
In einer großen Metal-Publikation war das neue Live-Album von LAIBACH die „Arschbombe des Monats“. Das ist nicht wirklich überraschend, denn bei den letzten Platten der 1980 im jugoslawischen Trbovlje gegründeten LAIBACH, ein Teil des interdisziplinären Kunstkollektivs Neue Slowenische Kunst (NSK), sehe ich, vielleicht mit Ausnahme ihrer Wiederveröffentlichung des 1987er Albums „Opus Dei“, in den letzten zehn Jahren keine wirkliche Schnittmenge mit den Interessen eines Metal-Publikums. LAIBACH machen eh, was sie wollen, ohne Rücksicht auf eine möglichst breite Wirksamkeit ihrer Musik. Diese subversive Unterwanderung des normalen Kulturbetriebs war ja schon immer Teil ihrer künstlerischen Strategie, auch wenn sie damit niemanden mehr richtig schocken können, insofern sind auch sie inzwischen ein Opfer der Feuilletonisierung ihres Schaffens geworden. „Alamut“ ist das perfekte Beispiel dafür, denn es handelt sich hier um den Mitschnitt einer mit großem Orchester umgesetzten Aufführung im September 2022 in Ljubljana, im Sinne der internationalen kulturellen Zusammenarbeit zwischen dem Iran und Slowenien. Bei „Alamut“ handelt es sich um die Umsetzung des 1938 erschienenen gleichnamigen historischen Romans des slowenischen Schriftstellers Vladimir Bartol als aufwändiges symphonisches Werk. Bartol erzählt darin eine Geschichte aus dem Persien des 11. Jahrhunderts, als die Assiden-Sekte einen fanatischen Kampf gegen die Türken führte. Hier weiter ins Detail zu gehen, würde etwas den Rahmen sprengen. Natürlich interessierten LAIBACH dabei Themen wie Nation und Führerkult, was sie in beeindruckend bombastischer Form auf die Bühne brachten. Das Problem dabei ist ein Ähnliches wie bei ihrem Album „Wir sind das Volk“ von 2022 mit der Musik der gleichnamigen Theaterproduktion, denn ohne die Bilder der Inszenierung funktioniert „Alamut“ trotz seiner faszinierenden musikalischen Qualitäten einfach nicht richtig. Warum nicht direkt eine DVD oder Blu-ray? Empfehlenswerter ist da, sich gleich den vollständigen 100-minütigen Mitschnitt einer späteren Aufführung von „Alamut“ in Ljubljana des slowenischen Fernsehsenders TV SLO 2 auf YouTube anzusehen.
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