RENT A COW

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Interview mit Tom Tonk

Ein Phänomen in Deutschland ist, dass es eine unglaublich große Punk/Hardcore-Szene und massig großartige Bands gibt, allerdings von den Plattenkäufern die eigenen Gewächse völlig links liegen gelassen werden. Kritiken deutscher Bands in ausländischen Zines sind häufig überschwänglich. Den sogenannten reinen Konsumenten in unseren Breitengraden geht dies aber meist völlig am Arsch vorbei. Da steht der Konsument allerdings nicht alleine da. Die großen Vertriebe, die sich ein verlogenes „alternativ“ auf ihre Fahnen schreiben, fördern kaum die eigene Kultur. Wenn dies dann doch geschieht, dann meist mit Bands, die sich durch peinliche Texte und/oder trendy Deutsch-HipHop auszeichnen. Aus den Staaten darf jedes Dreckslabel von Vertrieben vom Schlage Efa profitieren. Man denke nur an Langeweiler-Label wie Simple Machines und ähnliche Lacherfolge. So passiert es den jungen und guten Bands aus unseren Breitengraden schon mal häufiger, dass sie 'ne Absage bekommen, weil sie zu gut sind. Traurig aber wahr: Viele Bands haben zu viel Klasse, zu viele eigene Ideen, zu viel Witz und Originalität, um für kleine Labels ein kostendeckendes "Geschäft" zu sein. Da machen manche Labels lieber schon ne Mittelmaß-Combo aus den Staaten, damit sie sich den Luxus, eine deutsche Band mit englischen Texten, auch mal leisten können. Ärgerlich nur, dass die Mitglieder dieser Bands meist auch zu den Leuten gehören, die diese Szene in der BRD so groß gemacht haben und so den Nährboden für kommerziell erfolgreiche Bands aus den Staaten geschaffen haben. Zu diesen Leuten gehören auch RENT-A-COW, die mit ihrer eigenwilligen Mischung aus Punkrock der Marke „Kick Ass“ und CountryMucke die meisten Herzen vom ersten Takt an höher schlagen lassen. Tom Tonk , seines Zeichens RENT-A-COW-Sänger und Macher des legendären HULLABALLOO-Fanzines, gehört normalerweise zu den Leuten, die immer gute Miene zum bösen Spiel machen und schwer lustige Interviews geben. Dieses hier, das er mit Mona (ebenfalls Sängerin) gab, trägt zunehmend zynische Untertöne in sich. Und wenn die Bombe weiter so tickt, dann kann es sein, dass diese Leute bald ein neues Schiff chartern und das alte den Ratten Sony und ähnlichen Punkrockern überlassen. Also nicht meckern, wenn andere so langsam die Schnauze voll haben.

Wie erklärt ihr euch euren unglaublichen Erfolg?
Wir konnten es selber kaum glauben, aber anscheinend hat sich das Publikum an Deutsch- und Oi!Punk allmählich satt gehört. Bands wie SLIME und ...BUT ALIVE verkaufen heute keine 200 Einheiten mehr, wogegen international ambitionierte Acts wie LA CRY, LOST LYRICS, X-VISION oder eben auch wir momentan von dem Run auf alles Fremdrassige profitieren.

Ist das Publikum anspruchsvoller geworden?
Seitdem wir auf dem Markt sind, ja! Viele verlassen bereits nach fünf Minuten ihren angestammten Sitzplatz, 3. Reihe Parkett, um sich noch vor dem Pausentee mit Erfrischungstüchern abzukühlen. Aber dass in Deutschland seit der Einführung von MTV und VIVA bevorzugt Bands mit Substanz von der enormen Kaufkraft sweatshirttragender Punks profitieren, sieht man ja an Eckpfeilern der Popkultur, wie Biohasi, Henry Rollins und David Hasselhoff. Wenn solche Acts mehr als 100 Platten in Europa absetzen, zeigt das, dass die Notwendigkeit für den Punkrock nicht mehr gegeben ist.

Spaß beiseite, wenn euch jeder Großvertrieb ablehnt und Platten von Smegma wie Bargeld sind, ist das doch wohl ein Armutszeugnis für den Punkrock und das Publikum.
Was soll die Untertreibung? Ein Großteil, der angesagten deutschen Bands ist einfach nicht erwähnenswert. Nimm zum Beispiel Smegma, Rykers oder Anarchist Academy. Solange man Scheiße gut promotet, finden sich immer wieder genügend Leute, die zu wenig Profil oder Mut haben, gegen irgendwelche Werbemechanismen anzustinken und zu sagen: „Schön und gut, aber ich höre, was ich will - egal ob Punkrock, Hardcore oder CountryMusik.“ Wenn dem so wäre, würden auch qualitativ hochwertige Bands wie GERM ATTACK, LA CRY, 3'0 CLOCK HEROES oder YETI GIRLS die Akzeptanz finden, die ihnen zusteht. Ich habe fast schon den Eindruck, dass innerhalb Deutschlands folgende Regel gilt: „Je höher die Qualität, desto schlechter der Verkauf. Und umgekehrt.“ Bands wie TERRORGRUPPE oder auch ...BUT ALIVE mal ausgenommen. Anscheinend weiß das Ausland die Klasse einiger deutscher Bands mehr zu schätzen, als die eigene Szene. Bands wie LA CRY gehen mit den SLOPPY SECONDS auf Amerika-Tour, GIGANTOR spielen in Japan, JIMMY KEITH & HIS SHOCKY HORROR verkaufen in Japan und den USA vergleichsweise mehr Platten als in Deutschland. Wie war eigentlich die Frage?

