PEACE OF MIND

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Ihrer Zeit voraus

Zeitgemäßer Hardcore muss nicht immer aus Nordamerika kommen. Den Beweis dafür liefern etwa die Thüringer PEACE OF MIND mit ihrem zweiten Studioalbum „Blood Is The Price“. Wir sprechen mit Bassist Patrick Stolzmann über die Entwicklung der Band und die Entstehung der Platte.

Hardcore ist in den letzten Jahren immer härter geworden. Fast könnte man meinen, ihr wart dem Trend voraus. Wie siehst du das?

Für uns war von Anfang an klar: die Musik muss energiegeladen sein, moshig, live kraftvoll. Schon auf der ersten EP war das so. Zwei Songs von damals haben wir jetzt für das Album neu aufgenommen – und die sind gar nicht so weit weg vom aktuellen Sound. Nur bei unserem Debüt sind wir etwas von dieser Schiene abgekommen, da war mehr Metal-Einfluss drin. Aber grundsätzlich: Härte und Energie waren immer unser Ding, egal ob Trend oder nicht.

Trotz Härte sind eure Songs richtige Lieder – nicht nur Breakdowns, Riffs und Moshparts. Habt ihr beim Schreiben immer ein Ziel oder ist das eher spontan?
Danke, das freut mich, dass dir das auffällt! Wir versehen unsere Songs bewusst mit Struktur, Eingängigkeit ist uns wichtig. Pop ist ein guter Vergleich: auch wir wollen Strophe, Refrain, Wiedererkennung. Beispiel „Burned alive“: klassisch aufgebaut, aber mit Variationen, damit’s spannend bleibt. Klar, wir haben auch mal Songs ohne klassisches Schema, aber im Kern geht’s uns immer um Energie und Eingängigkeit.

Wie schreibt ihr? Klassisch im Proberaum?
Am Anfang habe ich die Riffs daheim geschrieben und dann im Proberaum ausprobiert. Beim neuen Album war’s experimenteller, weil unser neuer Drummer auch Ideen eingebracht hat. Viel lief über Discord, weil unser Sänger nicht in Erfurt wohnt. Wir haben die Songs online gebastelt und live über Discord ausprobiert.

Ihr habt das Album bei Taylor Young aufgenommen, ein krasser Produzent. Wie kam es dazu?
Taylor ist ein Vollprofi im Hardcore- und Metal-Bereich, er spielt und produziert einfach auf Top-Level. Bands wie MINDFORCE, DRAIN oder TWITCHING TONGUES – das ist genau der Sound, den wir wollten. Wir haben ihm Anfang 2024 geschrieben, er war direkt begeistert, dass wir extra aus Deutschland kommen wollten. Er hat uns super unterstützt, auch als er sein Studio wechseln musste. In Los Angeles haben wir dann in sechs Tagen zehn Songs eingespielt – mit Instrumenten, die wir vor Ort ausgeliehen haben, teils sogar legendäre Stücke. Das war schon richtig besonders.

Wie sehr hat Taylor Young sich in den Prozess eingebracht?
Sehr. Er hat uns erst mal spielen lassen, dann Vorschläge gemacht. Er wusste immer genau, welchen Sound er will – manchmal hat er auch einfach gesagt: „No!“, haha, wenn wir was anderes wollten. Aber genau das war uns wichtig, wir wollten ja seinen Sound, seine Philosophie.

Beim ersten Album fand sich ein roter Faden in den Texten. Gibt es das diesmal auch?
Weniger. „Penance“ war thematisch dichter. Das neue Album hat mehr klassische Hardcore-Inhalte: soziale Fragen, der Kampf mit sich selbst, das Streben nach Seelenfrieden – das Grundthema unserer Band.

Wie habt ihr die Features ausgewählt?
Alles Connections aus der Szene. Wir wollten Leute dabei haben, mit denen wir befreundet sind oder die wir über die Jahre gut kennen. Hardcore lebt von internationalen Verbindungen. Mit Jem Siow und SPEED hat es direkt geklickt, wir haben viel Zeit miteinander verbracht, Shows gespielt, sind in Kontakt geblieben. RISK IT kennen wir seit über zehn Jahren. Und BLOSSOM DECAY sind einfach Leute aus der Szene, die wir sehr schätzen.

Und wie läuft das textlich bei den Features? Gebt ihr den Text vor?
Wir suchen die passende Stelle aus, schicken ihnen den Songtext, und lassen den Leuten ansonsten jede Freiheit. Meist passt es sofort, wie beim SPEED-Feature. Manchmal gibt’s kleine Anpassungen, aber wir wollen, dass es für die Person auch stimmig ist. Bei Emmie von BLOSSOM DECAY zum Beispiel haben wir das Feature an einer unüblichen Stelle platziert – aber genau das macht’s spannend.

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