
Punks und die Polizei – das Thema schlechthin. Die Exekutivorgane und die Bunt- und Stachelhaarigen, das war immer schon wie Feuer und Eis, Hund und Katze, Katze und Maus: ständige Konflikte, Reibereien, Schikanen, auch Gewalt – und in Reaktion darauf Myriaden von Songtiteln und -texten sowie Bandnamen und Plattencover.
Man denke nur an MILLIONS OF DEAD COPS oder das legendäre „Polizei SA SS“ von SLIME und gefühlt hunderte Songs über „police violence“. Punks wollten und wollen Spaß, versammeln sich ungeordnet und Alkohol konsumierend an öffentlichen Orten, machen Lärm oder feiern zu lärmiger Musik, mögen Regeln und Gesetze nur so semi und lassen sich ungern was sagen oder gefallen. Und Uniformen – außer die eigenen – mögen sie auch nicht. Genau wie staatliche Obrigkeiten generell, die wiederum das Aufrührerische, Chaotische und Regellose an Punk nicht mögen. Plus: Punks sind optisch immer markant, somit waren sie schon aus diesem Aspekt heraus immer leichte Opfer und schnell Ziel staatlicher Repression. Siehe auch die (illegale) „Punkerkartei“ der Hannoveraner Polizei in den 1980ern.Und war das Verhältnis zwischen Obrigkeit und Bürger:innen in demokratischen Staaten zumindest vom Grundsatz her geregelt, waren und sind Punks in Diktaturen wie der DDR sowie religiös-konservativen Staaten noch stärkerer und eindeutigerer Unterdrückung ausgesetzt, wurden und werden diese als Staatsfeinde mit geheimdienstlichen und polizeilichen Mitteln drangsaliert. Die anarchische Grundattitüde, die Verquickung mit der Hausbesetzerbewegung, nicht immer gewaltfreier Aktivismus etwa gegen Rechte, generell der vielfach vertretene Wunsch nach einem Leben frei von Herrschaft, Repression und engen Regeln, das vertrug (und verträgt) sich nicht mit den Aufgaben und dem Selbstverständnis eines Berufsstandes, der auch als „Ordnungshüter“ bezeichnet wird.Folglich kam und kommt es dazu, was oft verharmlosend als „Katz-und-Maus-Spiel“ bezeichnet wird: Wer Polizeiknüppel und Kabelbinder am eigenen Leib erfahren hat, wer Anzeigen, Geld- und Haftstrafen als staatliche Sanktionierung erlebt hat, kleinliche Schikanen bei Personen- und Fahrzeugkontrollen, der will nicht mehr so recht glauben, dass „die Polizei“ eine neutrale Institution ist. Woraus dann der Slogan „ACAB“ und der Zahlencode 1312 resultierten: All cops are bastards. Wirklich alle Polizisten? Da verschwimmen dann die Grenzen. Über die Jahre gab und gibt es immer wieder mal Berichte über Polizist:innen in Punkbands und Punk-Strukturen, aber im Wissen um den Zwiespalt wird das eine wie das andere im jeweiligen Kontext kaum mal öffentlich. Die Toleranz dafür hat auf beiden Seiten ihre Grenzen.
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #183 Dezember 2025/Januar 2026 2025 und Joachim Hiller