© by Toshi KasaiSeit mehr als 40 Jahren lärmen die MELVINS konsequent am Mainstream vorbei. Gegründet 1983 im Umland von Seattle, legten Buzz Osborne und Dale Crover neben Bands wie SOUNDGARDEN, oder GREEN RIVER mit ihrer Musik den Grundstein für das, was später als Grunge bezeichnet wurde, nachzuhören auf der 1985 von C/Z Records veröffentlichten „Deep Six“-Compilation. Über vier Jahrzehnte hat die Band in verschiedenen Besetzungen unzählige Alben, Kollaborationen und Kleinformate veröffentlicht. Im Frühjahr 2025 ist das 28. (!) Studioalbum „Thunderball“ erschienen. Wir trafen die beiden Köpfe der MELVINS beim „Rock im Wald“-Festival in der oberfränkischen Provinz.
Im April ist euer letztes Studioalbum „Thunderball“ erschienen. Und zwar mit eurem Originaldrummer Mike Dillard. Warum dieses spezielle Line-up?
Buzz: Wir haben schon zwei andere Alben in dieser Besetzung eingespielt. Wir nennen das Line-up MELVINS 1983. Das erste, „Tres Cabrones“, ist schon 2013 herausgekommen und das zweite vor vier Jahren und hieß „Working With God“. Das ist während der Pandemie entstanden. „Thunderball“ haben wir geschrieben, nachdem wir wieder eine Reihe von regulären Alben veröffentlicht haben, „Bad Moon Rising“ oder „Tarantula Heart“. Es war einfach Zeit für ein weiteres Album von MELVINS 1983, deshalb habe ich Songs geschrieben mit unserem alten Drummer im Hinterkopf. Er ist zu uns gekommen, um seine Parts einzuspielen, weil er ungefähr 1.000 Meilen von unserem Wohnort entfernt lebt. Und dann war die Platte fertig. Sie ist wirklich großartig geworden, ich liebe sie.
MELVINS haben immer wieder in unterschiedlichen Line-ups gespielt. Es gibt noch die Besetzung, die ihr MELVINS LITE nennt, mit Trevor Dunn von MR. BUNGLE am Bass. Warum spielt ihr immer wieder in anderen Konstellationen?
Buzz: Die Line-ups unterscheiden sich einfach sehr voneinander. Es ist einfach schön, öfter in anderen Formationen zu spielen. MELVINS LITE klingen total anders, weil Trevor da Kontrabass spielt. Und MELVINS 1983 klingen wieder anders. Ich denke, wenn man so viele Platten veröffentlicht hat, hat man genug Zeit für Experimente. Warum auch nicht?
Dale: MELVINS 1983 und MELVINS LITE sind einfach anders als die reguläre Besetzung, schätze ich. MELVINS 1983 sind mit dem ursprünglichen Drummer Mike Dillard. Und MELVINS LITE sind wie eine akustische Version der Band. Aber die Stammbesetzung sind eigentlich Buzz, ich und Steven von REDD KROSS. So ist es seit fast zehn Jahren. Buzz und ich waren lange Jahre der Kern der Band. Vor allem am Bass gab es viele Wechsel. Leute kommen und gehen. Das ist Teil des Lebens, schätze ich. Wir lieben es aber auch, uns Gäste einzuladen. Das hält die Sache interessant und macht Spaß.
Wie fällt die Entscheidung, ob es Zeit für eine Platte mit MELVINS 1983, MELVINS LITE oder für eine Solo-Platte von King Buzzo ist?
Buzz: Oder es ist mal wieder Zeit für eine reguläre Platte von MELVINS? Das haben wir lange nicht mehr gemacht. Keine Ahnung. Wer weiß das schon. Schwer zu sagen.
Bei der Produktion von „Thunderball“ waren noch zwei andere Musiker beteiligt, Void Manes und Ni Maîtres. Was haben die zum Sound beigetragen?
Buzz: Das sind beide Electronic Noise Artists. Ich mag sehr, was sie machen. Die beiden haben schon einige Male in unserem Vorprogramm gespielt. Also habe ich mich gefreut, auch mal mit ihnen arbeiten zu können. Ich dachte mir, das wäre ein perfekter Sound, den sie hinzufügen könnten. Und das war auch der Fall. Was sie beigesteuert haben, war musikalisch wirklich erstaunlich und interessant. Ich bin glücklich, dass sie auf dem Album vertreten sind. Das macht es noch besonderer.
