© by Archiv S.Y.P.H.Sehr viele überregionale Beiträge zur Musikgeschichte hat die bei genauerer Betrachtung über die Jahrzehnte doch sehr rege Solinger Rockmusikszene nicht hervorgebracht, aber jenseits von ACCEPT, JET BUMPERS, EMBRYONICS und RAUSCH sind historisch gesehen und im größeren Rahmen nur S.Y.P.H. in Erinnerung geblieben. Die waren anno 2002 durch die legendäre Düsseldorfer Ausstellung „Zurück zum Beton“ zurück in die Wahrnehmung katapultiert worden.
S.Y.P.H. waren seinerzeit mit MALE und MITTAGSPAUSE eine „der“ Bands aus dem Ratinger Hof und veröffentlichten ihr titelloses Album 1980 auf dem Pure Freude-Label von Carmen Knoebel. Mit dem waren sie ihrer Zeit schon weit voraus, denn während andere Punk damals sehr simpel und direkt umsetzten, merkte man ihrem Album (speziell retrospektiv) den konzeptionell-künstlerischen Ansatz an in jener Zeit, als NDW sich gerade in Stellung brachte. Mit „Zurück zum Beton“ und „Lachleute & Nettmenschen“ schrieben sie Punk-Songs für die Ewigkeit. Tapete Records aus Hamburg hat im Laufe der Jahre (und aktuell) einiges aus dem S.Y.P.H.-Katalog neu aufgelegt, und es bleibt abzuwarten, was sich nun bei ihnen noch so tut. Es scheint sich etwas zu bewegen, nachdem zuletzt 2011 Aufnahmen entstanden waren, über die man sich 2012 mit Sänger Harry Rag zerstritt, so dass das fertige Album „E.X.“ in der Folge unveröffentlicht blieb. Uwe Jahnke machte sich für dieses Interview auf den Weg von Frankfurt nach Solingen und erzählte uns seine Geschichte dieser Band, die neben Punk auch immer sehr von ihrer Nähe zu Krautrock und CAN lebte. S.Y.P.H. waren bei der Gründung 1977 Peter Braatz (alias Harry Rag; voc), Thomas Schwebel (gt), Uwe Jahnke (gt) und Ulli Putsch (dr), später kam Jojo Wolter (bs) dazu – viele weitere Musiker waren in der Folge beteiligt.
Uwe, schon bevor das Mikro an war, fingst du an zu erzählen.
Ja, der ist krass, der Jahnke, oder? So ein Blödmann, so ein arrogantes Arschloch. Mit allen Wassern gewaschen. War ja auch bei den FEHLFARBEN.
Wurde das schon über dich behauptet?
Ja, ich bin für Solinger Verhältnisse schon eine komische Figur für viele Leute. Ich bin halt sehr eigen. Sternzeichen Steinbock, sehr stur und eine gespaltene Persönlichkeit. So richtig bergisch. „Solingen, du meine Wonne, du heißgeliebte Regentonne.“ Ich bin in Solingen geboren, bin viel rumgekommen und habe auch viel mitgekriegt.
Solingen war schon in den 1970ern nicht der Nabel der Welt. Wie seid ihr hier rausgekommen, nach Köln, nach Düsseldorf? Wie kamt ihr hier weg und seid nicht hier versumpft?
Andere sind hier versumpft. Ich wollte eigentlich nie weg, ich fand Solingen cool. Ich habe hier viele coole Leute kennengelernt. Wie ich immer wieder mal rauskam, das war über meinen Cousin, der wohnte in Krefeld. Und Ferien mit den Eltern. An sich war ich lieber zu Hause und habe Musik gemacht.
Aber als Band seid ihr ja rausgekommen.
Mit der Bahn oder mit dem Auto. Und Moped. Wobei ich da eher mitgefahren bin. Als wir 1975 oder 1976 das erste Mal zum CAN-Studio nach Weilerswist gefahren sind, war das mit Peters Moped, das war eine 250er. Peter hat die Band irgendwie kennengelernt, und dann sind wir da einfach hin, der hat ein Interview gemacht für die Schülerzeitung vom Gymnasium Schwertstraße. CAN waren für uns was Besonderes, wie NEU! auch. Sozialisiert bezüglich Musik habe ich mich schon früh mit dem Röhrenradio von meinem Großvater, der hatte da immer NDR laufen. Da habe ich immer dran rumgedreht und so viel BEATLES gehört, obwohl ich das als Kind gar nicht geschnallt habe, was das war. Aber das war geil!
Du bist Jahrgang 1959, das heißt du warst im Grundschulalter Mitte, Ende der 1960er, als die BEATLES im vollen Saft standen.
Ja, genau. Was mich aber auch sehr fasziniert hat, war das Rumschalten auf dem Röhrenradio und diese Kurzwellensender. Es hat gepfiffen und geknistert und geknarzt, das war wie Synthesizer, wie Stockhausen. Elektronisch halt. Lustig. Gitarre, das hat mich überhaupt nicht interessiert, Akkorde zu spielen oder so was. Nein, ich fand den Klang toll, den Klang von Stahlseiten, so wie die klingen. Ich bin also über diesen Klang zur Gitarre gekommen und habe auch nie Gitarrenunterricht gehabt. Ich komme also eher vom Sound her.
