© by Jan TryggSWEATMASTER aus dem finnischen Turku gründeten sich 1998 als Trio und veröffentlichten bis zu ihrer Auflösung 2011 vier Alben und ein gutes Dutzend Singles und EPs auf diversen Labels, die sich allesamt durch einen ganz besonderen Drumdrive in ihrem Garagesound von der Konkurrenz abhoben. Nach dem Ende von SWEATMASTER veröffentlichte das Trio 2016 zusammen mit einem weiteren Gitarristen ein Album unter dem Bandnamen LOST BOOTS. Seit einiger Zeit sind SWEATMASTER wieder aktiv, spielen sporadisch Konzerte und bringen nun via Svart Records ein neues Album auf den Markt namens „More!“. Sänger/Bassist Sasu nahm sich die Zeit, uns ein paar Fragen zu beantworten.
Ich habe mir eben noch das Video zu eurem neuen Song „Destroyer“ angeschaut. Wie viele Drumsticks habt ihr beim Dreh verbraucht? Der komplette Fußboden ist mit zerbrochenen Drumsticks bedeckt.
Haha, ja. Eigentlich waren es nur zwei Paar. Der Bruder unseres Schlagzeugers ist auch Drummer und er zerstört jede Menge Drumsticks beim Proben. Er sammelt sie in einer großen Kiste und wir haben diese dann ausgeschüttet.
Er übt im gleichen Proberaum?
Ja. Es ist ein Luftschutzbunker. Es gibt hier ein Gesetz, das besagt, dass es alle drei Wohnblocks oder so einen Luftschutzbunker geben muss. Einige davon dürfen von Bands als Proberaum genutzt werden und wir teilen uns einen.
Die Songs auf dem neuen Album sind alle sehr treibend und Schlagzeug-lastig. Wie komponiert ihr? Den Beat zuerst und dann den Rest?
Ich habe heute noch mit Matti, unserem Drummer, gesprochen. Er sollte eigentlich auch am Interview teilnehmen, aber es hat zeitlich nicht hingehauen. Ich bereite neue Songs üblicherweise vor, bevor wir sie einstudieren. Er bekommt dabei keinerlei Vorgaben von mir, sondern kann spielen, was er möchte. Er ist ein wirklich guter Schlagzeuger und ich habe davon keinerlei Ahnung. Was er zu meinen Ideen spielt, klingt für mich immer gut. Er hat einen harten Punch, was unserem Stil sehr zugute kommt.
Ihr drei spielt ja seit über 25 Jahren zusammen. Könntest du dir vorstellen, auch mit anderen Musikern gemeinsam Musik zu machen oder klappt das nur mit den beiden anderen, da ihr euch blind versteht?
Wir spielen durchaus auch schon mal mit anderen Leuten, aber SWEATMASTER war immer unsere Hauptband. Und ja, es wird wirklich leichter, Songs zu schreiben, wenn man so lange zusammen ist, wie wir es sind. Es gibt keinerlei Druck und man kennt die anderen richtig gut. Das ist schon eine gute Arbeitsgrundlage.
In „Easy“ heißt es: „I could be the president of the United States.“ Ist das nur eine Phrase oder auf den aktuellen Präsidenten gemünzt?
Es ist nicht politisch gemeint. Ich habe einen Sohn, und wenn wir zum Beispiel einen 100 Meter-Lauf bei den Olympischen Spielen im Fernsehen schauen, meint er immer, dass er es schneller hinbekommen würde. Und im Internet gibt es doch immer Stimmen, egal bei welchem Thema, die behaupten, alles besser zu können. Der Text bezieht sich auf diese kindliche Angeberei. Selbst wenn du mit jemandem diskutierst, der eine Sache schon seit 30 Jahren macht, kannst du behaupten, es besser zu können, wenn du arrogant genug bist und diese trotzige Kinderhaltung einnimmst.
Bezieht sich „Spring that never ends“ auf die langen finnischen Winter?
Es gibt Leute in Finnland, die die dunkle Jahreszeit wirklich mögen. Der Frühling geht einigen auf die Nerven, da es immer heller wird. In dem Song versuche ich, solche Dinge zusammenzuführen. Meine Frau mag beispielsweise den Sommer nicht und hasst daher den Frühling, weil danach der Sommer kommt. Sie mag die Dunkelheit mehr. Darum geht es.
„Tail down“ erinnert mich wegen der sehr melancholischen Melodien ein wenig an HIM.
Ja, ich verstehe, was du meinst. Das ist so eine melancholische Melodie, die vielen Finnen leicht aus der Feder kommt. Eigentlich wollen wir gar nicht so klingen, aber manchmal passiert es uns einfach, haha.
Der kürzeste Song auf dem Album heißt „Police bastard“, ein typischer Punktitel.
Das war das letzte Lied, das wir für „More!“ geschrieben haben. Irgendwie fehlte uns noch etwas Aggressives auf dem Album und wir hatten ihn an einem Abend fertig. Der Text ist inspiriert von einer Maus, die ich aus unserem Haus vertreiben musste. Kommt vor, wenn man in einem Haus lebt. Ich wollte dazu eine Story in der Art des Films „Bad Lieutenant“ mit Harvey Keitel schreiben und dann mit Spielzeugtieren nachstellen. Eigentlich ergibt der Text keinen Sinn, haha.
