FIALKY

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Zieh dich immer wie ein Punk an!

Dass wir THE FIALKY bisher noch nicht im Heft hatten, kann nur ein ganz dummer Zufall gewesen sein. Immerhin sind die Herren Kečup (voc, gt), Ota (Bass), Tom (dr) und Green (voc, gt) seit zig Jahren Tschechiens fleißigste Punk-Botschafter und wissen, wie catchy 77er-Punk mit Street Credibility klingen muss, wie ihr neuestes Album „Vykřičníky !!!!“ beweist. Sie spielen bissigen und euphorischen Punkrock erster Güte, Mitgrölfaktor 11 auf einer Skala bis 10. Wer die Prager also bis heute noch nicht auf dem Schirm hatte, sollte sich spätestens jetzt berufen fühlen, die Ohren gen Osten zu richten.

In eurer Heimat seid ihr eine Institution, hierzulande kennt euch fast niemand. Eine Vorstellungsrunde, bitte!
Kečup:
Wir haben die Band gegründet, als wir 17 waren, so um 2000 rum. Seitdem spielen wir in fast derselben Besetzung – drei der vier Ur-Mitglieder sind immer noch am Start: Ota, Tom und ich. 2008 stieß Green zu uns. Wir kennen uns alle schon seit der Grundschule. Am Anfang haben wir in Kneipen und besetzten Häusern in Prag gespielt. Nach einigen DIY-Demos haben wir 2006 die „United“-EP aufgenommen, die unseren Sound auf den Punkt brachte: 77er-Punk. Zu Beginn hatte die Band eher einen Bier-Punk-Vibe, aber seit unserem ersten offiziellen Album im Jahr 2007 konzentrieren sich unsere Texte mehr auf Themen wie die Punk-Szene, Freundschaft, die Straße und eben den „United“-Gedanken. Wichtig ist uns eine gewisse Portion Humor. Wir haben bisher sechs Alben und vier 7“-Singles auf PHR Records veröffentlicht. Und immer auf Vinyl, dem klassischen Punk-Format. Wir haben schon mehr als tausend Konzerte gespielt – hauptsächlich in Tschechien, aber auch in der Slowakei und in Polen, und auch bei euch, zum Beispiel in Dresden, Zittau, Finsterwalde und auf dem Back To Future-Festival.

Wie lebendig ist die tschechische Punk-Szene?
In Tschechien haben wir eine tolle Szene! Viele Leute kommen zu Punkrock-Shows, die meisten kennen wir schon seit Jahren. Fast jede größere Stadt hat coole Clubs, wo wir uns treffen und abhängen können. Die Message des Titelsongs „Vykřičníky“ unseres neuen Albums ist, dass jede Generation das Recht auf ihren eigenen Rock’n’Roll hat, was auch immer das sein mag. Auf jeden Fall waren wir angenehm überrascht zu sehen, dass haufenweise neue Punkbands der Generation Z hier auftauchen. Deshalb haben wir dieses Jahr das Projekt „The Fialky Support Punk Young Blood “ gestartet, um diese coolen Kids zu unterstützen. Das macht einen Riesenspaß! Bei diesen Konzerten spielen wir zusammen mit jungen, aufstrebenden Bands. Es ist großartig, sie zu treffen, ein paar Bierchen zusammen zu trinken und ein Spiegelbild von uns selbst in diesen frühen Tagen zu sehen. Den Kids gibt das einen Kickstart, und uns einen Arschtritt, haha.

Apropos Kids. Neben der Band hast du noch eine Familie. Wie gelingt der Spagat zwischen Punkrock und Elternkram?
Wir haben alle Frauen und Kinder und wirklich Glück, dass unsere Familien uns in allem, was mit der Band und Punkrock zu tun hat, unterstützen. Meine Frau kommt immer gerne zu unseren Konzerten in Prag. Unser sechsjähriger Sohn war bereits auf seinem ersten FIALKY-Konzert und es sieht so aus, als ob er wiederkommen möchte.

„Punk rock saved my life“ heißt ein Song vom aktuellen Album. Ist der autobiografisch?
Der Songtitel ist für mich zu 100% autobiografisch. Aber im Lied selbst geht es nicht wirklich darum. Im Refrain singen wir „Punk rock saved my life, ’cause after death I’ll be looking fine“. In dem Text geht es darum, dass man die Klamotten, die man anhat, wenn man stirbt, im Jenseits für immer tragen muss. Also: Zieh dich immer wie ein Punk an!

