© by Jonathan WeinerMit neuen Ideen, neuem Sänger und neuem Album läutet die Band aus Sacramento, California die nächste Ära ein, die auch in Zeiten von Social Media und KI weiterhin authentisch bleibt. Darüber sprechen wir mit Drummer Matthew Mingus und dem neugewonnenen Cleansänger Andrew Wells.
DGD sind dafür bekannt ,sich musikalisch immer neu auszuprobieren. Einerseits durch das Experimentieren mit verschiedenen Sounds und andererseits durch die immer wiederkehrenden Besetzungswechsel. Das sind ja eigentlich zwei Faktoren, die für den Erfolg einer Band immer sehr riskant sein können, aber bei euch scheint das eher kein Problem zu sein.
Andrew: Ja, es ist verrückt. Die letzten beiden Touren waren ein Riesenerfolg, vor allem wenn man bedenkt, was du gesagt hast. Es ist riskant, wenn man die Besetzung wechselt, besonders bei einem Sänger. Bei den meisten Bands gibt es bei einem Sängerwechsel immer ein gewisses Maß an Rückgang. Als Tillian aufhörte, hatten wir etwa 1,1 Millionen monatliche Hörer auf Spotify. Jetzt liegen wir zwischen 1,6 und 1,7. Wir haben unsere Pre-Saves von unserem letzten Album jetzt zu „Pantheon“ verdreifacht. Und unsere letzten beiden Touren waren die größten und erfolgreichsten, die wir in diesem Zeitraum hatten. Ich kann unseren Fans nur dankbar sein, dass sie uns nicht nur die Treue halten, sondern die Band auch weiterhin mit anderen Leuten teilen und das Projekt weiter wachsen lassen.
Matt: Eine Sache, die gleich bleibt, ist Will Swan, unser Gitarrist, als eine Art Kerninstrumentalist. Wir arbeiten alle zusammen, aber Will hat einfach einen unverwechselbaren Sound. Und ich denke, dass seine Beständigkeit den Fans hilft, da der Sound in der gleichen Sphäre bleibt. Natürlich gibt es Leute, die es scheiße finden, aber man kann es nicht allen recht machen. Es wird immer eine Handvoll Hater geben, die an ihrer Tastatur sitzen und im Internet Mist erzählen. Aber ich finde nicht, dass es schlecht ist, dass es die zweifelnden Leute gibt, die entsprechende Kommentare schreiben, denn letztendlich bringen sie einfach mehr Fans dazu, sich zu engagieren und über uns im Internet zu sprechen.
Andrew: Wenn ich in ein Restaurant gehe und es mir nicht gefällt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich wiederkomme, so gut wie null. Aber unsere Hater sind witzig, weil sie sich einen neuen Song anhören und dann immer wieder zurückkommen, um auch die nächsten Songs zu hassen. Wenn du ihn wirklich gehasst hast, warum bist du dann immer wieder da? Ich liebe das, haha.
Auf „Pantheon“ erzählt ihr mit „The robot with human hair: Rebirth“ eine Geschichte weiter, die schon seit einigen Jahren auf euren Platten stattfindet. Mit dem Aufkommen von KI bekommt das Ganze noch mal eine neue Bedeutung, gerade in Bezug auf die Musikindustrie generell.
Andrew: Es ist unheimlich zu sehen, wie einige Vorhersagen, die wir in diesen Songs über KI gemacht haben, jetzt in Erfüllung gehen. Auf „Pantheon“ nähern wir uns dem mit Texten über den Konsum von sozialen Medien, allgemeines Astroturfing und die Frage, was überhaupt real ist.
Matt: Ja, es ist witzig, weil es beängstigend ist. Wir als Menschheit sind schuld, dass es eine Software gibt, die Songs schreibt, und die Realität ist, dass sie langsam wirklich gut sind. Und es ist erschreckend zu sehen, dass jemand so etwas einfach generieren und dann als seinen eigenen Song ausgeben könnte, ohne über einen Hauch Kreativität zu verfügen. Ich kann mir auf jeden Fall vorstellen, dass KI als Hilfsmittel genutzt wird, um Leuten mit einer Schreibblockade zu helfen, einen Anfangspunkt zu finden, um einen Song zu schreiben. Aber ja, es ist definitiv beängstigend und es wird nicht aufhören. Ich denke, wir müssen einfach lernen, damit umzugehen.
Andrew: Es wird Menschen geben, die es missbrauchen und ausnutzen, und das ist bedauerlich. Aber ich glaube, dass die Menschen auf lange Sicht immer noch etwas wollen, das authentisch menschlich ist. Wenn es also einen Haufen KI-Bands gibt, fühlt sich das schon unmenschlich an, oder? Wenn man einen KI-Song hört, der einfach nur synthetisch klingt, denkst du dir: Okay, das ist lustig. Aber ich würde niemals ein Album davon kaufen, weil es nicht menschlich ist. Das merkt man im Herzen. Ich glaube, wenn die Menschen lange genug mit diesem KI-Müll überschwemmt werden, dann sehen wir das beim Konsum der sozialen Medien, wo die Leute einfach die Nase voll haben. Sie wollen etwas erleben, das echt ist. Und ich glaube, dass es eine Entwicklung in der Musik und in der Kunst geben wird, dass die Menschen wieder nach authentischen menschlichen Erfahrungen suchen werden. Wir legen großen Wert darauf, mit tollen Künstlern wie Mattias Adolfsson für das Artwork und großartigen Regisseuren wie Sam Link für Musikvideos zusammenzuarbeiten und nicht solche Tools zu nutzen, sondern uns auf das Menschliche zu konzentrieren.
Matt: Ich glaube, dieses Bedürfnis nach einer echten menschlichen Erfahrung ist speziell in der Rockmusik vorhanden. Die Leute wollen sie live sehen. Die Leute wollen sehen, wie sie von echten Menschen gespielt wird. Das ist an sich schon eine Art Jobsicherheit. Ja, man könnte eine KI haben, die 50 Songs pro Tag für DANCE GAVIN DANCE schreibt, aber wer zum Teufel wird sie aufführen? Das ist auch etwas, das man nicht vergessen darf.
Andrew: Wir sind eine authentische, echte Live-Band. Das einzige Künstliche, was man in unseren Tracks hört, sind Dinge, die nicht von der Band selbst gespielt werden können, wie zum Beispiel ein Synth-Patch. Alles andere ist 100% live von der Band. Egal, was die Leute mit KI anfangen, DANCE GAVIN DANCE werden immer echt bleiben. Das ist einfach das, was uns als Künstler ausmacht.
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