Lass uns ein wenig über die Vergangenheit von SWEATMASTER sprechen. Warum habt ihr euch 2011 aufgelöst?
Wir hatten einfach das Gefühl, als Band alles gesagt zu haben. Zusätzlich wurden andere Dinge in unseren Leben wichtiger. Kinder wurden geboren. Uns gingen schlicht die Ideen aus und wir dachten, dass es ein guter Zeitpunkt sei, die Band zu Grabe zu tragen. Es gab keinerlei Pläne, irgendwann einmal weiterzumachen. Einige Zeit später haben wir eine neue Band gegründet, weil wir einen anderen Sound spielen wollten. Wir drei mit einem weiteren Gitarristen, Tomi. LOST BOOTS hieß die und es stellte sich heraus, dass wir uns gar nicht so sehr vom Sound von SWEATMASTER entfernt hatten. Wir wollten auf Finnisch singen, aber das hat sich nicht natürlich angefühlt. Wenn du als Sänger jahrelang auf Englisch gesungen hast, dann fällt dir das Singen in einer anderen Sprache schwer, auch wenn es deine Muttersprache ist. Zumindest war es bei mir so. Wenn ich Musik auf Finnisch höre, dann achte ich auch auf den Text. Ich hatte einfach nicht so viel zu sagen. Englisch kann ich viel rhythmischer einsetzen.
Englisch ist ja auch immer noch die Sprache des Rock’n’Roll.
Ja, genau. Ein bisschen was habe ich zwar schon zu sagen, aber das Feeling eines Songs ist mir dann doch wichtiger und das geht mir auf Englisch einfach leichter von der Hand.
Es gibt einige Bands, die sich, wenn die Musiker um die 30 Jahre alt sind, auflösen, weil Kinder ins Spiel kommen und so. Wachsen diese heran, wird die Band reaktiviert.
Haha, ja, was das anbelangt, sind wir nicht besonders originell.
Als ihr SWEATMASTER vor einiger Zeit wiederbelebt habt, gab es da sofort Pläne für ein neues Album?
Nein, es war ein reines Spaßprojekt. Wir wollten einfach wieder gemeinsam Musik machen und vereinzelt Shows spielen. Allerdings haben wir es immer schon gemocht, neue Musik zu schreiben, da wir nicht immer nur die gleichen alten Lieder spielen möchten. Das langweilt uns. Im Proberaum neue Ideen auszuprobieren, gehört mit zum Besten an einer Band.
Hat sich im Bandgefüge nach der langen Pause verändert?
Es macht ganz klar noch mehr Spaß als früher. Ich denke, dass wir es heute mehr zu schätzen wissen, dass wir uns treffen und Ideen austauschen können. Es fühlt sich irgendwie besser an und es herrscht kein Druck mehr wie früher.
Wie oft probt ihr?
Einmal die Woche und ich dringe immer darauf, dass wir da an neuen Songs arbeiten. Immer die alten Sachen spielen würde uns langweilen. Das tun wir nur, wenn wir uns auf ein Konzert vorbereiten.
Im letzten Ox-Interview hieß es, dass ihr eure letzte Show 2011 in Berlin gespielt hättet. War eure erste nach der Neugründung auch wieder in Berlin?
Nicht ganz. Wir haben zuerst auf einer Geburtstagsparty eines guten Freundes gespielt, danach kam ein Festival und unser drittes Konzert war schließlich in Berlin.
Eine dämliche Frage, aber ist euer Bandname SWEATMASTER irgendwie vom finnischen Volkssport Saunieren inspiriert?
Haha, das wäre eine interessante Deutung. Es ist aber so: Auf dem Album „Orange“ von THE JON SPENCER BLUES EXPLOSION gibt es den Song „Sweat“, nach dem wir uns zu Beginn benannt haben. Als wir unser erstes Demo aufgenommen haben, damals noch auf Band, gab es dieses Mastertape, wo unser Name SWEAT dazugeschrieben wurde. Wenn man das hintereinander liest, heißt es SWEATMASTER, was uns gefiel, also behielten wir diesen Namen bei. Das hat was von Muckibude, passt auch irgendwie zu unserem schweißtreibenden Sound und verkörpert auch unsere Haltung als Band.
Gute finnische Bands gibt es ja viele. Welche Bands sollte man deiner Meinung nach aktuell austesten?
Da würde ich als Erstes KUOLEMANKELLO nennen, die andere Band unseres Drummers Matti. Die haben erst letzten Herbst ihr erstes Album veröffentlicht, auch bei Svart. Dann die JOLLY JUMPERS, eine alte, aber immer noch aktive Band, die richtig toll ist. Wenn du es abgefahren magst, dann höre dir unbedingt TEKSTI-TV 666 an. Das ist eine Krautrock-Partyband mit fünf oder mehr Gitarristen. Zu guter Letzt empfehle ich URSUS FACTORY. Ein Duo, das live unfassbar gut ist.
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