© by Sean StoutWer irgendetwas mit US-Hardcore am Hut hat, wird wahrscheinlich schon mal von SCOWL gehört haben. Sie entwickeln sich aktuell gefühlt zur Lieblingsband der Lieblingsband und können bereits Musikgrößen wie Dave Grohl, Fred Durst oder Post Malone zu ihren Fans zählen. Mit ihrem neuen Album „Are We All Angels“ dürfte die Band aus Kalifornien einen weiteren großen Schritt ins Rampenlicht machen und auch außerhalb der Szene mehr Menschen für ihre Musik begeistern.
Als verhältnismäßig junge Band seid ihr schnell gewachsen und habt bereits eine Menge Aufmerksamkeit erregt. Wie habt ihr euren Aufstieg seit der Gründung 2019 wahrgenommen?
Kat: Jede einzelne Erfahrung, die wir als SCOWL in den vergangenen sechs Jahren gemacht haben, war ein glücklicher Zufall. Keiner von uns hat erwartet, dass die Band überhaupt „aufsteigt“, also war es für uns eine extrem erfreuliche Überraschung.
Malachi: Wir dachten, dass wir ein paar lokale Konzerte spielen und irgendwann vielleicht auf Tour zu gehen würden. Wir hatten einfach nur Spaß daran, mit Freunden gemeinsam Musik zu machen. Alles, was uns widerfahren ist, war so cool und wir sind einfach nur begeistert davon. Wir hatten nie die Erwartung, irgendetwas davon zu tun und sind so dankbar für jede Gelegenheit, die sich uns bietet und die wir bekommen haben. Das Ganze ist wie ein Wirbelwind.
Mikey: Wir touren seit Jahren ununterbrochen und obwohl wir für jede Gelegenheit dankbar sind, die sich uns bietet, fühlt es sich trotzdem an wie ein Hauptgewinn, wenn man gebeten wird, zum Beispiel bei „Flogging Molly’s Salty Dog Cruise“ dabei zu sein und auf einem Kreuzfahrtschiff zu spielen.
Ihr bekommt aktuell viel positive Kritik von den Medien und auch anderen Bands und Artists. Überwiegt bei euch die Freude oder verspürt ihr auch ein bisschen Druck?
Kat: Freude und Druck gehen Hand in Hand! Aber nichts geht über das unglaubliche Gefühl, mit ein paar meiner besten Freunde durch die Welt zu touren.
Mikey: Es ist definitiv verrückt, plötzlich Leute aus Bands zu treffen, zu denen man sein ganzes Leben lang aufgeschaut hat. Noch verrückter ist es, wenn man sie kennenlernt, weil sie deine Band mögen. Und noch verrückter ist es, wenn das auf einem Kreuzfahrtschiff passiert.
Malachi: Ehrlich gesagt sind wir einfach nur begeistert, dass wir Konzerte spielen und touren können. Es ist cool, wenn Mitglieder anderer Bands, die du respektierst, Fans deiner Musik sind, aber das Ziel ist immer nur die Musik zu machen, die uns gefällt, und wenn andere sie auch mögen, ist das ein toller Bonus.
Euer neues Album klingt deutlich melodischer als euer Debüt „How Flowers Grow“, besonders hinsichtlich Vocals und Songstruktur. Kat hat im „The First Ever“-Podcast von Jeremy Bolm erzählt, dass sie ein großer Fan von Popmusik ist. War das einer der Hauptgründe für diese Entwicklung?
Kat: Auf jeden Fall! Ich höre genauso viel Popmusik wie Alternative Rock und Punk.
Mikey: Ich erinnere mich, dass Kat sich das Ziel gesetzt hatte, bei jedem Song des Albums zu singen – und genau das hat sie auch getan. Ich bin jetzt seit zwei Jahren Teil der Band und das war das erste Projekt, an dem ich für SCOWL mitgeschrieben habe. Allgemein ist „Are We All Angels“ eine echte Teamarbeit, denn jedes einzelne Mitglied der Band hatte den gleichen Anteil beim Schreiben der Songs.
Malachi: Jeder in der Band hat einen anderen Musikgeschmack. Zu Beginn hatten wir alle nicht viel musikalischen Hintergrund, was das Spielen angeht. Ich denke, in dem Maß, in dem wir besser wurden, konnten wir uns auch daran machen, Songs zu schreiben, die von unseren anderen musikalischen Prägungen beeinflusst waren. Wir haben melodischere Stücke geschrieben, was aber bereits auf „How Flowers Grow“ angefangen hat, so dass wir nie wirklich von dem abgewichen sind, was wir immer gemacht haben. Wir mögen es einfach, zu experimentieren und als Musikmachende zu wachsen.
Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr mit dieser Art von Sound eine größere Hörerschaft erreicht. Inwieweit war das in euren Köpfen, als ihr mit der Arbeit an dem Album angefangen habt?
