DRAMATIST

Foto© by Todde Finner

Was geht in ... Bremen?

Die Band aus der Hansestadt veröffentlichte im Januar 2026 ihr Debütalbum „Wasting Words“ und ist als solche zwar neu, doch Marco Van Gete, Oskar Brozek, Moritz Vandreier, Roman Pelz und Johann Dallmeyer sind musikalisch alles andere als unbeschriebene Blätter. Marco erklärt, was in Bremen so geht.

Wie habt ihr euch gefunden, welche (musikalischen) Ideen teilt ihr?

DRAMATIST sind eigentlich aus zwei Bands entstanden. Irgendwann Ende 2024 gab es einen Urknall und dann war die Band da.

Wie hat es euch nach Bremen verschlagen? Dort aufgewachsen oder zugewandert und hängengeblieben?
Ich würde sagen, es leben alle zumindest schon so lange in Bremen, dass sie sich selbst als Bremer bezeichnen würden.

Habt ihr einen konkreten Bezug zu Bremen? Etwa was Namensgebung, Songs, Plattentitel, Artwork betrifft?
Das Artwork ist beispielsweise von Wayne Horse Willehead Eilers, ein Künstler, der aus Bremens Graffiti-Szene stammt, jedoch mittlerweile mit seinen gesellschaftskritischen Malereien aus Amsterdams Kunstszene nicht mehr wegzudenken ist. Wir haben schon viel Bezug zu Bremen. Die Stadt war insbesondere in den letzten Monaten auch nicht schlecht zu uns. Die Veranstalter der Breminale haben uns für unseren ersten Auftritt samstagabends um Mitternacht auf die vermeintliche Hauptbühne gestellt, das Überseefestival ebenso. Und wenn wir abends einen trinken gehen, sitzen wir meist auch nicht lange alleine rum. Wir sind schon Kinder dieser Stadt.

Gibt es für eure Musik eine Szene und gleichgesinnte Bands oder seid ihr eher Einzelkämpfer:innen?
Eine gewisse Grundhaltung zu Gesellschaft, Politik, Empfindung von musikalischer Gewalt und Schönheit eint uns und unser Publikum sowie Konzertveranstalter schon. Ob das ausreicht, um von einer gemeinsamen Szenenzugehörigkeit zu sprechen, weiß ich nicht. Aber um ehrlich zu sein, treffe ich da draußen selten so viele gescheite Menschen auf einem Haufen wie bei unseren Konzerten.

Bezieht ihr euch auf eine bestimmte musikalische Tradition der Stadt, gibt es da „historische“ Connections?
Bremer Musiktradition? Da fallen mir Bands wie PARTY DIKTATOR, CHUNG, SAPRIZE, MANTAR und MÖRSER ein. Zu all diesen Bands beziehungsweise Akteuren haben wir schon Connections. Vielleicht eint uns alle eine gewisse Kompromisslosigkeit. Ich liebe TERRA FLOP, die Band von Matthias von PARTY DIKTATOR und Ali von SAPRIZE. Matthias spielt auch noch in einem Projekt namens SNOB CLUB zusammen mit Gregor Hennig, mit dem wir das Schlagzeug aufgenommen haben. Live ist das spektakulär, was die da abfeuern.

Welche DIY-Strukturen wie etwa Konzertgruppen gibt es, wo bringt ihr euch ein?
Oskar und ich sind die Netzwerker in der Band. Oskar ist umtriebig, er hilft ja noch bei Raum27 aus und hat eine Zeit lang in der Capri Bar Punkrock-Konzerte veranstaltet. Als SHE DANCED SLOWLY spielt er solo. Ich bin beispielsweise bei „The 90s Screamo/HC/Emo/Indie-Rock Friends“, einer Facebook-Gruppe, in der sehr musikinteressierte Menschen sind, die teilweise Konzerte veranstalten oder eben auch selbst in Bands spielen. Was früher ein Mixtape auf Kassette war, machen die zum Beispiel so: heartcircle.bandcamp.com. So ist auch das Konzert in Tangermünde zustande gekommen. Weißt du, in Wacken spielen ist das eine, aber diese Shows, nach denen du anschließend mit einem Getränk vor dem Laden sitzt und mit fremden Menschen zusammen in den Mond guckst, das sind die guten Abende.

Nehmt uns mal mit in die Live-Musikszene von Bremen. Wo geht was, welche Clubs, AZs gibt es, was zeichnet die aus ... und wo da habt ihr schon überall gespielt?
Ach, wir treiben uns überall rum. Natürlich ist da das Eisen, in dem viele Kneipenkonzerte stattfinden. Aber auch der Tower, Lagerhaus, Lila Eule, BDP Haus, Zollkantine und Karo sind gute Venues, in denen wir alle schon mal gespielt haben, wenn auch nicht zusammen als DRAMATIST. Was uns allen fehlt: die Kesselhalle im Schlachthof. 900er-Halle.

Was schätzt ihr an der Musikszene dieser Stadt?
Die geringe Arschlochdichte.

Wie sieht es mit Infrastruktur aus? Gibt es zum Beispiel bezahlbare, akzeptable Proberäume?
Wir haben einen, aber wir bekommen immer wieder mit, dass es auch in Bremen sehr schwierig ist. Wir proben in einem Weinhandel, die haben sich gesagt, wenn hier abends und am Wochenende Bands proben, haben sie ein geringeres Einbruchrisiko, weil hier immer Betrieb ist. Wir wünschen uns mehr so schlaue Unternehmen in Bremen.

Wo kauft man bei euch seine Platten? Welche Läden könnt ihr empfehlen?
Black Plastic ist der Plattenladen in Bremen. Wenn es nischiger sein soll, geht man in den Golden Shop, der insbesondere auch Buchleuten zu empfehlen ist.

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