Wer steht jetzt aktuell auf der Bühne mit MELVINS?
Buzz: Wir treten mit zwei Drummern auf. Coady Willis von BIG BUSINESS, der schon einige Male mit uns gespielt hat, und Dale. Den Bass spielt Steven McDonald, der schon seit 2016 Teil von MELVINS ist. Also ich an der Gitarre, ein Bassist und zwei Schlagzeuger. So gehen wir auf die Bühne.
Dale: Das haben wir in der Vergangenheit schon oft gemacht. Cody ist teilweise zurück in der Band, weil ich mich vor ein paar Jahren einer Operation an der Wirbelsäule unterziehen musste. Das war direkt vor einer Tour. Statt alle Konzerte abzusagen, haben wir ihn gefragt, ob er einsteigen will. Danach haben wir ihn einfach behalten. Mit zwei Schlagzeugern ist es einfach kraftvoller und es macht großen Spaß. Die Leute sind immer beeindruckt von der Wucht.
Ihr arbeitet gerne mit Freunden wie Jeff Pinkus von BUTTHOLE SURFERS oder Trevor Dunn von MR. BUNGLE oder FANTÔMAS. Sind MELVINS eine Art offenes Projekt oder ist es im Laufe der Jahre dazu geworden?
Buzz: Nein, wir sind eine Band, aber wir machen einfach, worauf wir Bock haben. Wir haben sogar schon eine Platte mit zwei Jungs von BUTTHOLE SURFERS gemacht. Mit Paul und Jeff. Das hat riesigen Spaß gemacht. Bei uns ist alles möglich. Ich will mich selbst nicht limitieren und auf eine kleine Schublade beschränken. Warum? Das juckt mich nicht.
Mich begeistert an MELVINS, dass euch kommerzieller Erfolg offenbar egal ist. Euch kümmert nicht um Erwartungen und wie viele Platten ihr verkauft, und dafür lieben euch eure Fans.
Buzz: Wir arbeiten nicht fleißig daran, keine Platten zu verkaufen. Wir verkaufen aber auch nicht Millionen von Platten. Das ist nicht unser Ziel. Ich würde gerne viele Platten verkaufen, aber ich weiß gar nicht, wie das funktioniert oder was passiert, wenn ich es versuchen würde. Wir machen das, worauf wir Lust haben. Das ist sicher. Und das wird sich auch nie ändern, egal, was passiert.
Wie habt ihr so lange durchgehalten? MELVINS gibt es jetzt schon über 40 Jahre lang. Ihr lebt davon, Platten aufzunehmen und Konzerte zu spielen. Wie funktioniert das, straight euer eigenes Ding zu machen und immer noch unterwegs zu sein? Viele Bands haben irgendwann aufgegeben.
Buzz: Keine Ahnung. Das ist einfach, was wir machen. Das ist alles, was ich immer machen wollte. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich davon leben kann, Musik zu machen. Ich kann mir nichts anderes vorstellen, was ich machen könnte. Das ist eine gute Sache. Wir arbeiten wirklich hart daran, viele Platten zu produzieren und viele Shows zu spielen.
Dale, was sagst du dazu, dass MELVINS immer noch unterwegs sind, aber viele Bands aus der Gegend um Seattle, die in den 1990ern groß wurden, heute verschwunden sind?
Dale: Ich denke, zuallererst ist keiner von uns gestorben, das macht die Sache einfacher, haha. Wir wollten nie arbeiten gehen, wir können etwa seit 1991 damit unser Geld verdienen. Das haben wir nie für selbstverständlich gehalten. Ich wollte immer Musiker und in einer Band sein, seit ich elf oder zwölf Jahre alt bin. Ich will nichts anderes machen. Wir haben immer das gemacht, was wir machen wollten, und das hat gut funktioniert.
Wie hat das 1983 angefangen mit MELVINS in Montesano im Nordwesten der USA, 160 Kilometer entfernt von Seattle?
