LIONHEART

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High Kick in den Weihnachtsbaum

Mit „Valley Of Death II“ veröffentlichen LIONHEART dieser Tage ihr neuntes Studioalbum. Wir sprechen mit Gitarrist Walle Etzel über die Weiterentwicklung auf der Platte, deren Entstehung und die Marketingstrategie alle Songs vor der Veröffentlichung als Single auszukoppeln.

Ich würde gerne mit einem Zitat von einem Freund einsteigen, der mir zu eurem kommenden Album sinngemäß schrieb: „Na ja, nach den ersten vier Singles hört sich das an, als würden sie das Album zum fünften Mal rausbringen.“ Was sagst du dazu?

Ich finde, dass wir uns mit dem Album in jeder Hinsicht weiterentwickelt haben, vor allem wenn ich es mit dem Vorgänger vergleiche. Ob rifftechnisch, ob textlich oder auch in der Produktion, weil wir uns mit dem A DAY TO REMEMBER-Gitarristen Neil jemanden mit ins Boot geholt haben, der uns geholfen hat, die letzten 10 % aus den Songs rauszuholen. Für mich ist es das Album, mit dem ich bisher am meisten zufrieden bin, und ich glaube, ich kann da für alle aus der Band sprechen. Aber es ist interessant zu hören, dass andere Leute das stellenweise anders empfinden. Vielleicht liegt es auch ein bisschen daran, dass wir diesmal etwas ganz Abgefahrenes ausprobieren und bis zum Album-Release jede Woche einen neuen Song rausbringen.

Wer hat vorgeschlagen, jeden Song zur Single zu machen?
Das kommt tatsächlich von uns. Der Hintergrund ist folgender: Bei einer Albumproduktion reden wir meistens von zehn, zwölf Songs. Dann werden drei Titel rausgepickt. Produzenten und Band diskutieren ausgiebig, was die stärksten Songs sind. Diese kommen als Singles raus, das läuft drei Monate, dann kommt das Album, und alle anderen Songs verlieren ein bisschen die Aufmerksamkeit. Aber in einem Album steckt so viel Arbeit, Liebe und Schweiß, dass eigentlich jeder Song es verdient, einzeln rauszukommen. Und dann kam diese ganz wilde Idee: Was ist, wenn wir einfach mal zehn Wochen Promo machen und jede Woche einen Song veröffentlichen. Unser Label hat erstmal die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gesagt: „Auf gar keinen Fall, lasst das!“ Aber wir haben hin und her diskutiert und gesagt: Am Ende haben wir nichts zu verlieren. Manchmal muss man ein Risiko eingehen, um zu sehen, ob es funktioniert. Bisher muss ich sagen: It’s almost too good. Jetzt wird es nur ein bisschen tricky über die Feiertage.

Warum?
Weil ich mir denke, vielleicht haben die Leute zu Weihnachten anderes zu tun, als sich um den nächsten LIONHEART-Release zu kümmern. Doch vielleicht sind es ja genau die besinnlichen Tage, an denen sie wieder mehr Zeit haben, sich mit Musik auseinanderzusetzen. Mal sehen.

Einer der besten Songs auf dem Album ist für mich „Ice cold“. Ich fände das einen starken Opener – mit diesem Switch nach etwa einer Minute. Kannst du mir etwas über den Song erzählen? Gab es diesen Breakdown und den komplett anderen Verlauf innerhalb des Liedes?
Ganz ehrlich, ich kann mich gar nicht mehr so richtig erinnern. Der Prozess zog sich locker über zwei Jahre. Wir sind weltweit verteilt – ich lebe in Deutschland, die anderen in den USA, dort auch noch mal verstreut. Songwriting funktioniert bei uns, indem wir Ideen hin- und herschicken. Rob geht damit ins Studio und probiert vokal viel aus. Als die Songs so zu 70 bis 80 % standen, ist Rob mit zehn Songs zu Neil nach Florida geflogen, und dort wurden viele Feinheiten gemacht. Hier ein Riff ausgetauscht, dort ein Solo – das Gitarrensolo von Neil von A DAY TO REMEMBER ist zum Beispiel spontan im Studio entstanden. Deshalb kann ich nicht sagen, wie genau „Ice cold“ entstanden ist. Es ist Teil eines langen Prozesses gewesen.

Nach dreimal „Welcome To The West Coast“ gibt es jetzt mit „Valley Of Death II“ wieder eine Fortsetzung. Warum habt ihr gesagt: Wir fangen nichts Neues an, sondern machen einen zweiten Teil?
So ein bisschen ist das auch angelehnt an diverse Filmreihen, bei denen es auch mehrere Nachfolger gibt. Bei „Welcome To The West Coast“ haben wir lange überlegt, ob wir es Teil drei nennen. Musikalisch war das eine Weiterführung von eins und zwei. Die „Welcome To The West Coast“-Reihe prägt eher so ein metallisches Bild, bei „Valley Of Death“ waren wir aber in einer eher groovigen Richtung unterwegs. Songwritingtechnisch wollten wir danach wieder dahin anknüpfen, wo wir bei „Valley Of Death I“ aufgehört haben. Das war erst nur ein Arbeitstitel, aber irgendwann hat es sich einfach richtig angefühlt.

Jetzt habt ihr mit Neil von A DAY TO REMEMBER gearbeitet. Braucht ihr als Band immer jemanden von außen, der den Überblick hat? Letztes Mal hattet ihr schon Jamey Jasta von HATEBREED und Will Putney dabei.
Beim letzten Album hatte Jamey keinen großen Einfluss. Rob arbeitete zur der Zeit nur in New York und wohnte in South Connecticut. Noch mal 30 Minuten weiter hat Jamey sein Studio. Wir brauchten einen Ort. um die Vocals zu produzieren, da hat sich das natürlich angeboten. Will Putney schaute am Ende, dass es gut klingt, aber griff nicht ins Songwriting ein. Neil ist anders – er gibt extrem gute Inputs, oft nur kleine Feinheiten, aber genau die machen es aus. Ich glaube nicht, dass wir jemanden brauchen, aber ein guter Produzent kann helfen, wenn es menschlich und musikalisch passt.

Habt ihr gemeinsam im Studio aufgenommen?
Nein, alles remote. Unser Produzent Flo, der Sänger von LANDMVRKS, hat am Ende alle Spuren bekommen und sie gemixt und gemastert. So arbeiten wir schon seit dem letzten Album.

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