
Erst vor wenigen Monaten hat Jon Snodgrass sein letztes Solo-Album rausgebracht, nun steht bereits die Veröffentlichung seines neuen Werks an. Für „Stoked Ghost“ hat sich der Musiker aus Fort Collins, Colorado wieder einige namhafte Mitstreiter gesucht und präsentiert eine feine Zusammenstellung aus zauberhaften Coverversionen und Jingles, die vor allem während der Pandemiezeit entstanden sind und wieder eine gelungene Mischung aus Tiefsinn und Humor bieten. Mitten auf dem Highway unterwegs zum legendären The Fest in Gainesville steht uns Jon im Interview zur Verfügung und hat wieder viel Interessantes zu berichten.
Jon, wo erwische ich dich gerade?
Ich bin momentan in Orlando, Florida. Wir haben gerade beim Pre-Pre-Fest in Will’s Pub gespielt, zusammen mit FURTHER SEEMS FOREVER, THE DOPAMINES und Mikey Erg. Eine echt coole Show war das. Falls du mal in Orlando sein solltest, dann besuche unbedingt mal diese Kneipe. Oder auch das Lil Indie’s, dort bekommst du die besten Cocktails der ganzen Stadt!
Pünktlich zu Halloween erscheint dein neues Album „Stoked Ghost“, dessen Coverartwork passenderweise von einem skateboardfahrenden Gespenst geziert wird. Glaubt ihr etwa an Geister und was zum Teufel ist ein „stoked ghost“?
Der „stoked ghost“ ist dieses Gespenster-Emoji mit der heraushängenden Zunge. Ich habe mir angewöhnt, es immer dann an Freunde zu schicken, wenn ich denke, dass es sich um etwas handelt, das meinen leider viel zu früh verstorbenen Freund Tony Sly von NO USE FOR A NAME zum Lachen gebracht hätte. Es ist einfach mein Ritual, um ihn posthum weiterhin in mein Leben und meine Kunst mit einzubeziehen. Quasi mein Bewältigungsmechanismus. Sein Tod ist mittlerweile schon über zwölf Jahre her, doch es macht mich immer noch wütend und tieftraurig zugleich, ihn nicht mehr bei mir zu haben. Das Cover hat mein Kumpel Francisco entworfen. Ich war sofort begeistert davon. Als im Herbst dieses Jahres auch noch Otis Davis starb, der berühmte farbige Sprinter, der bei Olympia 1960 in Rom zwei Goldmedaillen gewann und dessen Lebensgeschichte sinnbildlich für die Bewältigung von Rassismus in den USA steht, musste ich sofort wieder an den „stoked ghost“ auf dem Skateboard denken. Eigentlich erinnert er mich an alle meine Freunde, die viel zu früh gehen mussten. An Tony, an Brandon Carlisle von TEENAGE BOTTLEROCKET, Daniel „Bug Phace“ Snow von BILL THE WELDER und so weiter. Der Geist gibt mir einfach ein gutes Gefühl und ich halte sie in Ehren.
Oh, ich hätte nicht damit gerechnet, eine solch emotionale Hintergrundgeschichte zu hören. Genauso überraschend fand ich aber auch die Tatsache, dass ihr nur sechs Monate nach dem letzten Album „Barge At Will“ wieder mit einer neuen Platte an den Start geht.
Na, wir sind immer wieder für eine Überraschung gut! Weißt du, ich wollte schon lange eine Halloween-Platte mit Coverversionen von Buck Owens „(It’s a) Monster’s holiday“ und Warren Zevons „Bill Lee“ machen. Und andererseits bin ich passionierter Baseball-Fan. Wie es der Zufall so will, fallen Halloween und das Ende der Baseball-Saison immer zusammen. Zwei Ereignisse, die mich beschäftigen. Also warum nicht beides verbinden? Eigentlich wollte ich die Platte bereits im Herbst 2023 veröffentlichen, zu einer Zeit, während der ich sowohl an den Liedern von „Barge at Will“ als auch schon an denen von „Stoked Ghost“ herumbastelte. Der Song „DansAmp“ war übrigens der letzte Track aus dieser Aufnahmesession. Ich musste mich entscheiden und habe ihn letztendlich auf „Barge At Will“ gepackt. Die übrigen anderen Songs sind quasi eine End-Hits-Kollektion, die ich um eine Handvoll Jingles erweitert habe.
Ich habe gelesen, dass einige davon bereits während der Pandemie entstanden sind.
Ja, das stimmt. Ich habe eine Menge Jingles während der Pandemie geschrieben. So etwa hundert müssten es am Ende gewesen sein. Für „Stoked Ghost“ habe ich die besten davon ausgewählt und auf die zweite Seite gepackt. Wir werden definitiv die meisten von ihnen in die Matrix streamen, und zwar eher früher als später. Ich muss sie aber erst einmal wieder alle finden.
Gibt es auch gruselige Geschichten zur Entstehung dieses Albums? Hat es im Studio gespukt?
