LEMONHEADS

Foto© by Gareth Jones

Spannend geht anders

In den 1990ern galt Evan Dando als Posterboy des Alternative Rock. Gleichzeitig stürmte der Sänger und Gitarrist mit seiner Band LEMONHEADS die Indie-Charts. Unter anderem mit „Mrs. Robinson“, einem Cover von SIMON & GARFUNKEL. Durch Affären mit Schauspielerinnen oder Models und diverse Drogenexzesse war Dando außerdem regelmäßig Thema in der Klatschpresse. Mitte der2000er Jahre wurde es ruhig um den Mann aus Boston. Inzwischen hat er geheiratet und ist Stiefvater von drei Kindern, ist nach Brasilien ausgewandert und hat neue Songs geschrieben.

Mit „Love Chant“ gibt es jetzt nach knapp 20 Jahren ein echtes neues Studioalbum der LEMONHEADS, wenn man die beiden Alben „Varshons“ (2009) und „Varshons 2“ (2019) mit Coverversionen nicht mitzählt. Eingespielt mit John Kent am Schlagzeug und Farley Glavin am Bass, neben Gastauftritten alter Bekannter wie J Mascis von DINOSAUR JR., Nick Saloman von THE BEVIS FROND, Adam Green von THE MOLDY PEACHES oder Juliana Hatfield. Evan Dando beantwortet uns ein paar Fragen, wie das neue Album entstanden ist und wie sich sein Leben inzwischen verändert hat. Leider ist kein echtes Gespräch zustande gekommen, wie es im Ox üblich ist. Drei Zoom-Termine scheiterten, weil Evan sich nicht zuschaltete. Ein letzter Versuch wurde kurz vorher gecancelt. Um seine Stimme zu schonen, hieß es vom Management. Also gingen die Fragen per Mail an ihn und es kamen ein paar Antworten als Sprachnotizen. Wirklich spannende Interviews gehen anders ...

Warum hast du dich entschieden, nach fast 20 Jahren ein neues Album rauszubringen?
Ich habe die Platte nur gemacht, weil ich bereit dazu war. Ich habe kein Interesse daran, Dinge zu tun, wenn ich nicht bereit bin. Ich wollte nichts Mittelmäßiges veröffentlichen, das meinen persönlichen Ansprüchen nicht genügt. „Love Chant“ ist das ultimative LEMONHEADS-Album, es ist alles, was ich mir immer von unserer Band gewünscht habe.

Wie alt sind die Songs auf dem Album? Hast du die alle erst kürzlich geschrieben?
Nein, es sind einige von meinen Tonbändern und aus meinem Telefonarchiv, manche sind vierzehn Jahre alt, andere zwölf und, um es etwas aufzupeppen, manche auch erst acht Jahre alt.

Hast du die Songs allein geschrieben oder zusammen mit Freunden?
Bei einigen Songs gab es eine gewisse Zusammenarbeit, andere habe ich selbst geschrieben.

Wie hat sich der Sound der LEMONHEADS nach all den Jahren entwickelt? Ich höre auf „Love Chant“ einige sehr vertraute Klänge.
Na ja, du hast nicht unrecht. Für mich klingt es wie immer, ich bin wieder voller Energie, Musik zu machen.

Der erste Song, der herauskam, heißt „In the margin“. Es ist ein „Rachelied“. Kannst du mir das erklären?
Es ist ein Rachelied und wurde hauptsächlich von einer Ex-Freundin von mir geschrieben. Ich habe ein bisschen Musik dazu geschrieben, den Text etwas verändert, und ich finde es echt cool. Es ist wie meine Botschaft an Amerika: Ich bin da, wenn du mich findest.

„Togetherness is all I’m after“ klingt wie ein Ruf nach Harmonie. Ist das dein persönliches Ziel, das in einem Song niedergeschrieben ist?
Es ist eine Anspielung auf die JACKSON FIVE, aber ich habe sie aus dem Kontext gerissen. Und es bedeutet: Ich will einfach nur zusammen sein. Lass mich dein Leben mit Freude und Lachen erfüllen. Ich wünsche mir nur ein Zusammensein. Großartig.

Ich schätze, „Roky“ ist ein Song über Roky Erickson von THE 13TH FLOOR ELEVATORS. Warum hast du ein Lied über ihn geschrieben?
Weil er einer meiner absoluten Helden ist. Ich spielte an dem Tag, als er starb, ein Konzert in Austin. Dieses Riff kam einfach aus dem Nichts. Deshalb hatte ich keine andere Wahl, als es „Roky“ zu nennen – es ist also definitiv eine Hommage.

Zusammen mit „Love Chant“ veröffentlichst du deine Lebensgeschichte mit dem Titel „Rumours of My Demise“. Wie war es, ein Buch über dein Leben zu schreiben? Eine schmerzhafte Erfahrung?
Es war ein bisschen schmerzhaft, aber auch ein bisschen lustig. Das war es. Ich meine, jeder, der mich kennt, weiß, dass ich einem silbernen Kamel die Ohren abkauen kann. Und so war es dann auch: viel Reden und Schreiben. Es ist ein großer Mischmasch der Liebe.

Die letzten beiden Veröffentlichungen von LEMONHEADS waren Coveralben, 2009 und 2019. Warum sind Coversongs so wichtig für dich?
Weil ich Musik liebe. Ich liebe diese Lieder.

Warum bist du von Boston nach Brasilien gezogen? Wie lebst du dort? In einer Großstadt oder einem kleinen Dorf?
Weil Brasilien klasse ist und Boston verdammt verklemmt. Ich lebe in einem wunderschönen Haus auf einem Hügel in der Nähe der größten Stadt Südamerikas, São Paulo.

Wie hat sich dein Leben in den letzten Jahren verändert? Immer noch Sex, Drugs & Rock’n’Roll oder etwas ganz anderes?
Im Moment bin ich einfach glücklich und normal. Und ich liebe meine neue Familie und bin jetzt wirklich zufrieden.

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