gehen, neue kommen dazu – das ist völlig normal meiner Meinung nach und auch einfach spannend mitzuverfolgen.

„So wirklich gehören wir in keine Szene, aber unsere oberste Prämisse ist und bleibt: Wir machen das, was uns Spaß macht. Basta.“ Das sagtest du 2006 bei uns im Ox. Da hat sich ja nichts verändert, oder?
Vollkommen korrekt. Wir haben uns von Anfang an musikalisch keinerlei Scheuklappen aufgesetzt und uns damit auch nicht immer beliebt gemacht. Der einzige wirklich rote Faden ist bei uns dieses Faible für Horror und morbide Themen. Mit jedem neuen Album haben wir damit auch immer wieder ein paar Fans vor den Kopf gestoßen, weil die eine oder andere musikalische Veränderung nicht mehr mit deren Vorstellung der Zombies vereinbar war. Den Satz „aber früher wart ihr geiler“ hört jeder Musiker, der schon etwas länger im Geschäft ist, glaube ich, aber das darf einen nicht verunsichern. Wir machen heute sicher handwerklich deutlich bessere Musik und haben anspruchsvollere Texte als in den Anfangsjahren. Und ich behaupte einfach mal ganz arrogant, dass „Blood Is For Suckers“ unser bis dato bestes Album ist.

Wie sieht eure Situation aktuell aus? Ihr wart mal zu viert, seid nun fünf Leute, die alle mit Beruf und Familie ausgelastet sind. Fokussiert ihr euch deshalb eher auf den künstlerischen, physischen Output als auf das Konzerte spielen, geschweige denn größere Touren?
Ja genau, wir haben uns vor über fünf Jahren einen Drummer in die Band geholt, weil ich mich mehr auf das Singen und die Bühnenshow konzentrieren wollte. Das Steh-Schlagzeugspielen war schon cool und natürlich auch ein Markenzeichen der Band, aber in Wahrheit hat man nach zwei, drei Songs auch alles gesehen. Es hat mir einfach komplett die Möglichkeit genommen, noch viel anderes auf der Bühne zu machen. Das ist bei einer Horror-Show mit ihren unterschiedlichen Elementen und Requisiten natürlich immens schade. Abgesehen davon ist Marty Midnight ein viel besserer Drummer, als ich jemals war, und hat die Band qualitativ auf ein ganz anderes Level gehoben. Wir betreiben die Musik alle schon sehr ernsthaft und mit viel Herzblut. Jeder hat es sowohl mit der Arbeit als auch mit seinem Privatleben so eingerichtet, dass die Band einen enorm hohen Stellenwert hat und professionell agieren kann. Dass es bei uns in Bezug auf Live-Konzerte etwas ruhiger war, lag eher an Schwierigkeiten in Sachen Booking, da wir innerhalb eines Jahres gleich zwei Mal die Agentur gewechselt haben. Aber 2026 werden wir endlich wieder verstärkt unterwegs sein und mit dem neuen Album touren.

DIE ÄRZTE hatten mal dem Sinn nach geäußert, dass es ein Wahnsinn sei, sein eigenes Label zu betreiben. Ihr habt ja euer Schlitzer-Pepi schon sehr lange. Aus der Not geboren und trotzdem der richtige Weg?
Tatsächlich gar nicht aus der Not geboren – wir hatten glücklicherweise nie das Problem, ohne Label dazustehen. Aber das ganze Business hat sich so stark verändert, dass man auch wirklich viel selber machen kann beziehungsweise muss. Da wir sowieso schon immer nur sehr ungern die Zügel aus der Hand gegeben haben, war der Schritt zur Labelgründung nicht allzu weit entfernt und wir sind nach wie vor im Grunde glücklich damit. Klar ist es oft wirklich stressig und es artet zu einem echten Fulltimejob aus – der Reverend und meine Wenigkeit decken sozusagen eine komplette Firma ab, und man muss sich manchmal mit Problemen herumschlagen, die man so eigentlich nie haben wollte.