Den Begriff „Soundtüftler“ empfindest du also nicht als negativen Ausdruck.
Nee! Bei S.Y.P.H. war das ja unser Ding. Peters und mein Ding. Wir haben uns als Schüler oft getroffen und nicht wie andere Hörspielkassetten gemacht, sondern direkt Songs gemacht mit pennälerhaften Titeln. Und dann kam das mit CAN. Peter hat die nach einem Konzert getroffen und später dieses Interview mit denen gemacht, und dann sind wir noch mal hin gefahren, mit dem Moped, und so habe ich Holger Czukay kennengelernt. Wir sind übrigens auch mal mit der Bahn hingefahren, fällt mir gerade ein, wir waren ja öfter da.
Das war 1975/76, sagtest du. Da wart ihr so 16, 17?
Da muss ich mal rechnen, und da sind sie wieder, meine Probleme. Im Kopfrechnen war ich immer schwach. Ich stamme aus einer Zeit, als „schwarze Pädagogik“ am Start war. Wenn ich eine Zwei geschrieben hatte, wurde ich immer gefragt, was der Sohn von Vaters Arbeitskollege für eine Note hatte. Der hatte eine Eins und dann wurde mit mir abends geübt und ... batsch! Diese Nummer halt. Jahrgang 1959, viele von uns haben diese Erfahrung gemacht.
Der Krieg war zu deiner Schulzeit erst 20, 30 Jahre vorbei, aber die Generation der Eltern und Großeltern und entsprechend auch der Lehrer hatte noch Kriegserfahrung. Das heißt, ein Lehrer, der 1945 30 war, war 1975 60 und noch nicht in Pension. Viele haben nie über ihre Kriegserlebnisse geredet, aber dann wurde es halt rausgeprügelt am Nachwuchs.
Exakt. Oder es wurde drüber geredet und man kam als Kind in so eine Nazi-Clique, ganz übel, da wurden diese Nazi-Lieder weitergegeben an die Kinder. In der weiterführenden Schule wurden ganz üble Judenwitze gemacht. Und was auch ganz übel war, das ist ganz wichtig zum Verständnis, im deutschen Kulturbetrieb wurde immer so getan, als ob Richard Wagner was ganz Großes ist. Wie kann man das sagen? Man kann das ganze Nazitum da verorten. Ein ganz übler Antisemit. Und dann dieser falsche Pathos. Ich mag diese Geschichten dahinter, aber wie dumm muss man sein, daraus abzuleiten, dass man privilegiert ist, weil man weiß ist und die „richtige“ Kultur hat, die richtige Einstellung ... Und diese ganzen Idioten, die heute immer noch dahin pilgern, die ganze Politikerkaste ... Wie dumm muss man sein, zu diesen Wagner-Festspielen zu gehen? Das ist der elitäre Faschismus. Und es gab damals auch den anderen Faschismus, das waren selbst Leute aus der SPD, so Handwerker und so, was die für Scheißsprüche gebracht haben und was die für eine Einstellung hatten ... „Die Bundeswehr, die Schule des Lebens“ – hör mir auf mit dieser Kacke! Wir sagten natürlich: „Nein! Ich gehe nicht zur Bundeswehr, ich bin ja nicht bescheuert.“
Ihr wart so eine „In-between-Generation“, weil die 68er, die waren eben 1968 18, sprich Jahrgang 1950 oder älter. Ihr wart zu spät dran für die Hippies.
Zum Glück, ganz ehrlich. Weil da auch so eine ideologische Verortung war, wo es schwierig wurde. Wir hatten das Glück, trotz dieser Drangsalierung und der „schwarzen Pädagogik“ in der Schule und diesem nicht aufgearbeiteten Drittes-Reich-Scheiß, diesem Nationaldenken etwas anderes erleben zu können. Ich hatte damals etliche Mitschüler, die ein Faible für die NPD hatten und rechtes Gedankengut. Aber wir konnten uns frei entscheiden und mussten um lange Haare noch kämpfen. Und um Jeanshosen! Was meinst du, wie ich früher rumgelaufen bin ... so wie später die New Wave-Generation, JOY DIVISION und so, nur war das bei denen freiwillig. Ich trug Stoffhosen und Hemden und diese Drecks-Lederhosen, dieses bayerische Scheißzeug. Und alles Kulturelle war natürlich immer mit Alkohol verbunden ... Ich muss jetzt mal aufhören mit dem Erzählen, aber das war unser Kontext.
Aus was für einem Elternhaus kommst du?
Von zu Hause aus war das eher schwierig mit der Bildung. Bildung war verpönt. Und dann diese Musik ... Stockhausen ... „Das ist doch keine Musik! Was hörst du da für eine Scheiße?“
Warst du auf dem Gymnasium?
