
Von einigen wurde es zuerst für einen Aprilscherz gehalten, aber CONVERGE veröffentlichen nur ein paar Monate nach „Love Is Not Enough“ ein weiteres Studioalbum. Dieses hört auf den Namen „Hum Of Hurt“ und ist deutlich diverser ausgefallen als sein Vorgänger. Wir fragen Bassist Nate Newton nach seiner Rolle in der Band, warum es zu den beiden Alben kam und wie es neue Lieder in die Setlist schaffen.
Wann hast du gemerkt, dass ihr genug Material für ein zweites Album hattet?
Wir haben das gesamte Material gleichzeitig aufgenommen. Als wir dann über die Reihenfolge nachgedacht haben, wurde ziemlich schnell klar, dass sich zwei unterschiedliche musikalische Charaktere herauskristallisieren. Außerdem war einfach genug Material da, so dass es Sinn ergab, es aufzuteilen. Wir hätten auch ein Doppelalbum machen können, aber ich glaube nicht, dass die Aufmerksamkeitsspanne für ein einstündiges Hardcore-Album wirklich existiert. Also haben wir uns an unseren Lieblingsplatten orientiert, und die meisten sind unter 30 Minuten lang. Am Ende haben wir gesagt: Das funktioniert als zwei Alben, also machen wir das so.
Viele Leute hören Musik heute üblicher Weise als Playlists oder einzelne Songs, während ihr zwei komplette Alben veröffentlicht.
Ehrlich gesagt ist mir das egal. Es stimmt schon, dass viele Bands heute eher Singles veröffentlichen. Aber ich liebe Musik – wir alle in der Band tun das – und ich bin mit dem Albumformat groß geworden. Ich glaube wirklich daran. Ich mag es nicht, Musik in kleinen Häppchen zu konsumieren. Wenn ich eine Platte höre, will ich eine Reise von Anfang bis Ende erleben. Ich möchte verstehen, woher der Künstler kommt und wie er zu seinen musikalischen Entscheidungen gelangt ist. Deshalb interessiert mich nicht, was gerade üblich ist. Ich will einfach etwas veröffentlichen, das ich auch selbst gerne hören würde.
Das erste Album war stark auf den letzten Song hin ausgerichtet. Das neue wirkt eher wie ein Auf und Ab, hat mehr Dynamik. Wie kam das zustande? War es ein Absicht, das zweite Album anders zu sequenzieren?
Ich weiß nicht, ob wir da ein konkretes Ziel hatten. Wie gesagt, es gab einfach zwei unterschiedliche musikalische Richtungen. Wir haben uns eher gefragt: Wohin führt uns das Material? Was wollen wir als Nächstes hören? Mit welchem Gefühl soll das Ganze enden? Es gab keine bewusste Entscheidung, alles anders zu machen – wir sind einfach dem gefolgt, was sich beim Hören
richtig angefühlt hat.
Worin unterscheiden sich „Love Is Not Enough“ und „Hum Of Hurt“ grundsätzlich?
Einfach gesagt, „Love Is Not Enough“ ist eher ein direktes, wütendes Metal-Album. „Hum Of Hurt“ ist etwas verkopfter, stärker vom Noiserock beeinflusst und insgesamt eigenwilliger – vielleicht das „seltsamere“ Werk von beiden. Wenn „Love Is Not Enough“ SLAYER ist, dann ist „Hum Of Hurt“ eher NOMEANSNO.
Was haben die beiden Alben gemeinsam?
Ich würde sagen, beide teilen sich diese gewisse Dringlichkeit. Die Aussage wird unterschiedlich vermittelt, aber in beiden steckt dieses Gefühl, diese Musik muss jetzt raus. Wir mussten das einfach loswerden.
Wie entscheidet ihr bei so viel neuem Material, welche Songs ihr live spielt?
Viel davon ist reine Logik: Welche Songs werden in welcher Stimmung gespielt? Wie viele Instrumente müssen wir mitnehmen? Daraus ergeben sich Blöcke, und das macht die Auswahl einfacher. Manchmal ist es auch bloß Faulheit – manche Songs sind schwer, und dann sagen wir: den lernen wir jetzt nicht noch mal neu. Also nehmen wir die, die wir gerade am besten können. Die Setlänge spielt auch eine Rolle. Bei einer Stunde können wir mehr neue Songs spielen als bei 40 Minuten.
Wie viele Songs probt ihr für eine Tour?
Das hängt von der Tour ab. Bei einer Headliner-Tour vielleicht 25 oder mehr. Wenn wir nur 40 Minuten spielen, dann eher 15 bis 20. Viele Songs auf „Love Is Not Enough“ sind sehr kurz, deshalb konnten wir auf der letzten Tour sechs oder sieben neue Stücke spielen.
Wie kam es dazu, dass ihr „I won’t let you go“ neu aufgenommen habt, das vorher nur im Spiel „Cyberpunk 2077“ zu hören war?
Ich mag es nicht, wenn Bands nur Singles veröffentlichen – dadurch geht ein Song irgendwie verloren. Ich will wissen, wo ein Stück innerhalb eines Albums steht. Deshalb war eigentlich immer klar, dass dieser Track auch Teil eines Albums werden soll. Es hat nur etwas länger gedauert, weil wir in der Zwischenzeit andere Prioritäten hatten – zum Beispiel sind mehrere Kinder in der Band geboren worden. Das verlangsamt alles.
Deshalb ist der Song jetzt erst auf einem Album.
Wie ist das Stück „Dream Debris“ entstanden, bei dem der Bass im Mittelpunkt steht?
Das war einfach eine Idee, mit der ich herumgespielt habe. Sehr simpel. Ich habe sie der Band vorgestellt, und wir haben gemeinsam daran gearbeitet. Es war nicht geplant, einen Bass-Song zu machen – es hat sich einfach so entwickelt.
Der Track wirkt trotz seiner Länge nicht eintönig. Wie gelingt das?
Ich mag Musik, die fast tranceartig wirkt. Damit es nicht so schnell langweilig wird, versuche ich, mit anderen Instrumenten weitere Klangfarben einzubauen, wodurch es lebendig bleibt.
Wie fühlst du dich mit der Position als Bassist, gerade weil der Bass ja oft eine Nebenrolle spielt?
Lustig, dass du das fragst. Ich bin erst vor kurzem von einer Tour mit OLD MAN GLOOM zurückgekommen, bei denen ich ja Gitarre spiele. Ich habe zwar mit der Gitarre angefangen, aber inzwischen fühle ich mich als Bassist wohler. Ich liebe es, Bass zu spielen. Als wir wir CONVERGE von fünf auf vier Mitglieder reduziert haben, mussten wir den fehlenden Raum füllen. Mein Spiel ist deshalb melodisch, rhythmisch und perkussiv zugleich – ich versuche, den Part einer zweiten Gitarre zu ersetzen.
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