
Wer die 1977 von Harry Rag (bürgerlich: Peter Braatz), Uwe Jahnke und Thomas Schwebel gegründete Solinger Band S.Y.P.H. aufgrund ihres „Hits“ „Zurück zum Beton“ vom 1980 auf dem Düsseldorfer Label Pure Freude veröffentlichten Debütalbum für eine echte Punkband hält, dem sind möglicherweise bei den Songs das Aufbrechen von Genrekonventionen und die Lust an dadaistischem Pop-Nonsens entgangen. Und wenn man dann noch weiß, dass Jahnke und Rag Mitte der 1970er Jahre einen CAN-Fanclub gegründet hatten, überrascht einen vielleicht etwas weniger, warum das ebenfalls 1980 entstandene nächste Album „Pst“ (statt Schwebel waren inzwischen Uli Putsch und Jürgen Wolter in der Band), ebenso wie der selbstbetitelte Nachfolger von 1981 so klingen, wie sie eben klingen. 1976 hatte Rag offenbar sogar mal ein Interview für eine Schülerzeitung mit CAN-Bassist Holger Czukay geführt. 1980 stand man dann im Inner Space Studio in Weilerswist bei Köln (CAN hatten sich 1978 aufgelöst) und nahm mit Czukay „Pst“ (der lautmalerische Titel soll Zuhören und Ruhe vermitteln) auf, der das Album produzierte und auch bei fünf Stücken als Musiker beteiligt war. Die sechs auf dem 1981 veröffentlichten nächsten Album (auch als 4. LP bekannt, offenbar wurde da die Live-Platte von 1981 mitgezählt) enthaltenen Stücke sind Outtakes aus den Inner Space-Sessions, die Rag mit Czukay zusammenstellte. Czukay hatte wohl bereits Teile davon mit S.Y.P.H. für den Titelsong seines eigenen Album „On The Way To The Peak Of Normal“ verwendet. Ist „Pst“ noch deutlich songorientierter, aber für „normalen“ Punk oder NDW dennoch zu abgedreht und krautrockig, tauchen S.Y.P.H. mit den sechs anderen Stücken noch tiefer in den Improvisationsrock-Kosmos von CAN ein. Ich konnte mal halbwegs günstig die 1998 auf Captain Trip Records in Japan erschienene CD-Kopplung beider, bis dahin nur auf LP erhältlichen, musikalisch immer noch sehr faszinierenden und außergewöhnlichen Alben erstehen, die Krautrock-Fans sicher mehr zu schätzen wissen als Punk-Liebhaber. Die wurden jetzt bei Tapete neben dem S.Y.P.H.-Debüt, den „Pure Freude Singles“ (mit der ersten EP „Viel Feind, viel Ehr“) und unveröffentlichten Raritäten („Punkraut 1978-1981“) auf LP und CD wiederveröffentlicht.
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