Von der Grundschule bin ich zuerst auf die Hauptschule gekommen, denn alle wollten aufs Gymnasium. Ich habe die fünfte Klasse zweimal gemacht. Auf der Hauptschule war ich völlig unterfordert, dann haben die einen Test mit mir gemacht und danach kam ich aufs Gymnasium. Hochbegabt und sehr wahrscheinlich ADHS. Was damals aber niemand so nannte. „Der ist einfach lebhaft“, hieß es. „Das Problemkind, es hört nicht auf zu reden.“ Von zu Hause war ich eine sehr einfache Sprache gewohnt. So wie ich jetzt rede, das habe ich erst sehr spät gelernt, also mich so auszudrücken. In den 1970ern und 1980ern war ich sehr still, das kann man sich gar nicht vorstellen, wenn man mich heute kennt. Das war, weil ich mir selber peinlich war, wenn ich den Mund aufmachte, also habe ich nichts gesagt. Das war zu Ratinger Hof-Zeiten, da kamen immer die Leute an, haben mich irgendwas gefragt und ich habe wortkarg geantwortet, habe da nur rumgestanden, habe alles beobachtet.
Weil du nicht auffallen wolltest mit deinem Solinger Platt?
Solinger Platt, das kann ich, aber so habe ich nicht geredet. Ich kam auch manchmal in „Zustände“, wo ich dann viel geredet habe, und was da rauskam, das waren dadaistische Artefakte, gepaart mit religiösem Schwachsinn – irgendwas Merkwürdiges. Ich habe alle Phasen durchlaufen in den 1970ern, ich habe viel ausprobiert. Ich habe schnell Kontakt zu Leuten bekommen, wo mein Alter immer die Krise gekriegt hat. Es gibt ein S.Y.P.H.-Stück namens „Falsche Freunde“, die Blödeltypen von der letzten Bank. Ich und zwei Klassenkameraden haben im Unterricht nicht mehr mitgemacht, das fiel natürlich auf. Ich musste dann nach vorne kommen, hatte einen Kaugummi im Mund, meine Haare voll die Matte. „Jahnke, zeig mir mal den Ort, den ich gerade eben genannt habe, auf der Karte. Aber vorher spuckst du den Kaugummi aus.“ Und ich: „Nee, ich spuck den nicht aus, der war teuer, ich habe nicht so viel Taschengeld.“ Und dann ist der Lehrer ausgerastet und sagte zu mir „Dann spuck ihn mir doch ins Gesicht.“ Ich: „Nö, den Gefallen tu ich Ihnen nicht.“ Und habe dann den Kaugummi rausgenommen. Das war eher meine Art. Ich war gegen Autoritäten, gegen falsche Autoritäten, gegen diesen politischen Schwachsinn, gegen die linken Blödmänner und die rechten Arschlöcher. Ich fand diese Dogmen immer fürchterlich, wir hatten eine andere Haltung und haben das auch in der Musik versucht – teilweise sehr erfolgreich.
Das bringt mich zurück zu dem Punkt, wo ihr als Teenager zum legendären Studio von CAN gefahren seid. Wie kam es dazu, dass du von der kindlichen BEATLES-Begeisterung und den elektronischen Spielereien am Radio dann CAN und NEU! entdeckt hast?
Auch einfach über das Radio. Es gab Sendungen, da wurden ganze Alben gespielt. Und ich hatte schon relativ früh einen Kassettenrekorder und habe mir diese Sachen aufgenommen. Da kam zum Beispiel „Future Days“ von CAN. Und davor habe ich schon heimlich unter der Bettdecke Radio gehört, BBC und BFBS. Diese ganzen Glamrock-Sachen ... die erste ROXY MUSIC-Platte, was für ein Universum an Sounds! Und auch T. REX und dieses Hardcore-Zeug von SLADE, das waren ja eigentlich Skinheads mit langen Haaren. Dann DEEP PURPLE hören, „Speed king“, „Deep Purple In Rock“. Das war wie ein Erweckungserlebnis. Ich warte heute auf so eine Musik, aber die kommt nicht mehr.
Ich glaube, so erlebt man Musik nur in diesem jugendlichen Alter.
Das glaube ich nicht. Ich glaube, dass die Leute heutzutage irgendwie die Kreativität aufgegeben haben. Die werden nicht mehr ermuntert, so was zu machen. Die Kreativität war damals größer, auch in der Bildenden Kunst. Es gab damals diesen Schmelztiegel von Kunsthochschule Düsseldorf und Ratinger Hof, um Carmen Knoebel, die den „Hof“ gemacht hat. Was ich damals schon scheiße fand, und das sage ich frank und frei, das waren die Geschichten, die später erzählt wurden zu Punkrock oder New Wave oder wie immer man das nennen möchte. Die kamen zum Beispiel von DAF. Alfred Hilsberg macht ein Interview und Gabi Delgado erzählt, sie seien schon immer Skins gewesen, und dabei hatte er ein halbes Jahr vorher noch die längsten Haare von ganz Wuppertal, ist mit dem Mofa rumgefahren und hat PINK FLOYD-Platten gehört. Dann schimpfte er darauf, und so was war nie mein Ding. Ich habe gesagt, dass ich GENESIS mag, weil das echt war. Peter Gabriel, „Supper’s ready“, das war die Brücke zwischen Peter und mir und später dann Jojo. Unser Musikgeschmack, das Hören und Empfinden von Musik und die Möglichkeit, dann selber Musik machen zu können, das war früh da bei uns, auch zu der Zeit, als wir im CAN-Studio gewesen sind. Ich habe mich wirklich dafür interessiert, wie macht man so etwas? Ich habe Holger Czukay damals gefragt, wie der Sound entstanden ist von dem Stück „Yoo doo right“ von der ersten CAN-LP. Und er hat es mir gezeigt, der hatte Stricknadeln in den Bass geklemmt. Und dadurch hat es diesen Hall-Effekt gegeben, ohne Delay. Mit Holger hatte ich noch jahrelang Kontakt, ich habe ihn besucht, er hat mir seine neuen Sachen vorgespielt.
