MARIACHI EL BRONX

Foto© by Jarrod Anthonee

Keine Kostüme!

MARIACHI EL BRONX sind eine sehr besondere Band. Zu oft als Persiflage auf Mariachi-Bands belächelt, steckt hinter den Pionieren aus Los Angeles so viel mehr. Die Liebe für die Mariachi-Kultur tropft aus jeder Pore. Nach zwölf Jahren erscheint nun Album Nummer vier mit dem Namen „Mariachi El Bronx IV“ Eine tiefe Verneigung vor ihren eigenen Wurzeln und dem Umfeld in dem man aufgewachsen ist. Kein simples Alter Ego ihrer Hauptband THE BRONX, sondern eine klare Herzensangelegenheit. Wir dürfen uns mit Leadsänger Matt unterhalten.

Wie seid ihr damals auf die Idee gekommen, MARIACHI EL BRONX zu gründen?

Als wir 2002 mit THE BRONX gestartet haben, haben wir erst mal richtig viel Gas mit der Band gegeben. Wir haben unfassbar viele Shows gespielt und nachdem wir drei Alben veröffentlicht hatten, waren wir etwas ausgebrannt und haben uns hingesetzt und nach sechs Jahren die Bremse reingehauen und über die Zukunft der Band gesprochen. Wir sind alle sehr kreative Charaktere und für uns war klar, uns niemals irgendwie wiederholen zu wollen. Zu dem Zeitpunkt hatten wir einen Proberaum in Santa Fe in einem Industriegebiet, in dessen Umgebung es einen absoluten Schmelztiegel der Kulturen gab. Wir haben also in den Pausen immer am Fenster rumgehangen. Und direkt gegenüber war eine mexikanische Autowäsche. Die Jungs haben den ganzen Tag Mariachi- und Banda-Musik gehört und hatten trotz der harten Arbeit den Spaß ihres Lebens. Das hat uns unfassbar beeindruckt. Wir sind alle in einer Umgebung aufgewachsen in der die hispanische Kultur allgegenwärtig war. Somit war unsere Verbindung zu dieser Musik und ihrer Kultur bereits sehr früh in uns verankert. Irgendwann entstand dann die Idee, ein Mariachi-Album zu machen. Zuerst haben wir uns das gar nicht zugetraut, aber mit der Zeit und mit unseren wachsenden Fähigkeiten haben wir gedacht, wieso nicht? Wir wollten der Kultur, die uns so hochgradig beeinflusst hat, etwas zurückgeben und Danke sagen. Irgendwie kam eins zum anderen. Wir hatten das Angebot, in einer Fernsehshow aufzutreten, und wollten dafür etwas gänzlich anderes bieten. Also haben wir losgelegt und für die Show einen entsprechenden Song gebastelt. Es war eine überwältigende Erfahrung und es war sehr schnell klar, dass wir nun ein ganzes Mariachi-Album machen wollten.

Stand es auch mal zur Debatte, auf Spanisch zu singen?
Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht aber ich kann eben kein Spanisch. Also dachte ich mir, ich verbinde das Ganze mit meinem eigenen Stil. Ich bin riesiger Fan der großen Rock-Balladen der 1980er und habe mich gesanglich viel an diesen Liedern orientiert. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich dahingehend meine Stimme gefunden habe. Es war ja eine absolute Umstellung im Vergleich zu den Sachen, die wir mit THE BRONX machen und wie ich dort eben singe. Am Ende hat aber alles irgendwie zusammengepasst und ich habe gelernt, mich auf eine völlig andere Art und Weise auszudrücken. Wir haben uns also einen Produzenten gesucht, der sich mit Mariachi-Musik auskannte, und haben das Album gemacht. Fun Fact: Zander Schloss von den CIRCLE JERKS war unser erster Guitarron-Spieler, der Typ kann so ziemlich jedes Instrument spielen, das man sich vorstellen kann. In der Nachbetrachtung wirkt das alles oft noch immer verrückt für uns, aber wir würden nicht eine Sekunde davon missen wollen.

Gibt es auf „Mariachi El Bronx IV“ ein zentrales Thema?
Ich glaube, einen wirklichen roten Faden gibt es diesmal gar nicht. Wir schreiben ja seit jeher über die Dinge, die uns zutiefst bewegen, also alltägliche Sachen und Erlebnisse. Es ist mit trotzdem immer wichtige, gute Geschichten zu erzählen, gerade wenn diese von wahren Erlebnissen beeinflusst wurden. Bei „IV“ ist das oft ein „Dazwischen“, irgendwo zwischen großem Verlust und überwältigender Liebe. Die Welt ist ein seltsamer Ort und unser Songwriting hilft uns, das gesamte Chaos zu erfassen und zu verarbeiten. So geht es im Opener „Forgive & forget“ um jemanden, der einmal durch den Wolf gedreht auf sein Leben zurückblickt. Alles ist etwas verschwommen. Es gibt ein bisschen Hoffnung, aber es ist auch alles ziemlich düster. Und so sind unsere Alben alle irgendwie. Es ist vieles schlecht und manchmal weiß man nicht, wie es weitergehen soll, aber dann gibt es da immer helle Momente und Hoffnungsschimmer. Ich habe so viele Themen im Kopf dass ich das alles gar nicht auf einem Album unterbringen kann. In zwölf Jahren sammeln sich verdammt viele Geschichten an und du hast auf einem Album eben immer nur begrenzten Platz, um sie unterzubringen.

Gab es jemals Stimmen, die euch kulturelle Aneignung vorgeworfen haben?
Zum Glück niemals. Natürlich gibt es Leute, die kritisch betrachten, was wir tun, oder denen es einfach nicht gefällt. Aber ich glaube, die Leute haben sehr früh verstanden, dass wir lieben, was wir tun, und dass es eine absolute Verneigung vor dieser Kultur ist. Es gibt bei Mariachi-Musik eben viele Regeln und man muss lernen, wie das Ganze funktioniert. Sei es die Rhythmik und die Anschlagtechniken oder all diese kleinen und großen Details. Wir würden uns nicht solche goldbestickten Charro-Anzüge anziehen, wenn wir nicht zu tausend Prozent hinter all dem stehen würden. Wir tragen die Anzüge ja nicht als Kostüm am Wochenende, um Klicks und Likes zu bekommen. Wir nehmen das alles sehr ernst und ich glaube, das macht uns authentisch, und die Leute spüren das auch. Wir machen das aus Liebe zur Musik und zur Mariachi-Kultur. Wenn jemand das nicht versteht oder akzeptieren kann, ist das zwar schade, aber genauso okay.

Anzeige