Buzz: Ich kannte die beiden anderen von der Highschool. So hat alles angefangen. Es gab nicht viele Optionen in dem Ort, wo wir gewohnt haben. Deshalb waren wir glücklich, dass wir Musik machen konnten. Das ist schon so lange her. Das war nicht wirklich ein guter Platz zum Leben und ich bin froh, dass ich jetzt nicht mehr dort sein muss. Montesano ist ein kleines Kaff, weit entfernt von überall. Engstirnige Menschen, mit denen ich nicht besonders gut klargekommen bin. Nicht viel zu tun. Redneck-Typen. Das war einfach nichts für mich. Ich bin froh, dass ich da weg bin, und dass ich nie mehr in so eine Situation gekommen bin. Ich hatte keinen Spaß, als ich dort aufgewachsen bin. Ich wäre woanders besser aufgehoben gewesen.
Was war der Plan für MELVINS, als du dich mit Matt Lukin und Mike Dillard zusammengetan hast? Matt ist ja später bei MUDHONEY gelandet.
Buzz: Wir wollten einfach ein paar Konzerte spielen. Wir hatten keine großen Pläne mit der Band. Wir haben unsere anfänglichen Erwartungen sehr schnell übertroffen. Die ganze Idee, Platten aufzunehmen oder von der Musik leben zu können, war eigentlich völlig absurd. Das erschien uns damals komplett verrückt. Aber ich bin froh, dass wir es durchgezogen haben. Wir haben auch hart dafür gearbeitet. Je härter du arbeitest, desto glücklicher wirst du. Anfangs haben wir viele Coversongs gespielt, das machen wir immer noch. Wir haben aber ziemlich schnell angefangen, eigene Stücke zu schreiben. Mehr oder weniger unmittelbar. Ich schreibe also schon sehr lange eigene Songs. Wir haben jedoch keine Karriere als Coverband gemacht. Keine Ahnung, ob das funktioniert hätte. Wir haben von Anfang an unsere eigenen Songs gespielt und so ist es prima gelaufen. Zum Glück.
Wie ist der Name MELVINS entstanden?
Buzz: Wir haben uns nach einem Typen benannt, der im gleichen Laden gearbeitet hat wie ich. Den konnte ich nicht besonders gut leiden. Das war wirklich Zufall. Wir waren gerade auf der Suche nach einem guten Bandnamen und MELVINS klang einfach wie kein anderer. Ein bisschen wie RAMONES. Deshalb haben wir uns dafür entschieden.
Dale, wie bist du damals zu MELVINS gekommen? Du bist ein Jahr nach der Bandgründung eingestiegen.
Dale: Die Jungs sind zu mir nach Hause gekommen. Wir hatten einen gemeinsamen Freund namens Krist Novoselic. Sie waren gerade auf der Suche nach einem Drummer und Krist hat mich vorgeschlagen und brachte Buzz mit zu mir. Das ist die Geschichte.
Du hast also ein spezielles Verhältnis zu NIRVANA und Krist?
Dale: Ich war mit seinem jüngeren Bruder in einer Klasse, wir sind gleich alt. Ihn selbst kannte ich auch von der Schule. Ich kann mich erinnern, dass er damals schon mit MELVINS befreundet war und mit ihnen gespielt hat. Er hat mir mal erzählt, dass er bei MELVINS einsteigen wollte, aber tatsächlich stand er nur bei einem Song mit ihnen auf der Bühne. Das war bei einer Show in Aberdeen. Er war damals in der Schule bekannt als eine Art Klassenclown. Also hat jeder geklatscht, als er auf die Bühne kam, und sie haben dann eine Version von „Sunshine of your love“ von CREAM gespielt.
Was hat MELVINS so attraktiv gemacht, dass du unbedingt Teil der Band sein wolltest?
Dale: Am gleichen Tag, an dem sie bei mir vorbeikamen, um mich in die Band zu holen, sagte meine Mutter zu mir: Du musst unbedingt in einer Band sein, die was auf die Reihe kriegt. Ich war gerade 16 und habe in diversen Coverbands gespielt, die alle im Sande verlaufen sind. Ausgerechnet an diesem Tag sagte sie das, als sie mich fragten, ob ich einsteigen wolle. Sie meinte danach: Ich habe doch nicht heute gemeint. Diese Jungs haben damals schon Konzerte außerhalb von Aberdeen gespielt und außerdem hatten sie eigene Songs. Das hat mich angezogen.