Haha, nein, leider nicht. Ich war wieder im Blasting Room Studio von meinem Freund Bill Stevenson von den DESCENDENTS. Da fühle ich mich einfach wie zu Hause. Ich habe das Glück, dass es nur eine Straße von meinem Haus entfernt liegt. Ach Moment, wo du gerade nach Geistern fragst: Der Gastgesang von Lucy Giles in „Monster’s holiday“ wurde tatsächlich von einem Mitglied der Band GHOST aufgenommen. Das sollte eigentlich ein Geheimnis bleiben, aber jetzt glaube ich, dass es keins mehr ist.
Danke für deine Ehrlichkeit, das wissen wir beim Ox sehr zu schätzen! Gibt es trotzdem ein bestimmtes Thema, das sich inhaltlich durch „Stoked Ghost“ zieht?
Ja, und das kann ich wirklich in aller Kürze beantworten: Man lebt nur einmal, also sollte man es besser ruhig angehen lassen!
Du sprachst vorhin vom Pre-Pre-Fest in Gainesville, Florida. Auf dem neuen Album findet sich auch ein Song namens „FESTing 20’s“ – ein Event also, das dir ganz besonders am Herzen liegt?
Richtig. Und genau dort fahre ich im Moment auch hin. Im Song selbst geht es um – wie sollte es auch anders sein – die Planung von Halloween und gleichzeitig den Geburtstag unseres Erstgeborenen. Ein absolut bedeutungsschwangeres Datum, oder?
Die meisten Musiker behaupten ja, dass ihr neuestes Album ihr bisher bestes ist. Warum ist „Stoked Ghost“ also so gut geworden?
Oh je, damit hätte ich jetzt nicht gerechnet. Lass es mich einmal so versuchen: Es ist besser als die meisten, aber nicht das „beste“ Album. Es sind einfach ein paar lustige Songs, die wir gemacht haben und die nicht zu ernst genommen werden sollten. Aber es gibt natürlich auch eine Portion Ernsthaftigkeit und Tiefsinn, klar. „50/50 is 100%“ lautet übrigens der Arbeitstitel der neuen Platte, an der ich gerade schreibe. Und diese wird definitiv die beste, bis jetzt. Es geht um Balance und Durchhaltevermögen und darum, sich im Leben nicht zu stressen.
Die neue Platte firmiert unter JON SNODGRASS + BUDDIES. Wer waren diesmal die gespenstischen Gastmusiker?
Neben besagter Lucy Giles von DOG PARTY hat Bill Stevenson wieder Schlagzeug und Bass gespielt und die Platte abgemischt. Chris Cresswell und Brian Wahlstrom von meinem Nebenprojekt SCORPIOS halfen entscheidend bei Tonys Song. Chad Rex spielte bei dem Bob Dylan-Stück mit. Der Track stammt aus einer Sammlung von Coverversionen für Bobs achtzigsten Geburtstag. Stephen Egerton spielte dabei die Drums ein und die Gitarre bei den „WKRP“-Stücken. „WKRP in Cincinnati“ war eine alte amerikanische Sitcom über einen Radiosender. Ich singe die Melodie nach und ändere dabei die Buchstaben für verschiedene Sender. Das klingt ziemlich albern. Daneben hat Asher Simon die Steel-Gitarre eingespielt. Er war besorgt, dass er es nicht gut genug hinbekommen könnte, aber es klingt großartig!
Wie schon zuvor erscheint auch dein neues Album wieder als Kooperation verschiedener Labels.
Ja, ich frage einfach bei verschiedenen Leute an, ob sie beim Vertrieb helfen: Thousand Islands in Kanada, Rad Girlfriend in den USA und Gunner in der EU. Zuletzt hatte Sbäm bei „Barge At Will“ mitgeholfen. Es sind einfach alles gute Freunde von mir und ich bin ihnen für den Support unglaublich dankbar. Gunnar von Gunner Records und ich haben jedoch schon seit einer ganzen Weile über dieses Projekt gesprochen. Wir pressen und drucken die US-Auflage hier. Ich liefere dann die Pressungen für Kanada selbst ab, und zwar genau heute auf dem Fest. Das hält die Kosten niedrig.
Mal eine Frage zu deiner alten Band ARMCHAIR MARTIAN: Besteht die Chance, dass da vielleicht wieder einmal etwas Neues kommt?
Oh, wow. Nach denen werde ich wirklich selten gefragt. Ja, in der Tat haben wir bereits vor ein paar Jahren schon einmal mit diesem Gedanken gespielt. Das wäre echt lässig und gewiss ein großer Spaß. Ja, Mann, das sollten wir echt machen! Vielleicht werden wir das auch wirklich tun.
Ich nehme an, du wirst nun öfter auf den Bühnen zu bestaunen sein, um „Stoked Ghost“ gebührend zu feiern. Kommst du auch nach Europa?
Ich habe noch einige Shows vor mir dieses Jahr. Ein Großteil der Live-Dates für 2025 ist ebenfalls schon fest gebucht. Und, ja, ich warte nur darauf, wieder nach Europa eingeladen zu werden. Es ist schon viel zu lange her!
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