Ihr kommt aus einer der schönsten Städte der Welt. Prag ist aus touristischer Sicht eine einzige Postkarte. Welche Orte abseits des Touri-Wahnsinns sollte man kennen, wo spielt sich euer Prag ab? Subkultur, was geht da?
Prag ist wunderschön und ich bin froh, dass ich hier geboren wurde und mein ganzes Leben hier verbracht habe. Was Punk angeht, ist es heutzutage leider etwas schwächer geworden. Es gibt kaum noch Orte, die rein punkig sind. Der wahrscheinlich punkigste Club ist heute das 007 in Strahov, wo noch regelmäßig Punk- und Oi!/Skinhead-Shows stattfinden. Dann gibt es noch den Club Eternia und den Cross Club in Holesovice, der vor allem durch sein Aussehen einzigartig ist. Es handelt sich um ein ganzes Wohnhaus, das in einer Art postapokalyptischem Stil mit zig geschweißten Rohren umgestaltet wurde. Die Leute hängen auch in Lokalen wie der Bohuzel Bar, dem Pivnice Újezd und dem U Buldoka ab oder essen einen Happen im Hell Smoke. Es gibt auch ein paar solide Rockclubs, in denen von Zeit zu Zeit Punk-Veranstaltungen stattfinden, wie das Rock Café und das Vagon auf der Národní trída oder das Futurum in Smíchov. Wir haben hier noch drei rein subkulturelle Läden: Punk Store, Vinyl City Rockers und Bulldog Empire. Die letzten beiden befinden sich in der Nähe der Krymská-Straße, was insgesamt eine coole Ecke ist. Es gibt ohne Ende coole Kneipen in Zizkov.

Du erwähntest es bereits, Punk und Vinyl sind einfach das beste Team. Trotzdem wird auch in der Subkultur zunehmend gestreamt, das klassische Plattenkaufen hat nicht mehr den Stellenwert wie früher. Spürt ihr das als Band? Tickt Tschechien in puncto Vinyl vielleicht ganz anders? Immerhin befindet sich das weltweit größte Presswerk bei euch ...
Ja, Schallplatten aus aller Welt werden tatsächlich hier in Lodenice gepresst, etwas außerhalb von Prag. Ich war selbst schon dort und es ist toll zu sehen, dass da noch die Originalmaschinen verwendet werden. Beim Kauf von Vinyl geht es heute wahrscheinlich nicht mehr so sehr ums Hören, sondern eher darum, eine Sammlung seiner Lieblingsplatten zu Hause zu haben. Wenn ich unterwegs bin, höre ich natürlich auch Musik via Streaming. Das Beste daran ist für mich, dass es das Albumformat zurückgebracht hat. Vor Spotify und Co. haben sich die Leute hauptsächlich Singles auf YouTube angehört, einen Song nach dem anderen, keine ganzen Alben. Überall haben Bands, auch wir, eine Zeit lang so gearbeitet, haben Singles statt Alben veröffentlicht. CDs sind im Grunde genommen tot, aber ich muss sagen, dass wir vor kurzem in Polen gespielt haben, und dort verkaufen sich die immer noch gut. Obwohl ich glaube, dass die Fans sie kaufen, um die Bands zu unterstützen, nicht weil sie sie tatsächlich brauchen, um Musik zu hören.

Was treibt euch an, wie wirkt sich die aktuelle Weltlage auf die Band aus, gibt es Diskussionen, wie viel Politik Punk verträgt?
Als Band sind wie eher „unpolitisch“, individuell sieht es anders aus. Wir machen uns viele Gedanken und reden viel über die Welt um uns herum. Aber das spiegelt sich nicht in unseren Texten wider. Die ernsteren Songs auf dem neuen Album befassen sich eher mit sozialen Themen wie Schuld und Strafe oder Drogenabhängigkeit ... Sozialkritik ist essenziell im Punkrock und wir sind froh, dass die Szene so vielfältig ist. Wir spielen immer gerne mit politischen Bands, aber unser Beitrag liegt woanders. Die Leute kommen zu unseren Konzerten, um eine Pause von all dem Lärm um sie herum zu machen.

Ihr habt zwar schon ein paar Jahre auf dem Buckel, aber euer Sound klingt frischer denn je. Wie experimentierfreudig seid ihr, wo soll die Reise noch hingehen?
Mit jedem Album versuchen wir, etwas anderes zu machen, obwohl unsere Hauptinspiration immer die klassischen 77er-Punkbands bleiben werden. Diesmal haben wir dem Ska etwas Raum gegeben, auch weil wir die Chance hatten, in Prag mit THE INTERRUPTERS zu spielen, und wir die klassischen RANCID-Platten lieben. Was neue Songs angeht, so werden wir uns weiterhin irgendwo zwischen 77er-Punk, melodischem Oi! und Rock bewegen, mit einer Prise Ska on top. Also ja, im Endeffekt immer das Gleiche, haha.

Punk’s not dead?
Es ist eine großartige Möglichkeit für absolut jeden, sich auszudrücken. Das Wichtigste für uns ist, dass das, worüber wir singen, sich echt anfühlt. Und wenn unsere Freunde und Fans sich damit identifizieren können, ist es das Größte! Ich bin froh, dass es bei Punk nicht nur um Nostalgie geht – ich sehe immer noch neue Gesichter bei den Shows. Aber für mich ist das Wichtigste, dass Punk die Menschen zusammenbringt. Dank Punk habe ich viele tolle Leute kennen gelernt, die ich immer noch oft sehe, und immer mit Freude. Also ja, Punk ist noch am Leben!

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