
Sehr viele überregionale Beiträge zur Musikgeschichte hat die bei genauerer Betrachtung über die Jahrzehnte doch sehr rege Solinger Rockmusikszene nicht hervorgebracht, aber jenseits von ACCEPT (sorry, JET BUMPERS, EMBRYONICS und RAUSCH) sind historisch gesehen und im größeren Rahmen nur S.Y.P.H. in Erinnerung geblieben. Die waren anno 2002 durch die legendäre Düsseldorfer Ausstellung „Zurück zum Beton“ zurück in die Wahrnehmung katapultiert worden. S.Y.P.H. waren seinerzeit mit MALE und MITTAGSPAUSE eine „der“ Bands aus dem Ratinger Hof und veröffentlichten ihr titelloses Album 1980 auf dem Pure Freude-Label von Carmen Knoebel. Mit dem waren sie ihrer Zeit schon wieder voraus, denn wo andere Punk zu jener Zeit sehr simpel und direkt umsetzten, merkte man ihrem Album (speziel retrospektiv) den konzeptionell-künstlerischen Ansatz an in jener Zeit, als NDW sich gerade in Aufstellung brachte. Mit „Zurück zum Beton“ und „Lachleute & Nettmenschen“ schrieben sie Punksongs für die Ewigkeit, in unglaublich smarter Prägnanz, und schafften es gleichzeitig schon damals, Lederjackenträger mit einem eingängigen Song wie „What happens?“ oder dem sperrigen „Partir“ zu verwirren oder mit „Kein Ziel“ EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN vorwegzunehmen. „Fuer Rudi Dutschke“ stand auf dem Backcover unter den Titeln, der war Ende 1979 an den Folgen der Schussverletzungen gestorben, die ihm elf Jahre zuvor ein von der Springer-Presse aufgehetzter Attentäter zugefügt hatte. Das war zu jener Zeit noch eine Ansage. Tapete hat nun nach diversen vorherigen Rereleases diesen Klassiker neu aufgelegt, mit aktuellen Linernotes von Gründungsmitglied Thomas Schwebel im CD-Booklet, wobei die Aufbereitung aber unverzeihlich schlecht ist: ein Flyer sowie das originale LP-Beiblatt sind so winzig abgebildet, dass es schlichtweg unmöglich ist, sie zu lesen. Parallel dazu erscheint die CD „Pure Freude Singles 1979-1981“ als separate Veröffentlichung, sie enthält die Songs von „Viel Feind, viel Ehr“ (1979) und „Der Bauer im Parkdeck“ (1982) sowie mit „Zirpenknirspel“, „Stahlregen“ und „Viel Feind viel Ehr“ drei als „previously unreleased“ ausgewiesene Stücke. Bleibt abzuwarten, was sich rund um diese Veröffentlichung in Sachen S.Y.P.H. so tut, es scheint da gewisse Bewegungen zu geben, nachdem zuletzt 2011 Aufnahmen entstanden waren, über die man sich 2012 zerstritt, so dass das fertige Album „E.X.“ in der Folge unveröffentlicht blieb.
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