Wie habt ihr diese Musik damals genannt? Sprach man schon von „Krautrock“?
Ja, der Begriff war schnell da. TANGERINE DREAM waren ja früh in England, und Deutsche wurden da eben „Krauts“ genannt ...
Von „Sauerkraut“ ...
Das war auch so ein Weltkriegsding. Und dann noch Monty Python: „There were two peanuts walking down the Straße and one was ... a salted peanut.“ Auch das war S.Y.P.H., also Monty Python, INSTERBURG & CO., Jürgen von Manger ... Irgendeine Journalistin hat über die zweite S.Y.P.H.-LP damals geschrieben, das sei „rheinischer Tünnes mit Experimentalmusik“. Und ja, das waren wir. Gegen jede Regel. Immer gegen die Regel gehen. Nur beim Rhythmus nicht. Das Einzige, was ich über Ulli Putsch sage: Da hatten wir leider einen Schlagzeuger, der hatte eine Naturbegabung. Keinen zu haben. Also Rhythmus. Das war eine Scheiße ... Mein lieber Freund Jojo Wolter, der super Bassmann, der hat immer zu mir gesagt: „Boah, ey, Uwe, ich halt’s nicht mehr aus, ich krieg Herzrhythmusstörungen!“ Und Peter war nicht berechenbar, das ist ja das Schöne. Es war manchmal anstrengend, aber letztendlich auch nicht. Man musste sich das irgendwie... also manche Situationen musste man sich da so ein bisschen gruppendynamisch schön denken.
Hast du deinen Frieden gefunden mit S.Y.P.H.?
Ich habe es jahrelang gehasst. Ich konnte S.Y.P.H. nicht mehr hören. Meine Frau ist Artistin, Seiltänzerin. Als ich die kennengelernt habe, fand ich es bewundernswert, was sie für Musik gehört hat. Nur warum sie Nick Cave gut fand, das verstand ich nicht, aber es war ihr egal. Für S.Y.P.H. habe ich mich richtig geschämt, doch dann haben wir mal bei ihr im Küchenwagen das zweite Album „Pst“ gehört und sie sagte zu mir: „Ey, das geht ja weit über alles hinaus, das ist ja schon Kunst, was ihr da macht.“ Das hat mir geholfen, diese Blockade aus dem Kopf zu kriegen. Klar, das hatte mit dem Gerichtsprozess zu tun und unserem Stress, diesen Animositäten.
Du konntest die Genialität des eigenen Tuns also gar nicht mehr erkennen?
Ja. Als ich im Januar 2025 in Solingen dieses Konzert spielte ...
... ein kurzer Auftritt mit zwei S.Y.P.H.-Songs im Rahmen so einer Art Gala zur Solinger Musikgeschichte ...
... da waren meine drei Töchter da. Und die eine sagte, lass uns noch mal ein paar alte Sachen von der Band anhören. Sie kann genau sagen, wo Peter nicht natürlich agiert, wo vielleicht zu viel Druck war. Sie hat einen Sinn für dieses Feinnervige. So ist das auch bei mir mit dem Gitarre spielen. Ich habe früher immer Probleme damit gehabt, obwohl ich viel konnte, und das lag aber daran, dass ich nie Stücke anderer nachgespielt habe. Ein Freund ist Gitarrenlehrer, und seine Schüler wollen immer was von anderen nachspielen. Kreativität ist das Thema, und das Konsumieren von Dingen. Es ist alles verfügbar, aber warum nicht mal was selber machen? Ich glaube, das ist der Grund, warum man jetzt lange wartet auf was Großes, Neues.
Wie war das, als das losging mit der Band ab 1977, wart ihr Gymnasiasten?
Nee, eher Arbeiterklasse. Auf dem Gymnasium war ich nur bis zur 10. Klasse, ich habe kein Abi gemacht. Ich habe dann eine Tischlerlehre gemacht. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, in Düsseldorf bei einem richtig coolen Fotografen eine Fotografenlehre zu machen oder mit irgendwelchen Tricks auf die Kunstakademie zu gehen. Das ging aber nicht. Einerseits war ich wohl wahrscheinlich zu bequem und zum anderen hieß es: „Man muss was Ordentliches lernen.“ Ich sollte später mal Architekt werden, oder zumindest Bauingenieur. Also Tischlerlehre, da habe ich Ulli Putsch kennengelernt. Und Thomas Schwebel habe ich über Peter kennengelernt. Thomas hat, glaube ich, auf dem Gymnasium in Solingen-Wald Abi gemacht, aber Peter und ich sind nach der 10. Klasse abgegangen. Ich hätte weitermachen können, hatte aber keinen Bock. Zum Glück.
Parallel zur Ausbildung habt ihr also diese Band gehabt. Ging das so einfach, Band und Arbeit, gab es da keine Zwänge?