Hättet ihr dann mit RENT-A-COW jemals starten sollen. War es nicht von vorneherein eine Floppgarantie?
Na klar, deswegen haben wir die auch dem PLASTIC BOMB untergejubelt. Was soll man dazu sagen?

Wenn ihr schon von Qualität redet: Könnte man nicht sagen, dass ihr auch nur belanglosen Funpunk macht?
Könnte man sagen. Es geht bei uns aber mehr um Stimmungen. Cowpunk ist wohl das ungeeignete Mittel, um politische Statements unter das Volk zu bringen. Musik und Text sollten nach Möglichkeit eine Einheit bilden, was auch der Grund dafür ist', dass wir englische Texte benutzen. Unsere Vorbilder sind halt Johnny Cash, BLOOD ON THE SADDLE, die alten VANDALS oder X, und nicht EXPLOITED, SLIME oder Wolf Biermann. Das heißt natürlich nicht, dass wir nur fröhliche Lieder auf der Pfanne haben. „Solo farming ain't no fun“ zum Beispiel handelt davon, wie sich ein abgewirtschafteter Bauer fühlt, dem aus Frust vor dem ganzen Agrarmist Frau und Kinder davon gelaufen sind, das Vieh sanft entschlummert und der Herr Bauer zu guter letzt Schaffner werden muss. Mit Sicherheit könnte man derartige Problematiken vielleicht auch in Deutsch singen, was uns zumindest breitere Hörerscharen garantieren würde. Trini Trimpop z.B. ist ja der Meinung, dass RENTA-COW mit deutschen Texten auf dem heimischen Punkrockmarkt die Granate schlechthin wären.

Das sieht man ja an euren Labelkollegen von EISENPIMMEL, die ja qualitativ unter aller Sau sind, aber wegen ihrer deutschen Texte der Selbstläufer des Labels überhaupt sind.
Genau! Das macht die EISENPIMMEL-Sache unserer Meinung nach auch sehr sympathisch. Sie sind der beste Beweis für den miserablen Zustand unserer Szene. Das heißt natürlich nicht, daß wir EISENPIMMEL nicht mögen. Das ist uns laut Vertrag auch verboten. Aber ich kann mir vorstellen, dass ein Teil der EISENPIMMEL-Käufer die Ironie, die dahinter steckt, überhaupt nicht blickt. Aber das ist nicht schlimm, denn diese Leute hören auch guten Gewissens Realsatiren wie DIMPLE MINDS oder HANNEN ALKS.

Wechseln wir mal das Thema. Ihr seid ja nur am Rumhetzen. Mit dem peinlichen Interview im PLASTIC BOMB vor einem Jahr habt ihr euch ja selbst als ziemlich sexistische Blödmänner geoutet.
Ja. Wir haben damals versucht, uns ein anderes Image aufzubauen, wegen unserem Manager.

Und den habt ihr jetzt raus gekickt?
Du wirst lachen: Eine Woche nach Erscheinen des besagten PLASTIC BOMBS fand man ein herrenloses Geschlechtsteil in Duisburg-Wanheimerort, das nicht wieder angenäht werden konnte. Seit diesem Tag sind wir etwas vorsichtiger mit unseren Äußerungen, denn wir wollen ja keinem weh tun.

O.k., ihr wollt offensichtlich nicht anständig darauf antworten. Ihr habt zwar fast nur gute Kritiken bekommen - eure Platten werden aber trotzdem nicht gekauft. Wäre es dann nicht besser das Feld zu räumen und aufzuhören?
Für wen sollten wir das Feld räumen? Für Garth Brooks? Für ABSTÜRZENDE BRIEFTAUBEN? Für HANSAFRONT? Solange wir die einzigen sind, stehen wir auch in einer gewissen Verpflichtung gegenüber den Leuten, die unsere Platten nicht haben wollen, solange sie nicht für 36 DM bei WOM stehen. Unsere Platten sind noch nicht teuer genug.

Sonst noch alles im Lot? Sind 20 DM für 'ne CD ein Fehler?
Die ist aber auch nur so billig, weil das Booklet schlampig gemacht wurde und zwei Bonustracks von LUDICHRIST und SCHLAPPSHOT drauf sind. Also codiert, nicht direkt jedem zugänglich. Nur wenn man sie rückwärts abspielt. Da sind die meisten aber zu doof zu.

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