
Im September 2025 erscheint das neue Album „Death Drive“ der niederländischen Emopunks. Im Vorfeld haben wir mit Stefan, Sänger der Band, darüber gesprochen, was es heute bedeutet, Mitte 20 zu sein. Und warum die Fehler der vorangegangenen Generationen offenbar ohne Lerneffekt weitergegeben werden.
In eurem Pressetext beschreibt ihr „Death Drive“ als eine Momentaufnahme davon, wie es sich anfühlt, in den 2020ern in den 20ern zu sein – in einer Ära, in der es, wie ihr sagt, so scheint, als würde die ganze Welt auf einen Abgrund zusteuern. Das ist eine kraftvolle These. Wer, glaubst du, steuert uns in diesen Abgrund?
Ich glaube nicht, dass es eine bestimmte Person oder Gruppe ist, sondern eher ein System, eine Art, die Dinge zu tun, die wir uns selbst beigebracht haben oder beigebracht bekommen haben – die einfach total nicht passt zu dem, wie Menschen eigentlich zusammenleben sollten. Man wird ständig mit diesem Missverhältnis konfrontiert, besonders wenn man durchs Handy scrollt oder die Nachrichten liest.
Denkst du, da sitzt noch jemand am Steuer, oder ist es ein Fahrzeug ohne Kontrolle?
Ich glaube, es sieht eher aus wie ein Fahrzeug ohne Kontrolle. Aber ich bin eigentlich kein sehr pessimistischer Mensch. Es gibt sicher Momente auf dem Album, in denen wir sehr deprimiert wirken und nicht besonders optimistisch. Aber ich habe noch ein bisschen Hoffnung, dass wir es gemeinsam schaffen können, das Steuer zu übernehmen und hoffentlich in die richtige Richtung zu lenken.
Wenn du Teenagern, die in 10 Jahren Mitte 20 sein werden, einen Rat geben würdet, wie könnten sie den Abgrund vermeiden?
Ich glaube, für mich und meine Freunde funktioniert es so: Finde etwas, das du wirklich liebst, und versuche, andere Menschen zu finden, die dasselbe lieben wie du. Für mich ist das vor allem Musik. Und ich habe durch das eine Gemeinschaft gefunden. Besonders wenn man sich dem Ende der 20er nähert und versucht, seinen Platz in der Welt zu finden und Menschen, mit denen man sich verbunden fühlt. Ich denke, etwas zu haben, das man liebt, hilft dabei sehr.
„The Vibes are bad, but the Drugs are good“. Als ich das gelesen habe, wirkte es wie eine Postkarte, die man an seine Wand hängen würde. An wen würdest du sie schicken?
Es ist eine Art doppelte Bedeutung. Es geht um Drogen und darum, wie man sie nutzen kann, um gelegentlich seinen Ängsten zu entkommen. Aber es geht auch um meine ADHS-Medikamente, die mir zumindest ein wenig helfen, mich in dieser hektischen Welt zurechtzufinden.
Der Song „Dumb“ hat mich direkt zurück ins Jahr 2005 versetzt, zu GREEN DAY und ihren „Jesus of suburbia“, der sich mit „Soda pop and Ritalin“ durch den Tag kämpfte. Wie hat sich die Jugend seit damals verändert? Sind sie heute abgestumpfter? Dümmer? Klüger? Resignierter?“
Ich glaube, die Jugend ist schlauer, gerade weil wir Zugriff auf scheinbar unbegrenztes Wissen haben. Aber ich denke, und das gilt auch für mich, dieser ständige Zugang zu Wissen, die ständige Flut von Bildern, Ideen und einfach allem, was passiert ... Ich denke, das kann das Gehirn schnell überlasten, besonders bei jungen Menschen. Ja, Musik ist also schon ein Bewältigungsmechanismus.
Wenn du das Album einem Außerirdischen vorspielen müsstest, um zu erklären, wie es ist, heutzutage auf der Erde zu leben, welchen Song würdest du wählen?
Nur einen Song? Das ist eine wirklich gute Frage. Ja, vielleicht , wie du in der Postkarten-Frage erwähnt hast, vielleicht wäre der Titelsong „Death drive“ eine gute Wahl, um das Album zu repräsentieren. Das fasst das Album gut zusammen und vermittelt, wie es ist, in den 2020er Jahren Ende 20 zu sein.
Deutschland diskutiert gerade ein Smartphone-Verbot an Schulen. Denkst du, so ein Verbot würde helfen oder eher alles verschlimmern?
Ich weiß nicht, ob ein Verbot die Lösung ist, aber Smartphones sind definitiv ungesund, besonders für sich entwickelnde Gehirne. Ich weiß nicht genau, was die Wissenschaft sagt, aber intuitiv fühlt es sich so an: Wenn es mein Gehirn überfordert, stell dir vor, wie sehr es ein unausgereiftes Gehirn überfordern würde. Eine gute Lösung wäre es, Dinge zu schaffen, die so viel Spaß machen, dass Teens gar nicht erst zum Handy greifen.
Die Kids bei euren Shows singen also mit, ohne ständig zu filmen?
Ja, manchmal, aber sie sind nicht ständig am Handy. Sie reden miteinander und haben Spaß ohne Bildschirme.
Plant ihr zeitnah Shows in Deutschland und mit wem würdest ihr gerne mal auf der Bühne stehen?
Wir haben vor, nächstes Jahr einige Shows in Deutschland zu spielen. Wir haben neulich über eine Tour gesprochen. Ich weiß nicht genau. Das Album wurde von Billy Mannino produziert, einem US-Musiker, der auch Bands wie OSO OSO aufgenommen hat. PRINCE DADDY & THE HYENA und MACSEAL. Das sind wirklich coole Bands. Wir würden gerne mit solchen Bands touren. Wenn ich eine große Band auswählen könnte, würde ich gern mit WEEZER spielen. Das wäre super.
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