Du hast auch auf ein paar Demos von NIRVANA getrommelt, die später für deren Debütalbum „Bleach“ verwendet wurden.
Dale: Wer?! Von denen habe ich noch nie gehört, haha. Ja, das stimmt. Wir kommen beide aus dem gleichen kleinen Ort und alle, die an Musik interessiert waren, kannten sich dort. Ich kann mich erinnern, kurz nachdem ich bei MELVINS eingestiegen bin, kamen die Jungs aus meiner Band vorbei und sagten: Wir sind gerade im Bus mit diesem Freund von uns gefahren. Denn sie kamen aus Montesano und mussten den Bus nehmen, um zu mir zum Proben zu kommen. Sie sagten: Unser Freund Kurt war im Bus, der war früher an unserer Schule, jetzt ist er an deiner Schule. Wir haben uns mit ihm unterhalten, er spielt Gitarre und interessiert sich für Musik, du solltest ihn kennenlernen. Also traf ich ihn am nächsten Tag in der Raucherecke meiner Highschool. Wo die bösen Kids Zigaretten und anderes Zeug geraucht haben.
Er soll auch versucht haben, bei MELVINS einzusteigen, hat es aber nicht geschafft. Stimmt das?
Dale: Das ist eher ein Mythos als die Wahrheit. Wir haben vielleicht zwei Minuten lang darüber nachgedacht, ihn in die Band zu holen. Dann haben wir aber schnell gemerkt, dass er nicht einmal einen Gitarrenverstärker hat. Wie sollte das funktionieren? Kurt und ich sind aber ziemlich gute Freunde geworden. Er war einer dieser Typen, bei denen man, wenn man sie trifft, das Gefühl hat, sie schon sein ganzes Leben lang zu kennen. Er war sehr sympathisch, ein sehr netter Kerl. Als ich mitbekommen habe, dass er auch Songwriter und ein guter Gitarrist ist, haben wir angefangen, zusammen Musik zu machen. Aber sogar zu diesem Zeitpunkt hatte er noch keinen Verstärker, er lieh sich immer unsere aus. Ich war mit ihm im Haus seiner Tante, um Songs für sein Projekt FECAL MATTER aufzunehmen, denn sie war Musikerin und hatte Aufnahme-Equipment. Sogar da hat Kurt seine Gitarre noch direkt ins Tonbandgerät eingestöpselt, um aufzunehmen.
Ihr hattet immer eine besondere Beziehung zu NIRVANA. Da kursieren viele Geschichten. Kurt sollte euer Album „Houdini“ produzieren, wurde aber gefeuert, weil er immer dicht war. Und Buzz, du sollst Dave Grohl als neuen Drummer für NIRVANA vermittelt haben.
Buzz: Wir sind in der gleichen Gegend groß geworden. Es ist furchtbar, wie das alles zu Ende gegangen ist. Ich habe nicht besonders schöne Erinnerungen an diese Zeit. Es ist Mist, dass er gestorben ist. Wir hatten an einem Punkt in unserer Geschichte viel mit ihnen zu tun, aber das ist Vergangenheit. Ich habe keine Ahnung, wie das alles passiert ist. Wir haben mit ihnen zusammen bei ihrer allerletzten Show gespielt, das war also nicht nur eine Sache der Frühphase. Das ist alles ziemlich merkwürdig gelaufen. Das stimmt alles, es war aber keine glückliche Zeit, an die ich mich gerne erinnern würde.
In der Geschichte von MELVINS gab es immer wieder Kollaborationen, etwa mit Jello Biafra oder LUSTMORD. Wie entsteht die Magie bei solchen Koproduktionen?
Buzz: Diese Ideen entstehen eher zufällig. Irgendwann dachte ich, es wäre doch schön, eine Platte mit Jello Biafra oder LUSTMORD zu machen. Da steckt nie ein Plan dahinter. Nachdem wir so viele Platten aufgenommen haben, ist es immer schön, etwas Abwechslung zu haben. Das ist es. Mehr nicht.
Ich existiert außerdem eine lange Liste von Coversongs. Es gibt sogar ein ganzes Album mit Coverversionen.