Zum Glück sind Besetzungswechsel bei euch eher selten. Ist das weiterhin den alten Freundschaften geschuldet, ihr seid also ein verschworener Haufen?
Ja wir sind schon sehr wie eine „Family“ in der Band und irgendwie können wir uns das Musikmachen in einer anderen Konstellation schon gar nicht mehr vorstellen. Mit unseren „Neuen“, Dejan und Marty, hatten wir aber auch wirklich Glück, die beiden sind nicht mehr wegzudenken. Ich bin sehr froh, dass wir, wie du sagst, so ein verschworener Haufen sind.

Kommen wir zu den neuen Platten. Zunächst ist da die Single „Monster!“, auf deren B-Seite du dich mit WIZO-Axel zusammengetan hast für einen coolen Song namens „Horrorfans against racism“. Im Horrorpunk-Genre ist mir auch glücklicherweise nichts von Rechten bekannt.
Wir haben uns als Band schon von Anfang an klar positioniert und vor über zehn Jahren die Aktion „Horrorfans against Racism“ ins Leben gerufen – eben aufgrund der großen Grauzone bei beispielsweise Psychobilly-Festivals oder Horror-Conventions. Da war es uns wichtig, ein Zeichen zu setzen und von vornherein klarzustellen, wer nicht bei unseren Konzerten willkommen ist. Wir haben T-Shirts, Sticker, Patches und andere Sachen gedruckt und einen Teil der Erlöse ans Integrationshaus in Wien gespendet. Letztes Jahr hatte ich die Idee, dass es cool wäre, einen Song mit dem Slogan zu haben, um ihn als Untermalung für die Reels der „Horrorfans against Racism“ verwenden zu können; und dann ging es Schlag auf Schlag. Ich bin seit jeher großer Deutschpunk-Fan und damit auch von WIZO und hatte das Glück, Axel beim Nova Rock vor einigen Jahren persönlich kennenzulernen. Seitdem ist der Kontakt nie abgerissen. Da auch WIZO große Horrorfilm-Fans sind, habe ich ihnen irgendwann T-Shirts mitgebracht und als dann der Song auf dem Tisch lag, war die Idee der Collabo naheliegend. Glücklicherweise hat Axel direkt zugesagt und fertig war das Ding.

Die neue Platte ist wie aus einem Guss, schön, klar, mit Tiefgang. Und immer wieder Blut und Horror. Musikalisch kann eine Horrorpunk-Band ihren Stil abwandeln, inhaltlich aber weniger, oder?
Meine Texte sind auf den ersten Blick natürlich dem Horrorgenre zuzuordnen, aber dahinter stecken meistens noch ganz andere, ernsthaftere, oft auch persönliche Themen. Wer sich genauer mit dem Album befasst und etwas „hinter die Fassade“ hört, wird feststellen, dass es da einiges an Interpretationsspielraum gibt. Das macht es meiner Meinung nach extrem spannend und schafft noch mal ein ganz neues Hörerlebnis.

Wie kann ich mir euren Kontakt zu anderen Bands aus dem Horrorpunk-Genre vorstellen? Konkurrenzgedanken sollten allein aufgrund der doch wenigen Bands eigentlich unnötig sein. Gibt es Bands, mit denen ihr befreundet seid?
Ich glaube, in erster Linie ist das schon alles eher familiär und wir sind mit den meisten – speziell denen, die damals mit uns gestartet sind – freundschaftlich verbunden. Aber so ganz ohne Competition geht’s doch nirgendwo, oder? Und natürlich interessiert es einen, wie es bei den anderen Bands so läuft. Nachdem wir aber sowieso auch in der Horrorpunk-Schiene irgendwie speziell sind mit unserem Style und unserer Art Musik zu machen, sind direkte Vergleiche auch wieder unangebracht. Gerade das Musikgeschäft ist meiner Meinung nach deutlich härter geworden in den letzten Jahren und man ist im ständigen Kampf um Aufmerksamkeit und Relevanz. Da muss man sich manchmal wieder aktiv zurückbesinnen auf das, warum man eigentlich Musik macht – weil es eine wahnsinnig schöne Sache ist. Und das wollen wir uns weder vom Business noch von zermürbenden Konkurrenzgedanken kaputtmachen lassen.

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