MARIACHI EL BRONX

Foto© by Auzzy Nufable

Hommage an den Geist und die Kultur von Los Angeles

Im Februar erscheint nach zwölf Jahren mit „IV“ ein neues Album von MARIACHI EL BRONX. Als Alter Ego von THE BRONX veröffentlichte die Formation 2009 das erste Mariachi-Album und trat damit sogar als ihre eigene Vorband auf. Seitdem sind zwei weitere Alben erschienen, auf denen THE BRONX zusammen mit weiteren Musikern traditionelle mexikanische Mariachi-Musik interpretieren. Sänger Matt Caughthran erklärte mir unter anderem, warum er das vierte Album als Neustart sieht und worin sich Punk und Mariachi-Musik unterscheiden.

Das ist das erste Interview von MARIACHI EL BRONX im Ox. Könntest du uns erzählen, wie damals die Idee zustande kam, eine Mariachi-Band zu gründen, und wie die Gruppe zusammenkam?

MARIACHI EL BRONX begannen 2008 als Nebenprojekt unserer Punkband THE BRONX. Wir wurden gebeten, einen Akustiksong fürs Fernsehen zu spielen, und entscheiden uns dafür, das im Mariachi-Stil zu tun, als Hommage an den Geist und die Kultur von Los Angeles. Diese Performance hat uns so inspiriert, dass wir weiter Songs als Mariachi-Band geschrieben haben. Vier Alben und 17 Jahre später sind wir immer noch dabei!

Ihr habt die Zusammensetzung der Band zwischen den Alben nicht großartig verändert, fühlt sich MARIACHI EL BRONX wie eine echte Band an oder mehr wie ein Projekt?
Definitiv wie eine echte Band. Nur einfach keine, die die ganze Zeit spielt.

Das ist euer erstes MARIACHI EL BRONX-Album seit zwölf Jahren. Warum hat es damit so lange gedauert? Was hat euch dazu bewogen, die Band wieder aufleben zu lassen?
Es hat sich einfach nach der richtigen Zeit angefühlt. In den letzten zehn Jahren waren wir mit THE BRONX sehr beschäftigt. 2023 sind wir um die Welt getourt und haben unser 20-jähriges Jubiläum gefeiert. Danach schien es uns der perfekte Zeitpunkt zu sein, den Fokus wieder zurück auf MARIACHI EL BRONX zu richten und ein neues Album zu schreiben.

Ich habe den Eindruck, dass sich das neue Album ein bisschen folkloriger als das letzte anhört. Wie würdest du die Entwicklung eures Sounds von Album zu Album beschreiben?
Da würde ich dir zustimmen. Ich denke, bei unserem dritten Album waren wir überzeugt davon, dass wir etwas anderes machen müssen – fast eine Art forcierten Experimentierens. Das passiert Künstlern oft, weil das Ziel immer ist, zu wachsen und besser zu werden. Aber manchmal geht das nach hinten los. Mit „IV“ wollten wir einfach zurück zu den Wurzeln der Band. Das hat sich in vielerlei Hinsicht wie ein Neustart angefühlt.

Wo steht ihr als Band angesichts der verschiedenen Varianten des Mariachi? Basieren Musik und Texte auf traditionellen Motiven oder schreibt ihr alles von Grund auf selbst?
Wir haben definitiv unseren eigenen Stil. Es ist ein Hybrid aus traditionellem Mariachi, Cumbia, Bolero, Norteño und Westernmusik. Inhaltlich geht es auf diesem Album um ganz klassische Motive wie Liebe und Tod, weil diese Themen zu der Zeit, in der ich die Texte geschrieben habe, in meinem Leben sehr vorherrschend waren. Ich mag besonders diesen Storytelling-Aspekt der Mariachi-Musik – das ist für mich als Texter herausfordernd und spannend. Es ist cool, seine eigenen Geschichten in Legenden zu verpacken.

Seid ihr Teil einer Mariachi-Szene?
Nicht wirklich. Wir sind mit anderen Gruppen rund um L.A. befreundet, wie MARIACHI REYNA DE LOS ANGELES, und wir fühlen uns sehr geehrt, Teil so einer speziellen musikalischen Familie zu sein. Aber die meisten Mariachi-Bands arbeiten nicht wirklich so, wie wir es tun. Wir haben einen Punk-Hintergrund, das heißt wir touren im Van und treten monatelang jeden Abend in einer anderen Stadt auf. Das ist für eine Mariachi-Band nicht üblich.

Was wusstet ihr über diese Musik, als ihr mit MARIACHI EL BRONX angefangen habt, und was habt ihr inzwischen dazugelernt?
Um ehrlich zu sein, wusste ich am Anfang nicht wirklich viel, deshalb war das ganze Ding eine unglaublich Lernerfahrung. Im Punkrock gibt es keine Regeln, aber in der Mariachi-Musik definitiv schon – Rhythmen, Muster und Traditionen, die bis ins 18. Jahrhundert zurückgehen. Die darfst du nicht durcheinanderbringen! Ich habe nie wirklich viel über Musik gelernt, bis wir angefangen haben, Mariachi zu spielen, aber das vermutlich Wichtigste, das ich auf diesem Weg gelernt habe, ist: Der beste Weg, in einer Kultur authentisch zu sein, ist authentisch sich selbst gegenüber zu sein. Und ich lerne endlich Spanisch, was ziemlich fantastisch ist.

Wo ist der Unterschied zwischen dem Schreiben eines Songs für THE BRONX und für MARIACHI EL BRONX?
Es ist ziemlich ähnlich. Alles fängt mit einer Idee an – entweder einer Gesangs- oder einer Gitarrenmelodie – und dann bauen wir alles darauf auf. Das funktioniert für beide Bands gleich.

Könnt ihr euch vorstellen, mal einen Song zu schreiben, der eine Mischung aus beiden Stilen ist, oder sind das völlig verschiedene Welten?
Auf Platte werden die beiden sicherlich immer getrennt bleiben, weil wir es mögen, zwischen den verschiedenen Welten hin und her zu springen und uns dabei jeweils auf eine Band zu konzentrieren. Wir arbeiten allerdings gerade an einer Show, wo wir mit beiden Bands zusammen live in einem Set spielen. Wir machen das zum ersten Mal.

Du bist jemand, der viele verschiedene Arten von Musik mag. Könntest du dir vorstellen, noch eine neue Band zu starten, mit der du wieder völlig andere Musik spielst?
Zwei Bands sind mehr als genug. Ich liebe allerdings Musik und mit anderen Künstlern zusammenzuarbeiten, deshalb ist die kreative Tür immer offen. Das Leben ist zu kurz.

Ich habe MARIACHI EL BRONX einmal als Vorband von THE BRONX gesehen, macht ihr das öfter oder war das eine einmalige Sache? Wann spielt ihr wieder in Deutschland?
Wie schon gesagt, wir arbeiten gerade an einer THE BRONX- und MARIACHI EL BRONX-Supershow, das ist ziemlich irre. Nachdem wir damit im März in Australien starten, können wir sie hoffentlich auch nach Deutschland bringen.

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