Nö. Wenn es spät wurde bei einem Konzert, standen wir am nächsten Morgen dennoch früh auf der Matte. Also einfach, um eine Struktur zu haben. Ich wollte immer Musik machen, ich wollte das andere alles gar nicht. Für mich war es ein Highlight, abends nach der Arbeit in den Proberaum zu geben. Die ersten Proben waren noch im Elternhaus von Thomas Schwebel im Keller. Dann hatten wir einen Proberaum in einer alten Fabrik, direkt neben dem von ACCEPT. Das war krass, da arbeiteten ganz klassische Solinger Schleifer und daneben waren Proberäume. Dann waren wir mal hier, mal da. Ganz krasse Nummer. Irgendjemand hat sich immer beschwert, es sei zu laut. Später waren wir in Krahenhöhe im Vorderhaus der Firma Walter Gott.
Walter Gott Maschinenfabrik – da hat Michael Gira von den SWANS 1969 in seinen paar Monaten, die er in Solingen lebte, eine Ausbildung begonnen. Wie habt ihr aufgenommen, im Proberaum?
Anfangs habe ich Sachen zu Hause gemacht, mit meiner Revox-Bandmaschine. Ich hatte schon zu meiner Schulzeit drei Wochen in den Ferien auf dem Bau gearbeitet, auch als halbes Hemd mit 56, 58 Kilo: Steine schleppen, Schubkarre mit Speis fahren und Geld verdienen, um mir Verzerrer und solche Geräte zu kaufen. Die Bandmaschine gehörte vorher Kurt Dahlke, der hat die mir verkauft. Und damit habe ich dann viel aufgenommen. Ich habe das Tape leider nicht mehr, aber die Aufnahmen wurden alle digitalisiert. Das ist geiles Zeug ... Später hatten wir einen Vierspur-Kassettenrekorder, dann ein Studio mit einer 16-Kanal-Bandmaschine und Mischpult und alles. Es war immer mein Traum, autark was zu machen.
Und wie kam der Punk in euer Leben? Es gab damals einerseits die Leute, die schon Kraut- und Pub- und Glamrock kannten und dann Punkrock für sich entdeckten, und andererseits jene, für die Punk die erste Musik im Leben war.
Ich habe es im Radio gehört. Ich habe die SEX PISTOLS gehört und dachte mir: Okay, dreckiger Rock’n’Roll, aber nix Neues. Es hat mich nicht so umgehauen wie DEEP PURPLE, LED ZEPPELIN oder FLEETWOOD MAC. Ich fand, die SEX PISTOLS waren eine billige Rock’n’Roll-Nummer.
Im Grunde war es das ja auch.
Alles, was John Lydon später gemacht hat mit PUBLIC IMAGE LIMITED, fand ich besser. Deren erste Platte war ja auch noch Rockmusik, doch dann kam „Metal Box“ und das war ... wow! Was macht dieser britische Wahnsinnige da? Und mit „Flowers Of Romance“ schuf er dann ein neues Klanguniversum, es war eine der geilsten Platten, die damals rausgekommen ist. Oder WIRE. Das war eine Band, die haben klargestellt, es ist Rock’n’Roll, aber wenn wir den spielen, dann ist er wieder elektrisch. Die spielten damals im Ratinger Hof, Carmen hatte die gebucht. Die kamen mit diesem Riesentruck an, haben die ganze Ratinger Straße versperrt. Und dann gingen die Techniker in den Hof und fragten sich, wo soll das denn jetzt alles hin. GANG OF FOUR waren auch geil, dieses funky Zeug. Während der Tischlerlehre habe ich manchmal keinen Bock gehabt, zur Berufsschule zu gehen, und stattdessen bin ich nach Köln gefahren, zum Saturn.
Saturn am Hansaring galt sehr lange als einer der bestsortierten Plattenläden in Deutschland.
Was mich interessiert hat, war deren Abteilung für Weltmusik, wobei das damals noch nicht so hieß. Da hatten die afrikanische Musik, Musik aus Java, Indonesien, tibetanische Gamelan-Musik, alles mögliche. Es ging mir nicht darum, das zu imitieren oder nachzumachen, sondern darum, Wissen zu sammeln. Diese haitianische Voodoo-Musik etwa, da ist dieser heftige religiöse Kontext. Und ich habe das gehört und mich gefragt, was machen die da, woran orientieren die sich? Jahre später habe ich den Dokumentarfilm „A Night in Havana: Dizzy Gillespie in Cuba“ gesehen, und da erklärt er, was das Hauptinstrument ist bei dieser Musik, woran man sich orientieren kann: Es ist die Clave, der Rhythmus der Klanghölzer, die machen die Musik mal schneller, mal langsamer. Solche Sachen haben mich immer interessiert hat. Ich stelle mir Fragen und irgendwann werden die Fragen beantwortet. Mit afrikanischen Musikern zusammen zu spielen, das ist ein bisschen untergegangen. Unsere „Wieleicht“-Platte von 1985 ist deshalb so gut, weil wir da Joe Beckmann dabei hatten, einen Trommler aus Ghana, der hat die Platte stramm gezogen.