Buzz: Das haben wir schon immer gemacht. Das macht einfach Spaß. Vielleicht sollten wir noch eins machen. Wir werden sehen.
Richtig schön finde ich das Artwork der MELVINS-Platten. Dafür ist deine Frau Mackie zuständig. Warum passt ihre Kunst so gut mit eurer Musik zusammen?
Buzz: Na ja, es geht gut mit dem Bandnamen zusammen. Wir wollten uns nicht in eine Schublade stecken lassen, mit einem bestimmten Look oder Style. Das verhindert schon der Name MELVINS. Ich finde, sie ist eine sehr talentierte Künstlerin, und bin froh, dass sie das für uns macht. Es macht mich glücklich, mit ihr zusammenzuarbeiten. Sie kümmert sich um unser Artwork schon seit über 30 Jahren und das ist großartig. Hin und wieder habe ich auch mal eine Idee und die arbeitet sie dann aus und lässt sie besser aussehen. Sie ist professionelle Grafikdesignerin, also tue ich nicht so, als ob ich mehr Ahnung davon hätte als sie. Ich lasse sie einfach ihr Ding machen und das Ergebnis ist immer großartig.
Auf YouTube habe ich eine Homestory von euch gesehen, bei der Mackie ihre Druckerpressen gezeigt hat. Euer Haus ist vollgestopft mit Dingen, die ihr sammelt. Hilft dir das, kreativ zu sein?
Buzz: Das war nur ein Teil von unserem Haus. Es sieht nicht überall so aus. Ich habe immer jede Menge Dinge gemacht, ich bin wirklich kein minimalistischer Typ. Viele Menschen bezeichnen das als Unordnung, ich sehe das nicht so. Ich kann besser arbeiten, wenn ich von Dingen umgeben bin. Klar, kann ich auch in einem leeren Raum arbeiten, aber so will ich nicht mein Leben gestalten. Sie ist eine großartige Druckerin und entwirft viele Dinge, die wir auf unseren Shows verkaufen können, und ich bin froh, dass es so läuft. Wir haben ein sehr gemütliches Zuhause und ich sammle Dinge, weil ich denke, dass es cool ist. Ich lebe schon seit 32 Jahren in Los Angeles. Es ist eine tolle Stadt, ich bin schon lange dort. Manchmal verbringe ich aber auch Zeit in der Wüste von Tucson, Arizona. Geht beides.
Über die Jahre haben viele Künstler aus der Grunge-Szene, aber auch andere Bands wie HELMET, SLEEP oder NEUROSIS die Musik von MELVINS als großen Einfluss für sie bezeichnet. Was sagst du dazu?
Buzz: Das ist natürlich schön. Ich habe aber noch nicht viel Zeit darauf verwendet, darüber nachzudenken. Es freut mich, dass sie bemerkt haben, dass es gut ist, was wir machen. Wunderbar, haha.
Vor über 25 Jahren habt ihr angefangen, eure Platten auf Ipecac Recordings zu veröffentlichen, dem Label von FAITH NO MORE-Sänger Mike Patton und Greg Werckman, der jahrelang bei Alternative Tentacles war. Warum ist es die perfekte Heimat für MELVINS?
Dale: Wir sind mit den Jungs schon lange befreundet und bei ihnen können wir alles machen, was wir wollen. Wenn wir irgendeine dumme Idee haben und das als Platte veröffentlichen wollen, stehen sie hinter uns, haha. Das ist unschlagbar. Wir haben 1999 angefangen, mit ihnen zu arbeiten, als niemand uns haben wollte. Die waren damals in einer ähnlichen Situation wie wir. FANTÔMAS standen gerade in den Startlöchern und niemand wollte ihre Platte rausbringen. Unglaublich, aber wahr. Also haben sie beschlossen, ihr eigenes Label zu gründen. Wir hatten damals die gleiche Überlegung, dann haben sie uns gefragt, ob wir nicht bei ihnen einsteigen wollen, und wir sagten: Na klar. Und das hat bislang super funktioniert.