Malachi: Überhaupt nicht! Wir wollten einfach gute Songs schreiben und jedes Album entsteht natürlich aus dem, was wir zu dem Zeitpunkt fühlen. Wenn es vielen Leuten gefällt und sie anspricht, dann ist das ziemlich cool, aber wenn nicht, ist das auch okay.
Kat: Es war nicht wirklich ein ausgearbeitetes Konzept – eher ein Gefühl. Ich wusste schon beim Schreiben, dass ich mehr singen werde, aber ich hatte nicht erwartet, wie es sich am Ende entwickeln würde.
Mikey: Wir haben nie wirklich etwas geplant. Die Soundanpassung ist nur das Produkt davon, dass wir nonstop touren und dadurch auf unseren Instrumenten und im Songwriting einfach besser werden.
Ich würde gerne ein passendes ein Zitat von euch hinzuziehen: „In unserem Kern sind wir eine Punk- und Hardcore-Band, unabhängig davon, wie sich der Song entwickelt und verändert“. Hattet ihr jemals das Gefühl, dass ihr euch vor irgendwem für das, was ihr tut, rechtfertigen müsst?
Kat: Ja, die ganze Zeit! Aber das gehört einfach dazu. Ich persönlich lasse die Kunst für uns sprechen!
Malachi: Nicht wirklich. Die Leute sollen denken, was sie wollen, aber wir sind, wer wir sind. Wir kommen aus dem Hardcore und das ist die Szene, für die wir immer brennen werden.
Mikey: Wir müssen niemandem einen Scheiß erklären. Wenn du es verstehst, verstehst du es, und wenn nicht, dann liegt es an dir.
Kat, du hast auch gesagt, dass du dich beim Singen oft unsicher fühlst. Jetzt bringt ihr ein Album raus, auf dem deutlich mehr gesungen wird. Inwieweit hat dir die Platte auch bei deiner persönlichen Entwicklung geholfen?
Kat: Die Platte hat mir dabei geholfen, Vertrauen in meinem Stimmumfang und meine Skills als Songwriterin zu fassen. Mit jedem Release möchte ich mich ins Feuer stürzen, mich herausgefordert fühlen und dadurch wachsen.
Gab es besondere musikalische Einflüsse zwischen euren beiden Alben „How Flowers Grow“ und „Are We All Angels“, die ihr nennen könnt?
Kat: „How Flowers Grow“ wurde von Hardcore-Bands wie NEGATIVE APPROACH, CEREMONY und THE STOOGES inspiriert, während Bands wie MY CHEMICAL ROMANCE, FALL OUT BOY, FUGAZI und NIRVANA Teile von „Are We All Angels“ beeinflusst haben.
Ihr habt wie bei eurem Debüt wieder mit der Produzenten-Legende Will Yip zusammengearbeitet. In welcher Hinsicht macht er euch als Band besser?
Kat: Will Yip ist unglaublich! Er kann alle für ein Projekt und die Arbeit daran begeistern. Er hat kein Problem damit, einem die Wahrheit zu sagen und tief in den Kern jedes einzelnen Songs vorzudringen.
Der Titel eures neuen Albums basiert auf einem Gedicht, das du, Kat, geschrieben hast. Was bedeutet „Are We All Angels“ für dich?
Kat: „Are We All Angels“ ist eine Frage ohne richtige Antwort. Sie soll die Menschen dazu ermutigen, in sich selbst hineinzuschauen und zu überdenken, woraus sie gemacht sind und wie sie durchs Leben gehen.
In und auch neben der Musik setzt ihr euch für Vielfalt und die LGBTQ-Community ein. Was ist das schönste Feedback, das ihr diesbezüglich bisher von Fans bekommen habt?
Kat: Ich wünschte, ich hätte ein gutes Gedächtnis für Fragen wie diese. Ich könnte jedes schöne Gespräch aufzählen, das ich bereits bei unseren Shows hatte. Am liebsten höre ich, wenn Leute sagen, dass sie sich von mir ermutigt fühlten, sich als Femme zu präsentieren, sich zu schminken und ein Kleid oder ein hübsches Outfit zu Hardcore-Shows anzuziehen.
Kat, du hast mal gesagt, dass ihr die Band ohne große Erwartungen gegründet habt. Wie sieht es jetzt aus? Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr über die Zukunft eurer Band nachdenkt?
Kat: SCOWL haben jetzt viel mehr Ehrgeiz – aber immer noch die gleiche Energie und Motivation, einfach rauszugehen und mit den Songs Hütte die abzureißen. Unterm Strich haben wir nur sehr geringe Erwartungen. Es geht um Spaß und Hardcore und das wird immer so bleiben.
© by Fuze - Ausgabe #111 April/Mai 2025 und Christina Kiermayer
© by Ox-Fanzine - Ausgabe #179 April/Mai 2025 und Moritz Friedenberg