2002 gab es in der Düsseldorfer Kunsthalle die Ausstellung „Zurück zum Beton. Die Anfänge von Punk und New Wave in Deutschland“. Damit wurde euer Stück wieder ins Licht der Öffentlichkeit gezerrt. Ein Song, mit dem Menschen aus dem Punkrock bis heute eure Band assoziieren. Und es war eine Punk-Ausstellung, keine Krautrock-Ausstellung, und viele Menschen, die hinter S.Y.P.H. auch angesichts eurer frühen Verbindung mit der aufkeimenden Düsseldorfer Punk- und NDW-Szene eine Punkband vermuten, werden vielleicht angesichts eurer aktuellen Rereleases auf Tapete Records eher irritiert sein. Denn „typischer“ Punk waren S.Y.P.H. nur kurze Zeit, bald drückte dieser Krautrock wieder durch, der schon ganz zu Beginn für euch so wichtig war. Wie kam also dieser Punk zu euch und warum ging er wieder?
Punk war in erster Linie eine Mode, so wie bei den Mods auch mit ihren Parkas und Blue Jeans. Ich sehe das pragmatisch: Wir wollten auf der einen Seite Songs machen, und auf der anderen Seite frei sein von diesen Strukturen. Mich hat fasziniert – und das haben wir live teilweise gemacht –, einen Song zu spielen und dann anzufangen den aufzulösen. Unser Hintergrund war einerseits Texte zu strukturierten Liedern zu machen, andererseits aber auch so freies Zeug zu machen. Auf unserem Album „Am Rhein“ gibt es eine Session, die war ein Meisterwerk. Man kann es gar nicht beschreiben, das war völlig durchgeknallt, teilweise mit Jazz-Elementen. Das hat Spaß gemacht, für so was in einem Raum zu sitzen, so ein Raum macht ja auch mit. Als unser Label Ata Tak noch in Derendorf war, da hatten die einen Raum, da stand alles Mögliche rum. Wenn man da spielte und ein bisschen leiser wurde, aber trotzdem Druck da war, dann machten die anderen Instrumente auch mit. So was wurde selten eingefangen, aber das war das, was uns immer interessiert hat. Peter hat das auch so erlebt. Ich finde, das kann man auf dem Rerelease „Pure Freude Singles 1979-1981“ auch hören. Wir machten Singles, die eine Seite Songs, die andere Seite mit irgendwas, was so gerade passierte. Dann, ganz großartig, „Pst“ mit Holger Czukay. Peter hat da gigantisch genial Gitarre gespielt, und nicht eine Gitarre, die Melodien oder Akkorde spielt, sondern eine, die Räume aufmacht. Verzerrte Sounds, die wie Flächen waren und auch im Raum aufgetaucht sind. Und wir haben zu dem Zeitpunkt keine Drogen genommen, man könnte so was im Bereich der Hippie-Musik verorten. Nein, das geschah in diesem Moment, ohne Absprache und intuitiv. Peters Texte waren meistens zuerst da, dann wurde die Musik dazu gesucht.
Eure ersten Ausflüge zu CAN nach Köln waren 1975/76, eure ersten Platten erschienen 1979. 1979 war der Punk, der mit SEX PISTOLS und RAMONES 1976 angefangen hat, eigentlich schon wieder ein alter Hut und in England gefühlt schon vorbei, es wurde von Post-Punk geredet. Was passierte bei euch in diesen drei Jahren?
Privat Musik machen, keine Auftritte, das kam erst später. Die Aufnahmen aus der Zeit gibt es ja auf Kassetten auf dem Label Mauerstadtmusik von Thomas Pargmann. Das sind Sachen, die wir damals mit normalen Kassettenrekordern und später dann mit Vierspur-Rekordern gemacht haben. Kassettenrekorder waren für mich ja nicht nur Geräte, um Sachen aufzunehmen, sondern ich habe bald herausgefunden, wie man Kassetten so manipuliert, dass man Loops basteln kann. Damals gab es in Solingen Conrad Electronic und Karstadt, da hast du Leerkassetten gekriegt und auch Schneidewerkzeug für die Kassetten. Das war mein Ding. CAN kennenzulernen, der direkte Kontakt zu Musikern, das war spannend, denn man hatte ja so eine idealisierte Vorstellung von solchen Leuten. Jaki Liebezeit, leider schon verstorben, war ein super Schlagzeuger. Wenn du den beim Proben beobachten konntest, hast du gedacht, da sitzt ein Oktopus dahinter. Den im Studio zu erleben ... bis dahin fand ich das immer so albern, wenn Leute gesagt haben, wir benutzen unser Studio als Instrument. Da war die Erfahrung im CAN-Studio gigantisch.
Bislang nehme ich aus diesem Interview mit, dass „Zurück zum Beton“ nur die sichtbare Spitze von dem Eisberg ist, der ihr als Band wart. Der Punk-Song ist das eine, aber da steckt so viel mehr dahinter.