Buzz: Wir kennen diese Typen schon sehr lange. Wir kommen gut mit ihnen aus. Sie versuchen nicht, Grenzen zu überschreiten oder Dinge größer zu machen, als sie sind. Die machen einfach einen guten Job und ich bin glücklich, bei diesem Label zu sein. Nichts hält ewig, wir werden sehen, wie lange sie uns noch haben wollen. Ich habe keine Ahnung. Das Label passt gut zu uns. Ich mochte schon das erste Label, das sie hatten: Boner Records. Da waren wir auch schon. Diese Typen sind ehrlich, vor allem was die Bezahlung betrifft.
Warum bringt ihr mit MELVINS so viele Platten raus? Ich weiß gar nicht, wie viele es inzwischen sind. Teilweise mehrere in einem Jahr.
Buzz: Das ist einfach, was wir machen. Manche brauchen Jahre, um eine Platte aufzunehmen, und ich frage mich warum. Ich habe keine Ahnung, was die so lange machen. Das sind doch einfach nur Platten, die sind nicht übermäßig wichtig. Ich habe noch nie verstanden, was Bands dazu motiviert, Platten aufzunehmen. Ich schreibe viel Musik, wir müssen sie aufzeichnen. Wir sind in der Lage dazu, also machen wir das. Ich mache es auf eine spezielle Art und Weise und bringe viele seltsame Platten heraus. Ich weiß nicht einmal wie viele, ich denke, es sind inzwischen über 40. Das hängt davon ab, was du als Album bezeichnest.
Wo entstehen die Alben von MELVINS?
Buzz: Wir haben seit mehr als zehn Jahren ein eigenes Studio in Los Angeles. Wir haben dort viele Platten aufgenommen. Wir waren auch in vielen anderen Studios, aber wir arbeiten am liebsten in unserem eigenen Studio mit Toshi Kasai, unserem japanischen Tontechniker und Mischer. Wir fühlen uns dort sehr wohl und er arbeitet sehr schnell. Wir mögen uns und haben dort viele Sachen produziert. Es ist ein toller Ort.
Was ist die Idee hinter den Solo-Platten mit King Buzzo? Da spielst du allein Akustikgitarre und singst.
Buzz: Ich dachte einfach, dass wäre eine lustige Sache. Auf der ersten Platte bin nur ich zu hören. Beim zweiten Album ist auch Trevor Dunn dabei. Der spielt Kontrabass. Vor 12 oder 13 Jahren habe ich eine große Tour nur mit der Akustikgitarre gespielt. Dann kam „Gift Of Sacrifice“ mit Trevor und dazu sollten wir auch auf Tour gehen. Das wurde aber alles wegen der Pandemie gecancelt. Aber letztes Jahr habe ich fast 70 Shows mit Trevor in Amerika und Europa gespielt. Das hat großen Spaß gemacht, vielleicht machen wir das wieder mal.
Wie denkst du über die aktuelle politische Situation in den USA? Hier in Europa ist das ein großes Thema bei den Leuten.
Buzz: Keine Ahnung. Ich denke, letztlich ist keine Regierung schlimmer als die andere. Ich mag keinen dieser Leute. Für mich macht es keinen großen Unterschied, wer gerade im Weißen Haus sitzt. Die sind alle gleich, was mich betrifft. Die Leute können jetzt natürlich sagen, das stimmt nicht, aber mich interessiert nicht wirklich, was andere Leute denken. Ich habe keine Ahnung, was Leute politisch motiviert oder warum sie denken, wie sie denken. Das weiß ich wirklich nicht. Alles, was ich weiß, ist nur, dass sie alle gleich sind. Ich habe auch keine Ahnung, wie die Europäer denken. Ich kann nicht beurteilen, wie gerade das Verhältnis Europas zu den USA ist. Ich beschäftige mich nicht damit. Mir ist auch gleichgültig, wie die Leute in den Staaten denken. Ich versuche nur, mein Leben zu leben und gut durchzukommen. Wenn du eine politische Positionierung von mir erwartest, bist du an den Falschen geraten.
Was kommt als Nächstes von MELVINS?
Buzz: Bei Ipecac wird es ein Album geben, das wir zusammen mit NAPALM DEATH aufgenommen haben. Eine Kollaboration, die im April 2026 erscheint. Außerdem wollen wir dieses Jahr noch ein neues eigenes Album mit den zwei Drummern einspielen. Das ist aktuell der Plan. Eins ist also schon fertig und eins wollen wir erst noch aufnehmen.
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