FUTURE PALACE

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Natur und Wiedergeburt

„Resurgence“ ist das vierte Album der Berliner Band. Im Interview sprechen Maria Lessing, Manuel Kohlert und Johannes Früchtenicht über Seewesen, den Unterschied zum Vorgänger und was Live-Performances für sie wichtig macht.

War die Meeresthematik für „Resurgence“, die ihr in den Musikvideos zu „Deep blue“ und „Resurge“ aufgreift, geplant oder hat sich das so ergeben?

Maria: Das Überthema war eher Wiedergeburt und wo sich die in der Natur wiederfindet. Ich hatte ursprünglich auch das Thema Götter und Mythologie, das hat sich immer weiter „verwässert“. Jetzt haben wir Natur. Das Wasser ist präsent, weil auf dem Cover eine Muschel ist. Die Idee war, dass man seine alte Hülle hinter sich lässt und eine neue Version von sich zum Vorschein kommt.

In den Videos arbeitet ihr mit dem Bild der Meerjungfrau, was auch in „Nixy“ aufgegriffen wird. Welche Bedeutung hat das?
Maria: „Nixy“ ist ein eigenes Seewesen aus der nordischen Mythologie, das Leute mit seinem Gesang anzieht und dann umbringt. Bei „Deep blue“ ist es das Bild der Sirene, die Leute umbringt. Das kam mit dem ganzen Mythologie-Thema, ich hatte da Bilder im Kopf und bei „Deep blue“ gehört es zur Geschichte, dass ein Mensch sich in eine Sirene verwandelt.
Manuel: Da muss ich als Historiker einsteigen. Es ist von Disney überzeichnet, Meerjungfrauen als was Positives darzustellen. In der Geschichte der Seefahrt sind Seewesen was Gefährliches. Sie sehen gut aus, sie klingen gut, aber letztendlich wollen sie einen töten.

Neben dem etablierten FUTURE PALACE-Sound habt ihr auf dem Album Nu-Metal-Elemente. Wie kam es dazu?
Manuel: Du spielst auf „Resurge“ an. Maria hatte als Inspiration DEFTONES, die nicht unbedingt Nu Metal machen, aber aus der Ära kommen. Ich habe versucht, dieses Riffing aufzunehmen, aber was konkret draus wird ... Der Punkt bei „Resurge“ ist, da gibt es ein Scratch-Sample und ein DJ-Sample und das macht es nu-metaliger, als es sonst eigentlich wäre.

Gibt es weitere Stile, bei denen ihr überlegt habt, ob man die unterbringen könnte?
Johannes: Wir wollten mal TOKIO HOTEL covern!
Maria: Ich wollte ja DEFTONES. Dadurch entstand das Early-2000s-Ding. Das ist bei uns generell eine Vorliebe, für mich ist das die beste Ära von Rockmusik. Es passt zu uns und dadurch ist eine Mischung entstanden aus Early 2000, unseren Sachen, aber auch Elementen, die neu sind. Ich hätte Bock auf was Melancholischeres, das haben wir ein bisschen angeteaset, aber wir sind da sehr offen. Wenn wir Bock auf was haben, probieren wir das aus.

Habt ihr auf dem Album Lieblingssongs?
Maria: „Tidal waves“, unsere erste richtige Ballade. Das ist untypisch für uns und ich bin gespannt, wie der ankommen wird, aber eigentlich will ich die Kommentare nicht sehen, weil es auch egal ist. Das ist ein Song, wo es mir inhaltlich wichtig war, ihn zu schreiben. Es geht darum, was Liebe für mich bedeutet, und ist an meine kleine Schwester gerichtet, für mich der wichtigste Mensch. Wir haben viele negative Sachen zusammen erlebt. Es ist der sensibelste Song, den ich je geschrieben hab. Ich habe auch Angst, den live zu spielen. Davor eine Ansage zu machen ohne zu heulen ist schwierig. Auch „Ebb and flow“ find ich cool, weil es was anderes war, dass ich die Gitarrenakkorde vorgeschrieben und das Manu dann geschickt habe. Ich war ein bisschen besorgt, ob das klappt.
Johannes: Wir haben auf dem Nova Rock zum ersten Mal die neuen Songs gespielt und das war echt schön. Für mich war das ein Riesenunterschied zur „Distortion“-Ära, die habe ich ganz anders gefühlt. Ich fand „Resurge“ unfassbar live. Ich freue ich mich richtig darauf, die ganzen Sachen live zu spielen.
Manuel: Bei mir ist es schwer. Der Faktor live spielt eine große Rolle, weil man dann merkt, was hat man für eine Connection zu dem Song? Nicht nur für sich, sondern auch: Wie gibt man das nach außen? Wenn ich danach gehe, finde ich „Deep blue“ am besten, weil der über die ganze Länge die Energie hält. Das ist was, was für mich im Schreibprozess wichtiger war als bei „Distortion“.
Das war experimentell, es waren ein paar neue Sachen, aber die Songs halten nicht die Energie, wie ich es mir gewünscht hätte. Ich freue mich auf die Tour, weil wir dann noch mehr Songs live spielen, danach kann ich eher sagen, was ich am besten finde.

Gibt es Songs, bei denen ihr euch besonders darauf freut, sie live zu performen?
Maria: Ich habe ein bisschen Angst, „Tidal waves“ in Wacken zu spielen, weil das ein krasser Clash der Welten ist. „Resurge“ haben wir erst einmal gespielt, das ist so ein krasser Song, das wird einer meiner Favourites. „Nightfall“ wird auch krass, der ist anders als das, was wir sonst gemacht haben. Das ist ein eher depressiver Song, geil, wenn wir das durchziehen.
Johannes: Es wird sicher spannend, die Nicht-Singles zu spielen. Da merkt man, ob ein Album funktioniert, denn die Leute kennen eher die Singles. Da ist die Energie ne andere.
Manuel: Ich glaube, dass jeder Song ein Experiment ist. Man weiß nie, wie er ankommt. Wie man ihn fühlt, hängt von vielem ab. Wo ist er im Set, wie sind die Leute? Wenn wir Vorband sind, muss man gucken: Was ist das für ein Publikum? Ändert man da die Setlist? Oder ist das egal und man spielt softe Songs vor Publikum, die das sonst nicht hören?

Ihr tourt mit AS EVERYTHING UNFOLDS, LUNA KILLS und DEFENCES. Wie kam es dazu?
Johannes: Wir freuen uns auf AS EVERYTHING UNFOLDS! Wir sind inzwischen richtig gute Freunde. Das Feature mit Charlie haben wir gemacht, bevor wir sie getroffen haben. Wenn wir uns sehen, spielt Charlie den Song mit und wir hängen zusammen rum. Die sind echt töfte.
Maria: LUNA KILLS folge ich recht lang. Die Sängerin ist mir gefolgt und ich fand ihren Feed cool, weil sie coole Grafiksachen macht. DEFENCES haben wir oft auf Fähren getroffen! Die sind super sympathisch. Uns war ein
female-fronted Line-up wichtig. Und ein Package, das cool und powerful ist.
Johannes: Bevor wir die Namen angekündigt haben, haben wir die Fans gefragt, wen sie wollen. AS EVERYTHING UNFOLDS wurden oft genannt. Die Frage ist: Hilft uns das? Verkaufen wir damit mehr Tickets? Weil es ja irgendwie die gleichen Fans sind. Aber die Leute feiern es.

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