Menschen brauchen Kategorien, Schubladen, man muss alles sortieren, ich bin ja selber teilweise so. Und ich sehe es als eine Aufgabe, mir das abzugewöhnen, denn wenn du alles kategorisierst, geht was verloren. Wenn man zu viele Kategorien hat, dann geht die Freiheit flöten. Nimm zum Beispiel das „Flowers Of Romance“-Album von PiL, von jemandem, von dem man Punkrock erwartet. Lydon kehrte später zwar zur Rockmusik zurück, doch „Flowers Of Romance“ ist ein Meisterwerk, das hat mich umgehauen. Punkrock ist für mich ... nun, ich bin nicht der Typ für solchen Beschreibungen. Für mich ist das Musik. Punkrock wird es immer geben, und den gab es früher schon, nimm die MONKS. Klänge, die haben mich früh geprägt. Meine Eltern feierten eine Party, die Bässe dröhnten durch das Haus, und ich lag im Bett und hörte die Bassfiguren von irgendwelchen James Last-Platten. Das war, als würde nebenan jemand Bass spielen und du kannst dich dem nicht entziehen, bist im Halbschlaf und hörst dieses „Wumm-wumm-wumm“. Das ist das, was mich interessiert. Was inspiriert einen? Wie kann man so was weiterführen? Warum macht man Musik, warum spielt man Gitarre? Wir hatten mal Austauschschüler aus England in der Klasse, die konnten toll Gitarre spielen und singen und die Mädels waren beeindruckt. Ich habe das überhaupt nicht geschnallt damals, ich wollte damit niemanden beeindrucken. Ich hatte einfach Spaß an dem Sound, daran, was zusammen zu machen. Ich war sehr zurückhaltend.
Was hat euch motiviert?
Wir haben nicht Musik gemacht, um jemanden zu beeindrucken, sondern ... bestenfalls waren die Songs frei und die freien Stücke Songs. Unser Antrieb war nicht, mit schönen langen Haaren die Mädels zu beeindrucken. Das war eher später bei den FEHLFARBEN so, das war fürchterlich teilweise, aber es gab auch schöne Momente. Das Schöne ist: Ich habe irgendwann gemerkt, dass ich alles, was ich mal gemacht habe, für mich relativieren und nutzen kann, um weiterzukommen und nicht stehen zu bleiben. Und das war immer mein Credo beim Musikmachen.
Noch mal das Stichwort Punk. Mein Live-Erstkontakt mit S.Y.P.H. war sehr spät, 2004 in Kassel bei diesem legendären „Punk! Kongress“, wo ihr in diesem Keller gespielt habt und Menschen aus der Punk-Szene aus der ganzen Welt angereist waren.
Ja, der Produzent von SUICIDE, Marty Thau war auch da. Mich hat das aber nicht interessiert, als der mich ansprach, dann hat der sich stattdessen mit Jojo unterhalten. Mich interessiert eher, was fühle ich gerade auf der Bühne und was bekomme ich vom Publikum. Bei dem Konzert in Kassel war ich kurz davor, meinen Verstärker zu nehmen und ihn dem Ulli ins Schlagzeug zu schmeißen ... Those were the days ... Aber was auf der Bühne abgeht, das ist was anderes als das, was sich nach außen transportiert. Bei den BUZZCOCKS konnte man an dem Abend sehen, dass da gleich was passiert, da hat man sich hinterher auf die Fresse gehauen. Da stand dann ein Stuhl vor der Garderobe und du weißt, wenn ein Stuhl bei einer englischen Band vor der Garderobe steht, geh besser nicht hinein, denn sonst kriegst du auf die Fresse. Alte Regel, früh gelernt.
Du warst auch mal bei FEHLFARBEN.
Ja, ab 1981. Das waren die wilden Achtziger ... viele Frauen vor der Bühne ... Auf der einen Seite war das lustig, aber dann bin ich nach Hause gekommen, war wieder in Solingen und habe mich gefragt: Ist es das? Ist das meine Vorstellung von Kontakten zu Frauen? Wie schlimm ... Auch generell die Musik ... mal war es besonders, was man machte, aber auch gleichzeitig eklig. Und die Auseinandersetzungen in der Band ... Thomas Schwebel war ein super Sänger, das haben die meisten damals überhaupt nicht geschnallt. Er war völlig anders als Peter Hein, das ging eher in Richtung David Byrne. Letztendlich hat mir bei FEHLFARBEN das gefehlt, was bei S.Y.P.H. so ging. Das hat mir tatsächlich gefehlt. Und die letzte Episode bei FEHLFARBEN von 2000 bis 2013 ... ich hab’s halt gemacht, habe auch viele Stücke geschrieben und es sind schöne Sachen dabei rausgekommen. Aber 2013 bin ich raus, ich wollte schon zwei Jahre vorher aussteigen. Es passte nicht mehr. Bei S.Y.P.H. waren die Auseinandersetzungen ganz anders, aber produktiver. Bei FEHLFARBEN gab es durch die Auseinandersetzungen immer nur Stillstand.
Apropos Auseinandersetzungen: 2011 hatten S.Y.P.H. ein neues Album aufgenommen, es gab aber einen Zwist mit Sänger Peter Braatz alias Harry Rag, was dazu führte, dass das Album „E.X.“ 2013 mit neuen Gesangsaufnahmen von Doc Schoko erscheinen sollte – was Peter Braatz per einstweiliger Verfügung gerichtlich untersagen ließ.
