DOODSESKADER

Foto

Nach zwei kommt nicht drei

Statt wie geplant ihr drittes Album „Year Three“ nach den Vorgängern „Year One“ und „Year Two“ zu veröffentlichen, hat das belgische Duo kurzerhand die bereits aufgenommen Songs wieder verworfen und von vorne angefangen. Wie es dazu kam, besprechen wir mit Tim.

Ich habe mir eure Dokumentation zu „Now I Know You See Me“ angesehen: Habt ihr euch schon früh in der Produktion dazu entschlossen, so etwas zu machen?

Wir haben uns dazu entschieden, nachdem wir beschlossen haben, das fertige Album zu verwerfen und alles noch mal neu zu machen. Es war ein seltsames Gefühl, einerseits etwas zu begraben, an dem wir mehr als ein Jahr lang hart gearbeitet hatten und andererseits die Aufregung zu spüren, wieder gemeinsam Songs zu schreiben. Es fühlte sich gleichermaßen wagemutig und bescheuert an, also schien es uns das Beste zu sein, das Ganze zu dokumentieren. Selbst wenn wir das Filmmaterial nur für uns selbst nutzen, um die Reise noch einmal Revue passieren zu lassen.

Du erklärst den Unterschied zwischen dem neuen Album und „Year One“ und „Year Two“ in der Dokumentation. Der besteht vor allem darin, dass ihr euch entschieden habt, ohne vorab geschriebene Parts aufzunehmen. Und ich erinnere mich an eine Stelle, an der ihr euch die Drums vor der Aufnahme nicht anhören wolltet. Das ist ja schon ungewöhnlich für einen Produzenten – hatte das auch Nachteile?
Überhaupt nicht, es hat nur zu mehr Kreativität geführt. Ich denke, es gibt viele Möglichkeiten, Musik zu betrachten. Es gibt „Songs spielen“, „Songs schreiben“ etc. Wenn man Musik jedoch rein als eine Form der Kommunikation betrachtet, kann man versuchen, Klangqualitäten, Rhythmen und Worte zu verwenden, um entweder sich selbst oder seinen emotionalen Zustand widerzuspiegeln. Nichts zu planen oder dem anderen voll und ganz zu vertrauen, was er machen wird, ist in etwa so, als würde man jemandem erlauben, frei und ohne Vorurteile zu sprechen. So können sowohl der Musiker als auch die Musik frei sein. Und dieser Vorteil überwiegt alle möglichen Nachteile.

Du erwähnst ja auch, dass du „Year Three“ aufgenommen hast, aber beschlossen hast, es vorerst auf Eis zu legen – wie denkst du jetzt über das Album, nachdem du andere Erfahrungen bei der Aufnahme des neuen gemacht hast?
Ich bin immer noch sehr froh, dass wir diese Platte zumindest fertiggestellt haben. Wir beide haben wirklich viel daraus gelernt, was wir mögen und was wir nicht mögen, aber vor allem haben wir mehr darüber gelernt, wie wir diese Sache nutzen können, um wirklich voranzukommen, sowohl als Menschen als auch als Musiker. „Year Three“ hat mich wirklich in meiner traurigsten Zeit gezeigt. Ich konnte nicht mehr viel ertragen, und das Album fühlte sich an wie ein Foto aus einer der schlimmsten Phasen meines Lebens. Wenn man es bis den letzten Song gehört hat, hatte man das Gefühl, es sei an der Zeit, ein paar Meter Seil zu kaufen und einfach Schluss zu machen. Auch wenn es so ehrlich wie nur möglich war, wollte ich nicht, dass mich das definiert, und ich hatte wirklich das Gefühl, dass ich einen Blick nach vorne brauchte, eine Veränderung, zum millionsten Mal. Aber dieses Mal hätte eine kleine Veränderung nicht ausgereicht. Ich glaube, auf eine schreckliche Weise haben sich die Sterne ausgerichtet, und auch Sigfried war an einem Punkt angelangt, an dem er wirklich nach einem Weg suchte, mehr Frieden mit sich selbst zu finden, und auch er brauchte dringend eine Veränderung. Es ist nur ein kleiner Trost, aber das Schlechte hat uns zu etwas Besserem geführt; jetzt haben wir zwei Alben, die wir beide mögen, und Erfahrungen, auf die wir zurückblicken und die wir schätzen können. Das Beste daran ist, dass wir sowohl musikalisch als auch menschlich auf einem viel besseren Weg sind als noch vor ein oder zweiJahren.

Wird auch „Year Three“ irgendwann erscheinen?
Auf keinen Fall. Wir haben keinen Grund, die Vergangenheit wieder aufzuwärmen oder etwas nur um des Veröffentlichens willen herauszubringen. Wenn wir eine Entscheidung treffen, stehen wir dazu. Wir haben noch so viele Songs in uns, dass ein Leben nicht ausreichen würde, um sie alle zu schreiben, deshalb nehmen wir ihre Veröffentlichung sehr ernst. Es ist bereits neues Material in Arbeit, also haben wir keine Zeit zurückzublicken.

Was hat sich deiner Meinung nach während der Aufnahmen zum neuen Album verändert, das deine Sichtweise auf zukünftige Alben verändern wird?
Eine ganze Menge, haha! Ich glaube, das hat uns noch selbstbewusster und ehrgeiziger in unserer Art zu komponieren gemacht. Außerdem haben wir technisch viel Neues ausprobiert, was uns eine Menge Türen geöffnet hat, und ich bin sehr gespannt, wohin uns das führen wird. Abgesehen von den offensichtlichen Dingen, wie den Live-Synthesizern und dem Mellotron, finde ich es besonders spannend, dass Sigfried seine Fähigkeiten unglaublich verbessert hat, indem er die Grenzen der Verschmelzung von Schlagzeug und elektronischen Percussion/Sample-Pads erweitert hat. In Kombination mit der Fähigkeit, beides parallel zu bedienen und zu steuern, ist das für die Live-Show und den Schreibprozess unglaublich wichtig ... Und mal ehrlich, wer ist nicht begeistert, wenn jemand eine absolut brutale Drum-Section hinlegt und dann nahtlos zu einem knallharten Beat übergeht? Alles live. Das ist das, wofür ich lebe.

Anzeige