DON BROCO

Foto© by Tom Pullen

Hardcore feat. Dad Rock

Nach fünf langen Jahren melden sich DON BROCO endlich mit ihrem neuen Album „Nightmare Tripping“ zurück. Darauf gibt es einiges zu entdecken, zum Beispiel ein Feature der Rock-Giganten NICKELBACK im Titeltrack. Wie es zu der Zusammenarbeit gekommen ist und wieso das neue Album so lange hat auf sich warten lassen, erklärt Sänger Rob im Interview.

Bald erscheint euer neues Album, das zum Zeitpunkt dieses Gesprächs noch nicht einmal angekündigt ist. Ich fand das eine ziemlich interessante Veröffentlichungsstrategie, weil es in gewisser Weise wie ein offenes Geheimnis ist – schließlich habt ihr seit letztem Jahr kontinuierlich Singles veröffentlicht. Also vermuten die Fans natürlich, dass etwas kommt, aber es ist noch nichts offiziell. Und sie kennen noch keine Details.

Es ist eine ziemlich verrückte, eher sporadische Art, Musik zu veröffentlichen – nicht so, wie wir es eigentlich geplant hatten, sondern eher so, wie es sich einfach ergeben hat. Und das spiegelt im Grunde auch unser Leben in den letzten Jahren wider: einfach mit dem Flow gehen, Dinge passieren lassen und es irgendwie möglich machen. Das ist ein sehr großer Unterschied zu unserem letzten Release, den man wohl als „Lockdown-Album“ bezeichnen könnte. Damals fühlte es sich an, als hätten wir unendlich viel Zeit. Alles war akribisch geplant, das Album war fertig, wir haben es angekündigt – und dann kam die echte Welt zurück. Und die besten Pläne fliegen plötzlich aus dem Fenster, sobald das Leben wieder losgeht. Im Idealfall hätten wir das Album gern früher rausgebracht, das kann ich ehrlich sagen, denn es ist schon eine ganze Weile fertig. Aber die letzten, nervigen, praktischen Schritte haben es am Ende doch zu einer Veröffentlichung in diesem Jahr gemacht. Trotzdem konnten wir weiter Songs veröffentlichen. Und irgendwie gibt es heutzutage sowieso nicht mehr den einen „richtigen“ Weg, Musik zu releasen. Es ist sogar ganz schön, dass jeder Song seinen eigenen kleinen Moment bekommt. Wir leben in einer Welt, in der Menschen Dinge in sehr kleinen Häppchen konsumieren. So wichtig Alben für uns sind – wir könnten uns gar nicht vorstellen, keins zu machen – ist die Aufmerksamkeitsspanne der Leute, und auch meine eigene, oft sehr kurz. Selbst bei Projekten, auf die man sich lange gefreut hat, ist es heutzutage schwer, sie überhaupt wahrzunehmen, bei all dem Lärm. Durch die einzelnen Songs konnten wir die Leute langsam „vorbereiten“: Hier ist ein neuer Track – nur ein Song, kein ganzes Album, das dein Leben durcheinanderwirbelt. So war es irgendwie schön und hat die Fans auf das kommende Album und den Soundwechsel eingestimmt. Es hatte also hoffentlich auch seine positiven Seiten, auch wenn es schade ist, dass wir das Album nicht früher präsentieren konnten.

Ich finde spannend, dass ihr euch entschieden habt, diese Härte zu umarmen – mehr Screams, rauhere Sounds. Bei vielen anderen Heavy-Bands haben wir gesehen, dass sie mit der Zeit in poppigere, softere Klänge abtauchen. Bei euch scheint es das Gegenteil zu sein.
Ja, das hören wir öfter. Vielleicht liegt es daran, dass wir live schon immer härter geklungen haben als auf Platte. Wir lieben große Riffs und Energie. Aber es ist eine Gratwanderung: Man darf nicht das verlieren, was einen ausmacht, und trotzdem muss es frisch klingen. Musik soll bewegen. Wenn Härte und große Melodien aufeinandertreffen, ist das für mich perfekt. Wir haben immer versucht, das auch in unseren Aufnahmen einzufangen, aber viele Leute sagen, wir klingen live viel härter als auf Platte. Das hören wir schon, seit es die Band gibt. Aber ich denke, seinen Sound einfach zu „verweichlichen“ – außer es kommt wirklich ehrlich von innen – ist eine sehr heikle Sache. Das kann leicht falsch verstanden werden, das gilt aber natürlich nicht für alle Bands. Aber ich finde, dass es bei vielen härteren Bands, die so einen Weg einschlagen, manchmal schwierig ist, dass es noch echt wirkt. Solange man mit der eigenen Musik experimentiert und es sich ehrlich anfühlt, kann man das niemandem vorwerfen. Wenn eine Band diesen Weg gehen will, ist das völlig legitim. Aber man darf dabei nicht das verlieren, was einen ausmacht. Es ist eine Gratwanderung, seine Identität behalten und trotzdem neu und spannend klingen.

Es gibt einen großen Kontrast an gefeatureten Künstlern auf eurem Album. NICKELBACK sind ebenfalls auf eurem Album vertreten. Das war für mich eine ziemliche Überraschung, weil ihr Sound oft als „Dad Rock“ bezeichnet wird und eher entspannt und „laid-back“ ist. Wie ist diese Kombination entstanden?
Wir hatten gerade unsere Nordamerika-Tour beendet und waren vielleicht seit einer Woche wieder zu Hause. Es war ein total langweiliger Tag – Wäsche waschen, einfach runterkommen nach der Tour. Und dann bekamen wir diese unglaubliche E-Mail von den NICKELBACK-Jungs. Ihr Gitarrist Ryan hatte uns in Vancouver gesehen. Sein Bruder ist Fan und hatte ihn mitgenommen. Ryan liebte die Show, hat sich danach unsere gesamte Musik angehört und sie dem Rest der Band geschickt. Es war einfach eine unglaublich nette Nachricht, in der sie schrieben, dass sie uns gerade erst entdeckt hätten, aber große Fans seien. Ehrlich gesagt war es eine der schönsten Nachrichten, die ich je gelesen habe. Wir haben uns sofort gegenseitig angerufen und konnten es kaum glauben. Ich höre NICKELBACK schon seit ich ein Kind war. Ich habe sie damals über eine kostenlose CD von Roadrunner Records entdeckt, die sie bei Konzerten verteilt haben. Kurz danach wurden sie zu echten Rock-Giganten, die jeder kennt, auch Leute außerhalb der Metal-Szene. Wir lieben auch ihre heavy Songs. Sie sind großartige Songwriter, und manche ihrer Riffs und Produktionen gehören für mich zu den härtesten überhaupt. Es ist unglaublich, wie sie diese beiden Welten verbinden. Deshalb haben wir sie gefragt, ob sie bei diesem Track dabei sein wollen. Wir hofften, dass sie ihre härtere Seite zeigen möchten, die sie zuletzt vielleicht nicht so sehr ausgelebt haben. Also haben wir ihnen den Song geschickt, und sie haben sofort zugesagt. Sie waren unglaublich unkompliziert, haben ihre Parts in Kanada aufgenommen, wir haben online gesprochen, und innerhalb weniger Tage war alles fertig. Der Song war ohnehin schon abgedreht, aber mit ihnen ist er jetzt noch intensiver. Es ist es einer meiner Lieblingssongs auf dem Album. Dass sie darin zu hören sind, ist wie das Sahnehäubchen.

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