Dieser Gerichtsprozess war das Schlimmste. Ich konnte mich leider zu der Zeit nicht so stark in die Produktion einbringen, wie das vielleicht gut gewesen wäre, weil ich zu der Zeit einen Job hatte in Frankfurt bei der Behindertenhilfe, um überhaupt Geld zu verdienen. Ich war noch bei FEHLFARBEN und habe meine Urlaubszeit genutzt, um ins Studio zu gehen oder Tourneen zu spielen. Meine damalige Partnerin war auch dabei und hat den Merch verkauft, das war Lilith Winter von DIE RADIERER – eine geile Band. Bei der „E.X.“-Platte ging es schlussendlich um den Gesang. Wir haben uns getroffen, bevor wir ins Studio gegangen sind, ich hatte Stücke und Peter seine Texte. Dann haben wir das zusammen ausgearbeitet, und dann ... ging es ans Aufnehmen. Peter ist so genial, dass er nie zweimal dasselbe macht, man müsste eigentlich immer den ersten Take nehmen und das dann zusammenschneiden. Ich kann das jetzt verstehen, nur damals war ich nicht so weit. Ich hätte aber so weit sein müssen, weil wir damals mit Moses Schneider schon die FEHLFARBEN-Platten „Glücksmaschinen“ und „Xenophonie“ gemacht hatten. Moses ist ein Crack, „Glücksmaschinen“ ist zum Beispiel zunächst ohne Gesang aufgenommen worden, das hat der alles arrangiert, der hat den musikalischen Direktor und Dirigenten gegeben. Das hat den FEHLFARBEN gut getan, weil es wieder ums Musikmachen ging. Bei dem Gerichtsprozess nun kam schlussendlich raus, dass wir als Band eine GbR sind. Nun, Peter hatte damals sein eigenes Ding im Kopf, der hat nicht so bandmäßig gedacht, und ich kann das jetzt verstehen. Er hat sich außen vor gelassen gefühlt, aber er gehörte mit dazu, er hat die Band mit gegründet – wobei der Name von Thomas Schwebel ist. Seitdem streiten übrigens ich, Peter Braatz und Ulli Putsch darum, wer die Punkte erfunden hat. Zum Glück weiß ich es. Wir konnten damals also nicht mehr kommunizieren, wir haben diese ganzen Fights per Mail ausgetragen, das war eine E-Mail-Schlacht, so was hatte ich noch nicht erlebt. Schlimm war, dass wir Peter rausgeschmissen und das ohne ihn durchgezogen haben. Das war falsch, ich hätte sagen müssen, unter gar keinen Umständen schmeißen wir den raus. Dafür habe ich mich entschuldigt. Es war dann lange Funkstille, und ich hatte das damals überhaupt nicht auf dem Schirm, wie das ist, wenn man jemanden ausgrenzt. Was für eine Nazi-Kacke! Und das werfe ich mir selber vor. Ich stehe dazu. So viel Selbstreflexion muss einfach sein. Man darf Leute nicht ausgrenzen.
Wird es irgendwie weitergehen mit S.Y.P.H. jenseits der Rereleases?
Gunther Buskies von unserem Label Tapete Records hat Kontakt zu Peter, die telefonieren öfter. Und da hat Peter wohl irgendwas geäußert, dass wir was zusammen machen. Das hatten wir zwischenzeitlich mal vorgeschlagen, aber es ist dann beim Vorschlag geblieben. Er hat mal einen Text geschickt, ich hätte die Musik dazu gemacht. Nee, sing es einfach. Mach eine Audioaufnahme. Das hat der Jojo vorgeschlagen. Ich würde mich freuen, wenn wieder was passiert. Hauptsache, wir machen es.
Damit sind wir wieder bei Punk: Egal, mach einfach.
Ja, und wenn das Punk bedeutet, dann bin ich immer dafür.
Danke, das war das letzte Wort.
Oh, Scheiße. Ich habe doch noch so viel zu erzählen ...
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Diskografie
„Viel Feind, viel Ehr“ (7“, Pure Freude, 1979) • „Pst“ (LP, Pure Freude, 1980; Rerelease Bureau B, 2024) • „s/t“ (LP/CD, Pure Freude, 1980; Rerelease FünfUndVierzig, 1999/Tapete, 2024) • „s/t“ (LP/CD, Pure Freude, 1981; Release Tapete, 2024) • „Der Bauer im Parkdeck“ (2x7“, Pure Freude, 1982) • „Harbeitslose“ (LP/CD, Pure Freude, 1982; Rerelease FünfUndVierzig, 2001) • „I Want U“ (12“, Das Büro, 1985) • „Wieleicht“ (LP/CD, Das Büro, 1985; Rerelease Ata Tak, 1993/2005) • „Am Rhein“ (LP/CD, Das Büro, 1987; Rerelease Ata Tak, 2003) • „Stereodrom“ (LP, What’s So Funny About ..., 1987) • „Rot Geld Blau“ (LP/CD, Buback, 1993) • „Zurück zum Beton“ (12“, Eternity, 2003) • „Ungehörsam (Essential Recordings 1978-2003)“ (2CD, Glitterhouse, 2004) • „-1“ (CD, Pure Freude, 2006) • „E.X.“ (CD, Tapete, 2013) • „Pure Freude Singles 1979+1981“ (LP/CD, Tapete, 2024)
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